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Katastrophenschutz
Donnerstag, 20. September 2018 25° 1

Großübung

Die Vorboten der Katastrophe

Das Szenario für die Großübung Roter Eber nimmt am Freitag seinen Lauf: Ein Unfall im Wald, ein Brand und ein Zusammenstoß
Von Johannes Schiedermeier

Der Roßberg beginnt nach einem Rückewagen-Unfall zu brennen. Das ist am Freitag der Vorbote der großen Katastrophenschutzübung am Samstag.  Foto: Schiedermeier
Der Roßberg beginnt nach einem Rückewagen-Unfall zu brennen. Das ist am Freitag der Vorbote der großen Katastrophenschutzübung am Samstag. Foto: Schiedermeier

Cham.Der Alarm: Über dem Wald am Roßberg steht eine dicke Rauchwolke, als die Rettungskräfte eintreffen. Sie stoßen auf einen schweren Unfall, der sich bei Waldarbeiten nahe der Ortschaft Roßberg ereignet hat. Direkt neben einem Unimog mit angehängtem Ladewagen ist ein Feuer ausgebrochen. Während aus einem Löschweiher in Roßberg Schlauchleitungen gelegt werden, beginnt die Versorgung des Verletzten, der unter Baumstämmen eingeklemmt worden ist, die vom Ladewagen gerutscht sind.

Hier sehen Sie Bilder vom Auftakt der Katastrophenübung Roter Eber

Während sich im Hintergrund der Brand ausbreitet, befreien Rettungsdienst und Feuerwehr den Verletzten, der unter zwei Baumstämmen liegt.  Foto: Schiedermeier
Während sich im Hintergrund der Brand ausbreitet, befreien Rettungsdienst und Feuerwehr den Verletzten, der unter zwei Baumstämmen liegt. Foto: Schiedermeier

Die Rettung:

Die Feuerwehr muss zwei schwere Baumstämme anheben, unter denen ein Verletzter liegt. Zunächst muss eine 80 Kilo schwere Puppe mit Hydraulik unter den beiden Baumstämmen befreit werden, die vom Ladewagen gerutscht sind. Behutsam nimmt die Feuerwehr unter Anleitung des Rettungsdienstes die Last von dem Verletzten. Im Hintergrund haben bereits die Löscharbeiten begonnen, die sich immer weiter ausweiten. Fieberhaft werden weitere Leitungen über einen Waldweg in Richtung Ortschaft verlegt.

Zunächst wird eine 80-Kilo-Puppe befreit und anschließend durch einen realistisch geschminkten Verletzten ersetzt, der stöhnt und jammert.  Foto: Schiedermeier
Zunächst wird eine 80-Kilo-Puppe befreit und anschließend durch einen realistisch geschminkten Verletzten ersetzt, der stöhnt und jammert. Foto: Schiedermeier

Die Befreiung:

Die Puppe wird heraus- geholt und durch einen realistisch geschminkten Verletzten ersetzt. Der Mann stöhnt und jammert, bis die Medikamente wirken. Der Notarzt diagnostiziert schwerste innere Verletzungen. Auf einer Trage wird er zum Waldrand gebracht. Im Hintergrund wurde bereits während seiner Befreiung der Abtransport und seine weitere Behandlung im Krankenhaus organisiert. Dort sind Ärzte und Personal inzwischen bereits über den Umfang der Verletzungen informiert und können so die notwendigen Vorkehrungen treffen.

100 Meter entfernt wird ein zweiter Verletzter gefunden, der schwere Brandverletzungen von Hydrauliköl erlitten hat.  Foto: Schiedermeier
100 Meter entfernt wird ein zweiter Verletzter gefunden, der schwere Brandverletzungen von Hydrauliköl erlitten hat. Foto: Schiedermeier

Der Fund:

Unterdessen hat ein Erkundungstrupp einen weiteren Verletzten gefunden. Der Mann ist nach dem Platzen der Hydraulikleitung am Ladewagen geflüchtet und lehnt unter schwerem Schock sitzend an einem Baum in etwa 100 Metern Entfernung vom eigentlichen Unfallort. Er hat durch das Hydrauliköl schwere Brandwunden erlitten. Nach einer Schmerzbehandlung werden die Wunden abgedeckt und der Verletzte von Notarzt und Rettungsdienst transportfähig gemacht. Am Waldrand wartet auf ihn bereits der Rettungswagen.

Die Bergwacht bringt den Verletzten durch unwegsames Gelände zum Rettungswagen am Sammelpunkt am Waldrand.  Foto: Schiedermeier
Die Bergwacht bringt den Verletzten durch unwegsames Gelände zum Rettungswagen am Sammelpunkt am Waldrand. Foto: Schiedermeier

Im Gelände:
Weil das Gelände mit einer einfachen Trage nicht begehbar ist, rückt die Bergwacht an. Die Bergwacht rückt mit einem geländegängigen Spezialfahrzeug an und bringt den Verletzten anschließend mit einer Radtrage durch das Dickicht und über Baumstämme vorbei an den Löscharbeiten zum Sammelpunkt am Waldrand, wo ihn der Rettungswagen erwartet. Die Löscharbeiten haben inzwischen einen ansehnlichen Umfang erreicht. Etliche hundert Meter Schlauchleitung sind verlegt und die Zahl der eingesetzten Fahrzeuge wächst. Landrat Franz Löffler löst Katastrophenalarm aus.

