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ÖDP

Großer Bahnhof für Agnes

Zum Vortrag der Initiatorin des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ kamen an die 100 Zuhörer ins Café Ludwig.
Von Andreas May

Auch in Cham voll bei der Sache: Agnes Becker bei ihrem Vortrag in der Kreisstadt Foto: May
Auch in Cham voll bei der Sache: Agnes Becker bei ihrem Vortrag in der Kreisstadt Foto: May

Cham.Als Initiatorin des erfolgreichsten Volksbegehrens in der Geschichte Bayern hat Agnes Becker mittlerweile Kultstatus erreicht. Dies zeigte sich einmal mehr am Montagabend im Café Ludwig in Cham. Dort musste man kurzerhand in einen größeren Nebenraum ausweichen, weil die Plätze für den eigentlich vorgesehenen Gastraum nicht ausgereicht hatten.

ÖDP-Kreisvorsitzender Dr. Stefan Scheingraber war es sichtlich eine Freude, den Ehrengast in Cham begrüßen zu dürfen. Mit einer großen Ankündigung übergab er unter Applaus das Wort an Agnes Becker.

Die gelernte Schreinerin und studierte Tierärztin gab zunächst einen kleinen Einblick in ihr verändertes Leben nach dem Volksbegehren: „Die letzten Monate waren der galoppierende Wahnsinn“, so Becker, die ihre Wurzeln im Landkreis Passau hat. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie sich freut, wenn die Europawahl über die Bühne gebracht wird. Zuvor sei es aber wichtig, die Probleme Europas, etwa durch die verfehlte Förderpolitik in Brüssel, zu benennen.

Als Bürgerin ärgert sie sich sehr über den CSU-Wahlkampf, wie sie erklärt: „Heuchlerischer geht es nicht mehr“, sagte die 38-Jährige mit Blick auf die Anbandelungen zwischen den Christsozialen und Ungarns Parteichef Viktor Orban. Einige hätten sich mit den Nationalisten in eine Reihe gestellt und somit jeden demokratischen Bayern beleidigt.

Erfolgreichste Oppositionspartei

Gier, ungerechte Verteilung, Korruption: Das seien die Wurzeln vieler Probleme, nicht etwa die Migration, wie sie aus populistischen Kreisen immer wieder benannt werde.

Das Volksbegehren sei mit den Belangen der EU eng verbunden, fuhr Becker fort. Sie lobte die bayerische Verfassung, wenngleich die Hürden für ein Volksbegehren durchaus „sportlich“ seien. Durch den Erfolg sei sie noch nie so stolz, gewesen ÖDPlerin zu sein.

Man habe es geschafft, wichtige Themen auf die große politische Bühne zu zwingen. Becker ging sogar noch einen Schritt weiter: „Die ÖDP ist die erfolgreichste Oppositionspartei Deutschlands.“ Die Politikerin erhielt tosenden Applaus für ihre Worte, auch von lokalen Politikern anderer Fraktionen.

Agnes Becker fand klare Worte an diesem Abend in Cham. So schilderte sie etwa schonungslos Probleme mit dem Bauernverband, der die Botschaft einer Landwirtschaft für das Gemeinwohl immer noch nicht verstanden habe. Mit der Frage, ob die Mahd von innen nach außen flächendeckend zu realisieren sei, zeigte sie, dass sie sich auch mit Details der landwirtschaftlichen Praxis auseinandersetzt.

Grundsätzlich gehe es darum, einen Reichtum des Landes zu verteidigen, erläuterte sie nochmals die Dringlichkeit hinsichtlich der Artenvielfalt. Dem Volksbegehren die Schuld an der Situation der Landwirte zu geben, sei dreist. Das Gemeinwohl müsse das Kriterium Nummer 1 sein, wenn es künftig um die Verteilung von Fördergeldern geht. Dass ein Fünftel der Betriebe rund vier Fünftel der Fördergelder erhält, sei nicht nur ungerecht, sondern auch eine Parallele zum Artensterben.

Wechsel in der Förderpolitik

Für die Zukunft zeigte sich Becker jedoch durchaus optimistisch: „Der Wechsel in der Agrarförderpolitik kann vielleicht gelingen.“ Wenigstens in Bayern sei es denkbar, dass die Botschaft tatsächlich angekommen sei. Mit den Landespolitikern war sie bereits zuvor hart ins Gericht gegangen. Mit Blick auf den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder äußerte sie die Vermutung, dass Söder eher aus Druck, denn aus politischer Überzeugung das Volksbegehren angenommen habe. Dennoch habe er mittlerweile verstanden, vermutet Becker.

Nach abermaligem Applaus startete nun die Fragerunde, vorab hatten die Anwesenden die Möglichkeit, ihre Fragen auf einem Zettel zu notieren oder später per Handzeichen zu stellen.

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