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Die erste Symphonie schrieb er mit 14

Er galt als das Wunderkind aus Höhhof. Heute wird Alexander Maria Wagner schon als „musikalisches Genie“ gehandelt.
Von Steffi Bauer

Woher der Komponist Alexander Maria Wagner sein Talent hat, weiß der 22-Jährige aus dem Landkreis selbst nicht.Foto: Joachim Mueller-Klink
Woher der Komponist Alexander Maria Wagner sein Talent hat, weiß der 22-Jährige aus dem Landkreis selbst nicht.Foto: Joachim Mueller-Klink

Traitsching.Beschreiben überregionale Medien den Weg zu Alexander Maria Wagner, fallen gerne Worte wie „in den tiefsten Bayerischen Wald“ oder „in den letzten Winkel hinter Cham“. Ein Landkreisbürger würde wohl eher sagen, Höhhof bei Traitsching ist zwar ein ruhiges Fleckchen Erde – aber von der Bundesstraße aus doch ganz schnell erreichbar.

Wie auch immer – der Weg lohnt sich. Denn in diesem Dörfchen ist jemand groß geworden, der erst beschrieben wurde als „Wunderkind“, später als „Wunderteenager“, nun als junger Erwachsener nennt man ihn „musikalisches Genie“. Alexander Maria Wagner hat sich seinen zweiten Vornamen selbst gegeben, ein Künstlername also. Und nun klingt der volle Name des großen Komponisten und Pianisten, der er schon jetzt ist, würdig. Man muss dazu sagen, bei der Geburt des heute 22-Jährigen konnte ja noch niemand ahnen, dass er im Alter von 14 seine erste Symphonie schreiben würde – sie trägt den Titel „Kraftwerk“ – und dass diese kurze Zeit später vom bulgarischen Nationalorchester eingespielt werden würde.

Wagner studiert in der Mozart-Stadt

Mit etwa sieben Jahren, ging es also bei Alexander Maria Wagner los mit dem Komponieren. Foto: Fabian Helmich
Mit etwa sieben Jahren, ging es also bei Alexander Maria Wagner los mit dem Komponieren. Foto: Fabian Helmich

Die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch mit ihm in seinem Heimatort ergibt sich nur etwa alle drei Wochen, denn die meiste Zeit ist Wagner in Salzburg. Dort studiert er am Mozarteum Komposition und Klavier. Aber heute ist er zu Hause bei seinen Eltern in Höhhof und erzählt im lichtdurchfluteten Esszimmer von seinen musikalischen Anfängen. „Ich wollte einfach unbedingt Klavier spielen, und so haben meine Eltern mir, als ich fünf war, ein altes Klavier besorgt.“ Damals wusste er natürlich noch nicht, dass das einmal sein Beruf werden könne. Doch sein Talent fällt schon damals auf, schon in den ersten Stunden bei Klavierlehrer Waldemar Brilz.

In den drei, vier Jahren, in denen er Klavierunterricht hatte, spielte er Stücke bekannter Komponisten, „aber hauptsächlich habe ich eigene Sachen fantasiert“, erinnert Wagner sich. Damals, mit etwa sieben Jahren, ging es also auch schon los mit dem Komponieren: „Ich hatte großes Glück, dass mein Klavierlehrer das alles aufgeschrieben hat. Ich habe ganze Ordner zuhause, kleine Stücke und Lieder, das ist eine nette Erinnerung.“ In der fünften Klasse ging es zu den Domspatzen nach Regensburg, mit elf kam Wagner zum Komponisten Franz Hummel, bei dem er bis heute ist. Derzeit arbeitet er mit Professor Pavel Gililov am Mozarteum. Mit dem Rundfunkorchester Moskau nahm er im Frühjahr seine zweite selbst komponierte Symphonie auf und füllt bei seinen Auftritten Konzertsäle im In- und Ausland.

„Der tiefere Zweck von Musik ist doch, jemanden zu erfreuen.“

Alexander Maria Wagner

So weit, so beeindruckend. Aber: Irgendwoher muss es doch kommen, dieses Talent, dieses Gespür für die Klassik. Doch bestimmt von den Eltern, auch wenn deren Beruf nichts mit Musik zu tun hat? Sie führen das Bauunternehmen Hilpl-Wagner und errichten schlüsselfertige Häuser. Doch klassische Musik – eher nicht: „Mein Vater hört eigentlich nur Radio“, sagt Wagner. Auch von der Mutter kann es nicht kommen – sie ist Helene-Fischer-Fan. Aber: Kein spöttisches Lächeln umspielt die Lippen des jungen Komponisten, als er das erzählt. Er sagt, er könne mit jeder Art von Musik etwas anfangen, wolle keine Wertung für verschiedene Stilrichtungen erstellen: „Der tiefere Zweck von Musik ist doch, jemanden zu erfreuen.“

Lesen Sie hier den ersten teil unserer Serie: Rinderzucht-Pionier, TV-Juror und Restaurant-Chef: Ludwig Maurer hat viele Rollen. Und doch sucht er neue Herausforderungen.

