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Urteil: Fußtritte waren lebensgefährlich

Zwei junge Männer verletzten einen 23-Jährigen aus Eschlkam – nun wurden sie wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Zwei Männer mussten sich vor Gericht verantworten. Symbolfoto: dpa
Zwei Männer mussten sich vor Gericht verantworten. Symbolfoto: dpa

Cham.Bereits am 14. März saßen zwei junge Männer, 19 und 20 Jahre alt und beide aus dem Landkreis Viechtach, auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts in Cham. Die Staatsanwaltschaft Regensburg bezichtigte sie der gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung. Laut Anklageschrift hat zuerst der 19-Jährige am 11. September 2016 gegen 4 Uhr einen 23-jährigen Azubi aus Eschlkam nach einer vorangegangenen verbalen Auseinandersetzung zunächst mit der Faust in den Bauch und ins Gesicht geschlagen und ihn dann in den Schwitzkasten genommen.

23-Jähriger musste ins Krankenhaus

Auch sein Freund schlug nun dem Eschlkamer mindestens zweimal mit der Faust ins Gesicht. Dann schlugen beide gemeinsam auf ihn ein, bis er zu Boden ging. Mit voller Wucht trat nun der 19-Jährige zweimal mit dem Fuß in das Gesicht des Mannes und in dessen Brustkorb. Der Geschädigte erlitt durch diese Misshandlung eine Fraktur der siebten Rippe, eine Schädelprellung, eine Platzwunde an der rechten Augenbraue, eine Halswirbel-Distorsion sowie zahlreiche Blutergüsse. Er musste im Krankenhaus behandelt werden und war einige Tage arbeitsunfähig krankgeschrieben.

Bei den Kontrahenten handelte es sich um Mitglieder zweier Gruppen, die zuvor eine Diskothek in Bad Kötzting besucht hatten und auf dem Weg in ein anderes Lokal waren. Dabei waren sie auf der Straße aneinandergeraten. Auch wenn die beiden Angeklagten in ihrer ersten Verhandlung am 14. März diesen Tatablauf abstritten und sich ansonsten nicht äußerten, so waren sich zumindest zwei der Zeugen absolut sicher, dass es der 19-Jährige war, der den bereits auf dem Boden liegenden Azubi aus Eschlkam mit dem beschuhten Fuß in das Gesicht und in den Brustkorb getreten hat.

Rechtsmediziner als Sachverständiger

In der ersten Verhandlung war dieser Geschädigte berufsbedingt und entschuldigt nicht zu seiner Zeugenaussage erschienen. Das Jugendschöffengericht hatte deshalb das Verfahren auf Donnerstag vertagt und auf Verlangen der damaligen Staatsanwältin auch einen Rechtsmediziner als Sachverständigen geladen.

In seiner Zeugenvernehmung bestätigte der verletzte Eschlkamer, dass er von dem 19-Jährigen auf beschriebene Weise malträtiert wurde. Auf dem Boden liegend habe er versucht, mit den Armen den Kopf abzudecken und könne deshalb nicht den genauen Tatbeitrag des anderen Angeklagten angeben.

Der geladene Sachverständige, ein Professor und Rechtsmediziner der Uni Erlangen, führte aus, dass der Tritt eines der Angeklagten an den Kopf des Verletzten wegen geringer Intensität nicht unbedingt eine tödliche Gefahr dargestellt habe. Der Verletzte habe lediglich eine Platzwunde über dem Auge erlitten, auch keine Gehirnerschütterung und sei nicht bewusstlos geworden. Die gebrochene Rippe als Folge des Trittes in den Brustbereich hingegen hätte durchaus tödliche Folgen haben können, wenn etwa die gebrochene Rippe in die Lunge eingedrungen wäre.

Günstige Sozialprognose

Staatsanwalt Herbst legte daraufhin den Angeklagten und ihren Verteidigern dar, dass es sich um eine gemeinschaftliche, in Mittäterschaft begangene Tat handle – und sich jeder der Angeklagten die Folgen zurechnen lassen muss. Außerdem seien die Fußtritte lebensgefährlich gewesen. Beide Angeklagte seien deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Für den Haupttäter beantragte er eine Jugendstrafe von einem Jahr, für den anderen Angeklagten eine solche von zehn Monaten. Da es sich bei beiden Angeklagten um die erste Freiheitsstrafe handle und die Sozialprognose sich als günstig darstelle, könne die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Auch wenn die beiden Verteidiger mit diesem Strafantrag nicht einverstanden waren, so wurde Staatsanwalt Herbst aus Regensburg vom Gericht im Wesentlichen bestätigt. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Gericht den 19-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten, seinen „Kollegen“ zu acht Monaten, beides für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Beide müssen an fünf Suchtberatungsgesprächen teilnehmen und jeder muss 2000 Euro bezahlen, die der „Lebenshilfe für geistig Behinderte“ in Cham und dem Malteser Hilfsdienst in Cham zugutekommen sollen. (cog)

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