mz_logo

Katastrophenschutz
Samstag, 22. September 2018 26° 3

Bilanz

Was bleibt vom „Roten Eber“?

Was sind die praktischen Folgen der großen Übung? Ein Ausblick mit Rettungsdienstleiter Daiminger und Kreisbrandrat Stahl
Von Johannes Schiedermeier

Die Einsatzkräfte waren bei mehreren Szenarien gefordert. Foto: Simon Tschannerl
Die Einsatzkräfte waren bei mehreren Szenarien gefordert. Foto: Simon Tschannerl

Cham. Was sind die Folgen der Katastrophenübung Roter Eber? Was muss nun passieren. Zwei Leute müssen sich diesen Fragen nun in besonderer Weise stellen: Rettungsdienstleiter Mich Daiminger und Kreisbrandrat Mike Stahl. Wir haben die beiden gefragt. Mich Daiminger ist zwei Tage danach noch immer begeistert von den Leistungen, die an diesen beiden Tagen erbracht worden sind. Ein Retter der Sondereinsatzgruppe „Behandlung“ hat 28 der Schwerverletzten mit aus dem Bus getragen und war mit seinen Kollegen nach eineinhalb Stunden Einsatz am Rande seiner Kräfte: „Die sind immer schwerer geworden!“

Impressionen von der Übung

Die wichtigste Erkenntnis des Rettungsdienstleiters: „Wir sind auf dem richtigen Weg!“ 356 Einsatzkräfte hat der Rettungsdienst in den beiden Tagen an die Katastrophenfront gebracht. Notärzte, Rettungsdienst, THW, Wasserwacht, Bergrettung, Hubschrauber ... Viele von ihnen haben die Zuschauer nie gesehen. Zum Beispiel die Teams der Wasserretter, die die Löschwasserentnahme der Helikopter aus dem Blaibacher See abgesichert haben. 184 Einsatzkräfte waren alleine beim Busunglück.

Lesen Sie hier: 2500 Retter probten den Ernstfall

Daiminger hat dort moderiert und freut sich ausnahmsweise, dass es bei diesem simulierten Unglück rund 1000 Schaulustige gegeben hat. Der Rettungsdienstleiter hat das Unglück moderiert. 43 der eingesetzten Fahrzeuge gehören dem BRK selbst. Sie werden im Ehrenamt betrieben und über Spenden finanziert. Auch deshalb setzt Daiminger große Hoffnung auf die Wirkung in der Öffentlichkeit: „Wir müssen den Menschen und der Politik klar machen, dass solche Unglücke ohne den Einsatz des Ehrenamtes tatsächlich in der Katastrophe enden würden. Wenn uns das gelungen ist, dann haben wir viel erreicht“, sagt Daiminger. Bei der gesamten Übung sei kein Auto aus dem öffentlich-rechtlich finanzierten Bereich eingesetzt gewesen. Diese Besatzungen mussten den regulären Rettungsdienstbetrieb sicherstellen. Vielleicht, so Daiminger, sei an diesem Tag manchen klar geworden, dass das eigene Engagement im Ehrenamt gefragt wäre.

12 000 Liter Wasser pro Minute

Unterstützung aus der Luft: Foto: Johannes Schiedermeier
Unterstützung aus der Luft: Foto: Johannes Schiedermeier

Für die Feuerwehr grübelt Kreisbrandrat Mike Stahl über den Folgen der Übung. Auch er ist insgesamt begeistert: „Es hat im Großen und Ganzen saugut funktioniert. Und der Zusammenhalt innerhalb der Rettungskräfte war wirklich unbändig!“ Natürlich gebe es Dinge in so einer Übung, die dann plötzlich ungeplant passieren. Zum Beispiel die Tatsache, dass am Ende 400 Retter mehr anreisten. Der Kreisbrandrat erklärt das damit, dass einige Einheiten nachgemeldet haben, ein paar Fahrzeuge sich an bestehende Kolonnen anschlossen und auch die Einsatzleitung zusätzliche Kräfte angefordert hat. „Das bringt Dich natürlich bei der Versorgung schnell in einen Engpass“, sagt Stahl.