So etwas kann auch eingesetzt werden: Die Feuerwehr lässt sich ein LUF vorführen, ein ferngesteuertes Löschunterstützungsfahrzeug auf Ketten.  Foto: Schiedermeier
So etwas kann auch eingesetzt werden: Die Feuerwehr lässt sich ein LUF vorführen, ein ferngesteuertes Löschunterstützungsfahrzeug auf Ketten. Foto: Schiedermeier


Der Besucher:

Das Vorspiel zur Katastrophe endet am Freitag an dieser Stelle: Fortsetzung folgt. Es wird davon ausgegangen, dass überörtlich alarmiert werden muss, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Fortsetzung folgt am heutigen Samstag. Dafür kommt ein Besucher: Ein LUF (Löschunterstützungs-Fahrzeug) – ferngesteuert und auf Ketten. 3000 Liter Wasser speit es pro Minute wahlweise in dickem Strahl oder in einem Nebel über 360 Düsen.

An der Kreuzung bei Göttling wird zusätzlich ein Frontalzusammenstoß mit zwei Schwerverletzten eingespielt.  Foto: Schiedermeier
An der Kreuzung bei Göttling wird zusätzlich ein Frontalzusammenstoß mit zwei Schwerverletzten eingespielt. Foto: Schiedermeier

Der Unfall:

Minuten später der nächste Alarm: Unfall an einer Kreuzung bei Göttling. Beim Frontalzusammenstoß sind die beiden Fahrer schwer verletzt und eingeklemmt worden. Der Lenker eines Twingo schwebt nach einem Schädelbruch in Lebensgefahr und muss per Crash-Rettung befreit werden. Dabei wird zwar unter größter Rücksichtnahme gehandelt, aber davon ausgegangen, dass der Verletzte stirbt, wenn er nicht sofort befreit und behandelt werden kann.

Die Feuerwehr trennt die Scheiben heraus  Foto: Schiedermeier
Die Feuerwehr trennt die Scheiben heraus Foto: Schiedermeier

Die Befreiung

Im benachbarten Ford Fiesta muss die Feuerwehr schweres Gerät einsetzen. Auf der anderen Straßenseite wird nach der Sicherung des Fahrzeuges durch das Heck ein Zugang für den Rettungsdienst geschaffen, der den Schwerverletzten betreut, während die Feuerwehr das Fahrzeug nach allen Regeln der Kunst auseinandernimmt, um eine Befreiung zu ermöglichen.

Während der Rettungsdienst drinnen den Verletzten schützt, wird das Dach mit der Rettungsschere abgetrennt.  Foto: Schiedermeier
Während der Rettungsdienst drinnen den Verletzten schützt, wird das Dach mit der Rettungsschere abgetrennt. Foto: Schiedermeier

Die Technik:
Die Feuerwehr trennt alle Scheiben heraus und schneidet am Ende das Dach ab. Die Feuerwehr setzt schweres Gerät ein, weil der Verletzte im Fußraum schwer eingeklemmt und für den Rettungsdienst kaum erreichbar ist. Durch das Heck wird schließlich ein Zugang geschaffen. Während im Inneren der Rettungsdienst den Verletzten mit Helm und Decke schützt, schneidet die Feuerwehr zunächst Front- und Seitenscheiben heraus. Anschließend wird mit der Rettungsschere das Dach abgetrennt und Richtung Straße gebogen. So entsteht nach einer knappen Viertelstunde ein direkter Zugang zum Verletzten, der transportfähig gemacht und in den Rettungswagen gebracht werden kann.

Der Verletzte ist frei und kann abtransportiert werden.  Foto: Schiedermeier
Der Verletzte ist frei und kann abtransportiert werden. Foto: Schiedermeier

Die Zuschauer:
Gaffen war bei dieser Übung ausnahmsweise erwünscht. Bei dieser Übung durften sich auch Zuschauer am Straßenrand mit dem Handy positionieren. Was ansonsten unter Strafe steht, war diesmal sogar erwünscht. Am Samstag geht es nun an die groß angelegte Katastrophen-Übung, bei der rund 2500 Rettungskräfte zum Einsatz kommen. Am Mittag wird an der Regenbrücke bei Chamerau einen Busunfall simuliert und am Nachmittag wird es einen Löscheinsatz mit Hubschraubern und schwerem gerät der Feuerwehr beim angenommenen Waldbrand am Roßberg geben.

Großübung "Roter Eber"

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