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Wilde Schlägerei wegen lauter Musik

Zwei Chamer mussten sich wegen Körperverletzung verantworten. Sie hatten vor einem Lokal drei Männer verletzt.

Wegen Körperverletzung mussten sich zwei Chamer vor Gericht verantworten. Symbolfoto: dpa
Wegen Körperverletzung mussten sich zwei Chamer vor Gericht verantworten. Symbolfoto: dpa

Cham.Wird eine (einfache) Körperverletzung mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich begangen, wird sie in aller Regel zur gefährlichen Körperverletzung – und ist mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten bis zu zehn Jahren bedroht. So jedenfalls bestimmt es Paragraph 224 des Strafgesetzbuches. Und genau wegen eines solchen Delikts fanden sich ein 24-jähriger Angestellter und ein Handwerker, beide aus Cham, auf der Anklagebank wieder.

Mehrere Schläge ins Gesicht

Grund dafür war ein Vorfall am 5. Juni 2016 um 3.55 Uhr vor einem Lokal in der Chamer Innenstadt. Alle Beteiligten hatten wohl Alkohol intus, jedenfalls saßen zu dieser frühen Morgenstunde mehrere Leute vor dem Lokal und hörten Musik aus einer Musikbox. Einem ebenfalls anwesenden Gast, einem 32-Jährigen aus Eschlkam, war die Musik zu laut und er begab sich zu der Personengruppe, um sie aufzufordern, die Lautstärke etwas zu reduzieren. Seine Bitte fand aber kein Gehör, und deshalb machte er Anstalten, das Gerät selbst leiser zu stellen. Damit aber waren die beiden Angeklagten überhaupt nicht einverstanden, gemeinsam standen sie auf und gingen auf den 32-Jährigen zu, der die Musikbox ins nahe Gebüsch warf.

Wer den Eschlkamer dann mit unflätigen Ausdrücken bedachte, blieb auch in der Strafverhandlung vor Gericht ungeklärt. Aber der Angestellte schlug „in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken“ mit dem Handwerker dem 32-Jährigen mit der Faust derart heftig ins Gesicht, dass dieser infolge des wuchtigen Schlages gegen die Schaufensterscheibe des Lokals zurückflog und gegen eine Bank stürzte. Dort schlug der Angestellte dem Maurer mindestens viermal mit seiner Faust ins Gesicht, so dass dieser benommen zu Boden ging.

Täter-Opfer-Ausgleich

Um die Auseinandersetzung zu beenden und den angeblichen Schaden an der Musikbox auszugleichen, legte ein anderer Gast, ein 34-Jähriger, 60 Euro auf den Tisch. Die löbliche Absicht wurde ihm schlecht belohnt. Auch er wurde mit wuchtigen Faustschlägen zu Boden geschickt. Von vier anderen Gästen wurde der Handwerker schließlich zur Raison gebracht, einer der vier, ein Postbote, bekam aber auch noch einen Faustschlag verpasst.

Die drei von den Angeklagten Verletzten erlitten Schürfwunden im Gesicht, Unterschenkelprellungen, Platzwunden an den Lippen, Nasenbeinprellungen, Unterkieferprellungen, Beulen an der Stirn und Platzwunden an der Lippe – und hatten nicht unerhebliche Schmerzen. Nun bietet das Strafgesetzbuch in Paragraph 46a StGB auch das Institut eines Täter-Opfer-Ausgleichs. Nach dieser Vorschrift kann das Gericht die Strafe mildern, wenn der Täter sich bemüht, mit seinem Opfer einen Ausgleich zu erreichen. Diese Chance nutzten – sicherlich auf Anraten ihres Verteidigers – die beiden Angeklagten.

Entschuldigung per Handschlag

Der Anwalt hatte von den beiden Geld eingesammelt und überreichte im Sitzungssaal des Gerichts an den verletzten 32-Jährigen 800 Euro, an den 34-Jährigen 1100 Euro und an den Postboten 200 Euro. Diese drei Verletzten nahmen sowohl den Geldbetrag als auch die förmliche Entschuldigung der Angeklagten, per Handschlag besiegelt, an und erklärten, dass die Sache für sie damit erledigt sei.

Nicht ganz erledigt war aber die Sache für Staatsanwalt Demirci und Richter Wolfgang Voit. Dieser verurteilte den Angestellten wegen (einfacher) Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro und den Handwerker zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten und zwei Wochen, zur Bewährung ausgesetzt für drei Jahre. Dieser Verurteilte muss als Bewährungsauflage außerdem eine Geldbuße von 900 Euro an die „Lebenshilfe für geistig Behinderte“ in Cham bezahlen. (cog)

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