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Die Watsch’n aus dem Bund kommt unten an

Nicht nur im Landtag, sogar bis hinunter in den Bezirk trifft es die Etablierten. Auch dort bleiben Chams Freie ohne Sitz.
Von Johannes Schiedermeier

Die Wahlen sind vorbei, die Plakatwände weg – die politischen Folgen allerdings sind noch nicht absehbar.Foto: Schiedermeier
Die Wahlen sind vorbei, die Plakatwände weg – die politischen Folgen allerdings sind noch nicht absehbar.Foto: Schiedermeier

Cham.Der Wähler ohrfeigt den Bund und trifft den Bezirk. Konnte man im Landtagsergebnis den Niederschlag der Bundesthemen noch einigermaßen erklären, so fällt das bei der Bezirkstagswahl schon schwerer. Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler zieht als ostbayerischer Stimmenkönig wieder ein. Doch auch er hat fast zehn Prozent Erststimmen verloren. Bei den Zweitstimmen traf es seine CSU ebenfalls mit knapp sieben Prozent. Löfflers Erklärung. „Die Leute wissen einfach zu wenig, dass wir im Bezirk weit weg von irgendwelchen Bundesthemen uns um Pflegebedürftige, Behinderte, Bildung und Kultur in der Oberpfalz kümmern.“

Wie im Landtag traf es auch im Bezirkstag die Etablierten. Max Schmaderer konnte für die Freien Wähler mit 20 Prozent der Erststimmen das Ergebnis von Karin Bucher mit 23 Prozent im Jahr 2013 nicht erreichen und verlor deren Sitz im Bezirkstag knapp. Der ging an die AfD. Der Lohberger Dr. Wolfgang Pöschl kam mit 10 460 Stimmen auf 14,7 Prozent. Das reichte, weil er auf seiner Liste alle anderen mit diesem Ergebnis überholte.

„Im Landkreis zu schlecht“

Es war knapp, sagt Schmaderer. Selbstkritisch merkt er aber an, dass er nicht nur dem übermächtigen Landkreis Regensburg zum Opfer gefallen ist. „Ich war im eigenen Landkreis zu schlecht!“ Er habe in Roding, wo er schon seit vielen Jahren arbeite, in manchen Wahllokalen ein schlechteres Ergebnis gehabt als der AfDler. „Da wären die paar fehlenden Stimmen locker drin gewesen.“

Knapp gescheitert sind die Freien Wähler in Land und Bezirk. Robert Riedl (2. von rechts) schaffte es trotz guten Ergebnisses nicht in den Landtag, weil zu viele Zweitstimmen in Regensburg Land und Stadt den Besitzer gewinnbringend wechselten. Und dann war da noch die AfD...Foto: Weber
Knapp gescheitert sind die Freien Wähler in Land und Bezirk. Robert Riedl (2. von rechts) schaffte es trotz guten Ergebnisses nicht in den Landtag, weil zu viele Zweitstimmen in Regensburg Land und Stadt den Besitzer gewinnbringend wechselten. Und dann war da noch die AfD...Foto: Weber

Laut Schmaderer spüren die Freien Wähler im Landkreis Cham auch die Folgen verpasster Chancen: „Hätte ich damals bei der Landratswahl 250 Stimme mehr gehabt, dann könnten wir hier genauso profitieren wie die Regensburger von ihrer Landrätin Tanja Schweiger. Aber es kann gar nicht sein, dass wir hier so an die AfD abgeben mussten. Dafür gibt es keine realistische Begründung. Die Probleme, von denen die reden, die gibt es hier gar nicht.“ Doch der Kandidat der Freien sagt auch: „Der Wähler entscheidet und wir müssen das respektieren.“

Derweil hat einer den Sprung in den Bezirkstag geschafft, der dessen Existenzrecht zumindest anzweifelt: der AfDler Dr. Wolfgang Pöschl aus Lohberg. Er bedankt sich bei seinen Wählern, die ihm nach nur vier Jahren im Wahlkreis mit 14,7 Prozent einen „so großen Vertrauensbeweis“ geschenkt haben. Die Nähe zum Wähler sei eben wichtig. Der Kreisverband der AfD sei finanziell und personell noch viel zu schwach, um größere Erfolge zu erreichen, sagt er. Die Freien Wähler hätten viele Stimmen von der AfD abgezogen.

„Ich bin jedem gegenüber offen, aber bundespolitische Schaukämpfe haben in einem Gremium nichts zu suchen, in dem es um sozial benachteiligte Menschen geht.“

Franz Löffler

Auch für den amtierenden Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler sind noch Fragen offen. Er wird sich erstmals mit zwei AfDlern abfinden müssen. „Ich bin jedem gegenüber offen, aber bundespolitische Schaukämpfe haben in einem Gremium nichts zu suchen, in dem es um sozial benachteiligte Menschen geht“, sagt Löffler.

Die Sache mit Regensburg

Auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler hat eventuell ein Regensburger Problem. Von dort hat man diesmal eine ziemliche Hausmacht mit fünf der 18 Sitze mitgebracht. Mal sehen, welche Rolle das bei Sacharbeit und Präsidentenwahl spielt.

Und noch einer hadert mit seinem Schicksal: Der Bad Kötztinger Robert Riedl war für die Freien Wähler in den Landtagswahlkampf gestartet und hatte ein achtbares Ergebnis erzielt. Noch bis in die Abendstunden wurde er am Wahltag für den dritten Sitz im Landtag gehandelt. Dann überrundete ihn plötzlich die Kandidatin der Freien Wähler in Regensburg Stadt, Kerstin Radler.

„Ich war im eigenen Landkreis zu schlecht!“, merkt Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer (Freie Wähler) selbstkritisch an. Foto: Ulli Frisch
„Ich war im eigenen Landkreis zu schlecht!“, merkt Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer (Freie Wähler) selbstkritisch an. Foto: Ulli Frisch

Sie bekam aus dem Landkreis Regensburg 4369 Stimmen. Das sei ein absolut in dieser Höhe einzigartiger Wert, erklärt Riedl. „Darauf kann sich jeder, der sich mit Politik befasst, einen Reim machen“, sagt der Chamer Kandidat. Dabei seien allein schon rechnerisch die Wahlkreise Regensburg Stadt und Land ohnehin im Vorteil.

„Wir haben 25 000 Stimmen eingebracht und den dritten Sitz ermöglicht, den wir dann nicht bekommen haben“, so Riedl. Da nütze es auch nichts, dass er nur 3000 Stimmen weniger gehabt habe als sein Vorgänger Dr. Karl Vetter. Das System an sich sei ungerecht.

Inzwischen hat Riedl allerdings auch die Verärgerung gegenüber den Wählern seiner Heimatstadt Bad Kötzting veratmet, wo er MdL Dr. Gerhard Hopp schlagen wollte und dann mit 27,3 Prozent 8,5 Prozent hinter dem CSUler blieb. Konsequenzen daraus schließt er nun doch aus: „Wegen so einer Lappalie schmeiße ich doch nicht alles hin!“

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