Alexander Maria Wagners erste Symphonie trug den Titel „Kraftwerk“. Foto: Fabian Helmich
Alexander Maria Wagners erste Symphonie trug den Titel „Kraftwerk“. Foto: Fabian Helmich

In Aussagen wie diesen wird irgendwie deutlich, dass man mit einem Freigeist spricht. Wagner akzeptiert und toleriert andere Sichtweisen und Geschmäcker, lässt sich niemals auf Standard-Antworten festlegen – und das in einer Zeit, in der eigentlich jeder eine vorgefertigte Meinung zu jedem x-beliebigem Thema hat. Was aber sicher ist: Sein Beruf ist seine Leidenschaft, auch wenn viel Arbeit damit verbunden ist, wie er sagt. „Es ist der einzige Beruf, den ich machen kann.“

Am Steinway-Flügel bei TV Total

Und wie haben eigentlich die Eltern reagiert, als schon so früh klar wurde, dass ihr Sohn wohl einmal nicht das Bauunternehmen übernehmen wird, sondern sich in der Welt der Töne und Klänge viel wohler fühlt – waren sie nicht enttäuscht? „Nein, überhaupt nicht. Sie haben mich immer unterstützt bei dem, was ich mache. Und nebenbei gesagt, meine Häuser würden nicht stehen“, gibt der 22-Jährige lächelnd zu.

Wenn ihr mir einen Steinway-Flügel hinstellt, bin ich dabei.“

Alexander Maria Wagner über seinen Auftritt bei Stefan Raab

Gefragt nach seinem Auftritt bei Stefan Raabs TV Total, erzählt er eine Anekdote, die ihn nahbarer erscheinen lässt. Denn wer kennt die Situation nicht, vor einem Termin noch auf den letzten Drücker eine wichtige Aufgabe erledigen zu müssen. Aber von vorne: „2013 habe ich per Mail eine Einladung von Pro Sieben bekommen“, berichtet er. Diese habe er zunächst für Spam gehalten und erst einmal zwei Wochen liegengelassen. Bei genauerem Durchlesen hat sie sich dann aber doch als echt herausgestellt. „Ich dachte mir dann, dass es vielleicht doch ganz lustig sein könnte, hinzugehen, und habe spaßeshalber zurückgeschrieben: Wenn ihr mir einen Steinway-Flügel hinstellt, bin ich dabei.“ Eine Stunde später war die Antwort da: „Kein Problem!“ Ein Steinway-Flügel, das ist so etwas wie der Ferrari unter den Pianos. Er wäre aber auch so hingegangen, schmunzelt Wagner. Und was nun auf diesem edlen Klavier spielen – vielleicht eine Chopin-Etüde? Nein, die habe der Lang-Lang, der weltbekannte chinesische Pianist, bei TV Total schon mal gespielt. Die Macher der Sendung wollten etwas Eigenes. Dann schickte Wagner ihnen sein Werk „Skizzen über Island“, ein sehr modernes Werk, das ihnen dann aber doch etwas zu „durchgedreht“ war. Wagner gibt eine Kostprobe und ja, dieses Stück erzeugt wirklich eine ganz eigene Stimmung.

Wagners Arbeit

  • Zeit:

    24 Stunden am Tag nimmt die Musik die Gedanken von Alexander Maria Wagner in Anspruch, er übt zwischen sechs bis acht Stunden am Klavier.

  • Bewunderung:

    „Ich bewundere viele Künstler“, sagt der 22-Jährige. „Wenn ich einen wählen muss – dann Bach. Es ist eine geniale Musik, die vollkommen über der Welt steht. Ich glaube, dass so eine Musik nicht wieder geschrieben wurde.“

  • Zukunft:

    In zwei Jahren will Alexander Maria Wagner nach London gehen, um seinen Master in Komposition und Klavier zu machen.

Der Termin für die Live-Übertragung rückte immer näher, und immer noch kein passender Titel vorhanden. Am Tag davor gab Wagner dann ein Konzert in Bonn. Nach der Aufführung ließ er sich im Konzertsaal einschließen und komponierte kurzerhand das Stück „Ein Franzose in New York“, „ein jazziges, ziemlich schwieriges Stück, und ich hatte ja keine Zeit mehr zum Üben, bevor es am nächsten Tag nach Köln ging“, erinnert er sich. „Und das Lustige ist: Seit ich das gemacht habe, ist bei jedem Konzert jemand im Publikum, der ,Ein Franzose in New York‘ als Zugabe hören will“, lacht er. Spontan klappt eben doch am besten!

Hat ein junger Mann, der so viel komponiert und Konzerte auf der ganzen Welt gibt, denn Zeit für eine Freundin? Ja, hat er, und sie ist aus Falkenstein – nicht aus Salzburg – und ebenfalls musikbegeistert. „Ob von meiner Musik, das weiß ich ehrlich gesagt nicht“, sagt der 22-Jährige. Und sogar ein paar Hobbys hat er neben der Musik: laufen, viel lesen – aber erwartungsgemäß keine Groschenromane, sondern Nietzsche und Hesse – , „und manchmal sitze ich im Café und zähle Wolken.“

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