Über 2500 Einsatzkräfte üben für den Ernstfall

An den beiden Tagen waren insgesamt 2702 Retter unterwegs. Allein am Samstag waren bei den Übungen 1976 Kräfte eingesetzt. 333 Fahrzeuge aller Blaulichtorganisationen waren an zwei Tagen im Einsatz.

Einen Stau löste auch der unerwartete Zustrom von Zuschauern aus. Auf insgesamt 3000 bis 4000 Besucher schätzt die Einsatzleitung die Gesamtzahl an beiden Tagen. Davon nutzten 1400 Besucher den eingerichteten Buspendelverkehr.

Was kostet die Übung?

Wie live ist so eine Übung eigentlich? Was ist geplant und was ist tatsächlich vor Ort für die Rettungskräfte eine harte Nuss? Stahl erzählt, dass es ein 70 Seiten dickes Drehbuch gibt, das jeden einzelnen Einsatz mit dem notwendigen Aufwand auflistet. „Natürlich weiß der Abschnittsleiter, was läuft. Die Kräfte die ausrücken wissen natürlich über die Veröffentlichungen im Vorfeld, dass sie ein Busunfall erwartet. Aber ansonsten läuft das als Übung“, sagt der Kreisbrandrat.

Szenario Busunfall

Auch die Waldbrandübung habe sich als ziemlich realitätsnah erwiesen – bis hin zum Ausfall einer wichtigen Pumpe. Die dicke F-Leitung auf der Roßberger Seite habe erst nach dem Auswechseln der Pumpe eine halbe Stunde vor Ende der Übung Wasser geführt, berichtet Stahl. Man habe aber bereits den gesamten Roßberger Brandort mit Strahlrohren umzingelt gehabt. Insgesamt seien zum Höhepunkt der Löscharbeiten 12 000 Liter Wasser pro Minute in den angenommenen Brandherd gepumpt worden. Dazu kamen die Einsätze der Hubschrauber und 265 000 Liter Wasser aus den eingesetzten Löschfahrzeugen.Eine Frage haben die Zuschauer immer wieder gestellt: Was kostet so eine Katastrophenübung eigentlich? Kreisbrandrat Stahl kann sich noch nicht festlegen. Noch liegen nicht alle Rechnungen vor. Noch weiß keiner, wie viele Liter Diesel in die Einsatzfahrzeuge getankt wurden. Zahlen muss zunächst der Landkreis Cham. Stahl schätzt die Kosten grob auf 30 000 bis 40 0000 Euro. „Davon werden aber 75 bis 80 >Prozent bezuschusst. Als internationale Übung haben wir zum Beispiel Zuschüsse von der EU, vom Bund und Bayern zugesagt bekommen.

Kriegt der Landkreis ein „LUV“?

Daten und Fakten

  • 333 Fahrzeuge:

    An den beiden Übungstagen waren ins gesamt 333 Einsatzfahrzeuge aller Blaulichtorganisationen bei Chamerau unterwegs. Zum Stau führten letztendlich Besucherfahrzeuge.

  • 2702 Rettungskräfte:

    Insgesamt waren 2702 Rettungskräfte bei den verschiedenen Übungen eingesetzt. Rund 400 mehr, als zunächst angemeldet.

  • 12000 Liter:

    Am Höhepunkt der Waldbrandübung waren 12 000 Liter Löschwasser pro Minute verfügbar. Dazu kam das Wasser aus den Helikoptern und 256 000 Liter aus den Löschfahrzeugen.

  • 80 Prozent:

    Rund 80 Prozent der Übungskosten sind dem Landkreis als Förderungen zugesagt. Derzeit wird überschlagsmäßig mit 30 000 bis 40 000 Euro gerechnet.

Und dann ist da noch der Hingucker der Übung, das kleine kettengetriebene und ferngesteuerte Löschunterstützungsfahrzeug „LUV“, das auch bei Bränden in großen Hallen eingesetzt werden kann. „Darüber müssen wir reden. Genauer gesagt – darüber reden wir schon seit einiger Zeit. Das Teil wäre in grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Tschechien gut zu gebrauchen“, sagt der Kreisbrandrat.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht