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Landtagswahl

Chamer CSU beißt die Zähne zusammen

Die Basis rätselt über das Umfragetief der CSU. Gerhard Hopp ruft zur Sachlichkeit auf und wirft der AfD Stimmungsmache vor.
Von Michael Gruber

Will bis zur letzten Minute um Stimmen kämpfen: Gerhard Hopp. Foto: gm
Will bis zur letzten Minute um Stimmen kämpfen: Gerhard Hopp. Foto: gm

Cham.Die Erfolge liegen doch eigentlich auf dem Silbertablett, heißt es aus dem Publikum: Hochkonjunktur im Landkreis, dazu mehr Geld für Familie und Pflege von Markus Söder. „Wir haben Top-Zahlen für Bayern“, ruft ein Zuhörer nach vorne zum Rednerpult. „Warum hilft das alles nix?“

Weißbier und Wurstsalat-Teller klimpern auf den Tischen im Randsbergerhof. Der CSU-Kreisverband bläst am Montagabend zum letzten großen Angriff vor der Wahl. Im Rampenlicht steht das Spitzenquartett aus dem Landkreis: Gerhard Hopp mit Listenkandidatin Barbara Haimerl für den Landtag. Daneben Landrat Franz Löffler, der sich mit Listenkollege Markus Müller am Sonntag für den Bezirkstag bewirbt.

Normal ist das nicht mehr

Vertrauenskrise: BLSV-Präsident und CSU-Mitglied Günther Lommer kritisiert, ein großer Teil der Stimmenverluste gehe auf das Konto von Horst Seehofer. Eine Koalition mit der AfD käme für den Chamer nicht in Frage. Foto: gm
Vertrauenskrise: BLSV-Präsident und CSU-Mitglied Günther Lommer kritisiert, ein großer Teil der Stimmenverluste gehe auf das Konto von Horst Seehofer. Eine Koalition mit der AfD käme für den Chamer nicht in Frage. Foto: gm

33 Prozent – das Schreckenszenario der Wahlprognosen kann sich auch Gerhard Hopp nur schwer erklären. Sechs Themenabende hat er hinter sich, ist mit Debatten zur Wirtschaft, Digitalisierung oder Jugendarbeit durch die Veranstaltungssäle im Landkreis gezogen. „Selbst das Thema Zuwanderung haben wir in Furth unter dem Motto Sicherheit und Entwicklungspolitik aufs Lokale heruntergebrochen“, erklärt Hopp im Rückblick auf die Arbeit in den letzten drei Monaten. So viel traut er sich sagen: „Es ist kein normaler Wahlkampf, so wie wir ihn bisher erlebt hatten.“

Mit Sachthemen habe man kaum bei den Menschen punkten können. Stattdessen bestimmten Emotionen, Schlagwörter, Halbwahrheiten und Falschnachrichten die Debatte. „Die AfD betreibt genau diese Hetze und für uns als demokratische Partei gilt es, sich gegen diese Methoden zu stellen“, sagte Hopp. „Wir werden ganz bestimmt nicht anfangen, mit 280 Zeichen Stimmung zu machen, so wie wir es mit Trump in den USA erleben.“

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Bei der Suche nach Ursachen nahm Hopp auch Innenminister Horst Seehofer ins Visier: Aus Berlin habe die CSU eher Gegenwind als Rückenwind beim Landtagswahlkampf erfahren. „Inzwischen wäre es mir lieber, es gäbe gar keinen Wind“, räumte der CSU-Kandidat ein.

„Inzwischen wäre es mir lieber, wenn es gar keinen Wind aus Berlin gäbe.“

Gerhard Hopp, CSU-Direktkandidat

Ans Aufgeben wollte Hopp aber noch lange nicht denken: „Wir werden bis zur letzen Minute um Stimmen für ein stabiles und starkes Bayern werben.“ So ging es auch bei der letzten Wahlveranstaltung der CSU mit dem Thema Familienpolitik und Bildung zur Sache. Wobei Gerhard Hopp eine mögliche Regierungsbeteiligung der Grünen an den Pranger stellte: Bayerns gegliedertes Schulsystem sei ein Erfolgsmodell, das auf Differenzierung und Durchlässigkeit setze.

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Chamer CSU zieht ins Wahlkampf-Finale vor der Land

Dagegen habe die Grün-Schwarze Regierung in Baden-Württemberg gezeigt, welche Konsequenzen die Einführung einer Gesamtschule haben kann: „Im OECD-Bildungsranking ist das Bundesland vom Spitzenplatz auf Platz 13 abgerutscht und hat auch in den Rankings zur Wirtschaftskraft deutlich eingebüßt“, kritisierte Hopp. „Hier sieht man, welche Konsequenzen das Experiment Schwarz-Grün haben kann.“

Landtagswahl

Showdown für Chams Politiker im Kino

Sieben Kandidaten der großen Parteien stritten bei der Talk-Runde des Bayerwald-Echos um die Stimmen unentschlossener Wähler.

Die Landesregierung in Bayern habe 8000 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen und den Haushalt für Bildung in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Zudem sei es gelungen, Rekordzahlen bei der Erlangung der Hochschulreife zu erzielen. Knapp 40 Prozent der Studienanfänger kämen dabei über den zweiten Bildungsweg zum Studium, warb Hopp.

Streitkultur: Stefan Vogl, JU-Mitglied aus Zenching, warf der GroKo vor, den internen Streit in der Öffentlichkeit ausgetragen zu haben. Er fordert, den Fokus auf die Sachpolitik zu legen und mehr direkte Gespräche mit jungen Menschen. Foto: gm
Streitkultur: Stefan Vogl, JU-Mitglied aus Zenching, warf der GroKo vor, den internen Streit in der Öffentlichkeit ausgetragen zu haben. Er fordert, den Fokus auf die Sachpolitik zu legen und mehr direkte Gespräche mit jungen Menschen. Foto: gm

Mit Unterstützung der Landesregierung sei auch der Ausbau von weiterführenden Schulen im Landkreis, wie etwa der Realschule in Waldmünchen, auf den Weg gebracht worden. „Mit dem Technologie-Campus als Zweigstelle der Deggendorfer Hochschule ist Cham auch ein bayernweites Vorbild für die Verknüpfung von akademischer Bildung und Wirtschaft “, erklärte Hopp. Möglichen Kompromissen bei der Bildungshoheit Bayerns im Bund, wie von anderen Parteien gefordert, erteilte der CSU-Kandidat hingegen eine klare Absage.

Werbung für Familiengeld

Listenkandidatin Barbara Haimerl warb als Stimme der Frauen-Union für die aktuellen Reformen der Landesregierung im Bereich Familie und Pflege. Das bayerische Familiengeld komme vor allem Geringverdienern und alleinerziehenden Eltern zu Gute und sorge ohne viel Bürokratismus für „echte Wahlfreiheit“ zwischen der Betreuung in der Kita oder zu Hause.

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Glaubensfrage: Alois Hiebl, Kreisvorsitzender der Sudetendeutschen in Cham und CSU-Mitglied hofft auf die Stimmen unentschlossener Wähler am Sonntag. Mit Kandidaten wie Herrn Hopp sei die CSU bestens aufgestellt. Foto: gm
Glaubensfrage: Alois Hiebl, Kreisvorsitzender der Sudetendeutschen in Cham und CSU-Mitglied hofft auf die Stimmen unentschlossener Wähler am Sonntag. Mit Kandidaten wie Herrn Hopp sei die CSU bestens aufgestellt. Foto: gm

Die Einführung einer kostenfreien Kinderbetreuung hingegen lehnt Haimerl ab. Davon profitierten nur die Eltern, die ihre Kinder in die Kita schicken. „Wir wollen dagegen 30 000 neue Plätze im Bereich der Kinderbetreuung schaffen. Ebenso sollen 2000 weitere Stellen in der Tagespflege entstehen.“ Ebenso warb Haimerl für das Baukindergeld und die Einführung des Landespflege-Geldes, das Pflegebedürftigen sowie Pflegekräften zu Gute komme.

Landrat Franz Löffler rührte die Werbetrommel für seine Wiederwahl im Bezirkstag und verwies unter anderem auf die Erfolge beim Ausbau der Regensburger MedBo-Klinik in Cham, wo inzwischen ein stationärer Bereich die Tagesklinik und die Kinder-und Jugendpsychiatrie ergänze.

Mit Blick auf die schlechten Umfragewerte machte Löffler deutlich, dass er sich weiterhin für eine starke Gesellschaft mit christlichen Werten einsetzen wolle. Mit möglichen anderen Koalitionen mit oder ohne die CSU stehe auch der Erfolg im Landkreis auf dem Spiel. „Die Deutschen beantworten die großen Zukunftsfragen mit Angst. Wir wollen uns aber von der bayerischen Stärke leiten lassen.“

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