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Landtagswahl

Freie Wähler bliesen zum Wahlkampffinale

Mit harten Attacken auf die CSU und Markus Söder stimmen die Kandidaten in Bad Kötzting ihre Unterstützer auf die Wahl ein.
Von Alois Dachs

Landtagsabgeordneter Dr. Karl Vetter, Landtags-Direktkandidat Robert Riedl, Landtags-Listenkandidat Dr. Herbert Weidacher, Bezirkstags-Direktkandidat Max Schmaderer und Bezirkstags-Listenkandidat Dr. Thomas Klyscz (v. r. n. l.) klopfen auf Holz, auf dass die Wahl ein Erfolg werde.Fotos: Dachs
Landtagsabgeordneter Dr. Karl Vetter, Landtags-Direktkandidat Robert Riedl, Landtags-Listenkandidat Dr. Herbert Weidacher, Bezirkstags-Direktkandidat Max Schmaderer und Bezirkstags-Listenkandidat Dr. Thomas Klyscz (v. r. n. l.) klopfen auf Holz, auf dass die Wahl ein Erfolg werde.Fotos: Dachs

Bad Kötzting.Ein Wahlkampffinale mit rund 300 Zuhörern aus dem gesamten Landkreis gestalteten die Landtags- und Bezirkstagskandidaten der Freien Wähler am Freitagabend in der Lindner-Halle in Bad Kötzting. Die Direktkandidaten Robert Riedl (Landtag) und Max Schmaderer (Bezirkstag) machten deutlich, dass freies Denken und Handeln der Politik in München und Regensburg gut tun würde. Vor allem zeigten sie auf, dass alle bürgerfreundlichen Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit auf Initiativen und Volksbegehren der Freien Wähler zurückgingen.

Recht zögernd füllte sich die Halle, in der die Blaskapelle Weißenregen ab 19 Uhr aufspielte und im Laufe des Abends außerdem den Hochzeitslader und Humoristen Hermann Fleischmann aus Moosbach begleitete. Schließlich waren es doch rund 300 Zuhörer aus Bad Kötzting und den übrigen Ortsverbänden der Freien Wähler, die nach der Begrüßung durch Wolfgang Pilz zunächst amüsiert die im Stil der Altneihauser Feierwehrkapelln gedichteten politischen Pointen des FW-Kreisvorsitzenden Hans Kraus verfolgten. „Dass ein Franke sollt Bayern regier’n, will nicht ins Oberpfälzer Hirn“, hieß es da zum Beispiel.

Politik statt Renteneintritt

Derblecken: Hochzeitslader und Humorist Hermann Fleischmann aus Moosbach nahm mit seinen Gstanzln die aktuelle politische Lage in Bayern und Deutschland aufs Korn und berichtete von seiner reichen Erfahrung als Hochzeitslader. Mit dem Kreisvorsitzenden Hans Kraus kam es auch zum gegenseitigen Aussingen.
Derblecken: Hochzeitslader und Humorist Hermann Fleischmann aus Moosbach nahm mit seinen Gstanzln die aktuelle politische Lage in Bayern und Deutschland aufs Korn und berichtete von seiner reichen Erfahrung als Hochzeitslader. Mit dem Kreisvorsitzenden Hans Kraus kam es auch zum gegenseitigen Aussingen.

Landtags-Direktkandidat Robert Riedl stellte klar, dass er entgegen einem Zeitungsbericht frühestens in zweieinhalb Jahren in Rente gehen könnte. Lieber wolle er aber „fünf oder zehn Jahre“ Politik für Bayern in München machen, denn niemand in Bayern treffe „so blödsinnige Entscheidungen wie die CSU“, sagte Riedl unter Verweis auf „Kreuzerlass“, Lehrermangel oder die 100 Millionen Euro teure Aufstockung der berittenen Polizei. „Die Freien Wähler können es besser!“, zeigte sich Riedl überzeugt und verwies auf die Abschaffung der Studiengebühren, der Straßenausbausatzung, die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums sowie die Aktion für kostenfreie Kindertagesstätten.

„Ich weiß, wo es hakt“, sagte der vierfache Vater und siebenfache Großvater, denn er sei kein „Saalpolitiker“, der vom Kreißsaal in den Hörsaal und von dort „in den Plenarsaal“ gekommen sei, sondern er habe als Förderlehrer und Kommunalpolitiker viele Jahre Erfahrung im Arbeitsleben.

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Ein Turbo-Date mit Chamer Kandidaten

Beim Speed-Dating nahmen Schüler sechs Direktkandidaten in die Mangel. Sieger der Herzen war ein Rodinger mit grünem Daumen.

Landtags-Listenkandidat Dr. Herbert Weidacher erinnerte an die Absicht der CSU vor vier Jahren, das Trinkwasser in Bayern zu privatisieren, was durch ein Volksbegehren der Freien Wähler verhindert worden sei. Er kritisierte, dass 350 Millionen Euro für die Einführung einer Pkw-Maut ausgegeben würden, „die nie kommen wird“, während Schwimmbäder geschlossen werden müssten und deshalb bald mehr Menschen ertrinken würden, als im Straßenverkehr umkommen, weil Kinder nicht mehr schwimmen lernen. Ein großes Anliegen sei es für ihn, mehr Ärzte auf das Land zu bringen. Für den Landkreis wäre es seiner Ansicht nach wichtig, ein zentrales, leistungsfähiges Krankenhaus („meinetwegen zwischen Cham und Roding“ – Einwand von Max Schmaderer: „Da liegt Schorndorf!“) statt dreier Häuser zu schaffen, die schwer rentabel zu führen seien.

„Lasst euch nicht weiter quälen“

Erheitern:  Die Blaskapelle Weißenregen sorgte nicht nur für einen musikalischen Auftakt des Wahlkampf-Finales in der Lindner-Halle. Mit dem Marsch „Gruß an München“ machten die Musiker auch deutlich, dass sich die Freien Wähler anschicken, mindestens den Direktkandidaten in den Landtag zu bringen.
Erheitern: Die Blaskapelle Weißenregen sorgte nicht nur für einen musikalischen Auftakt des Wahlkampf-Finales in der Lindner-Halle. Mit dem Marsch „Gruß an München“ machten die Musiker auch deutlich, dass sich die Freien Wähler anschicken, mindestens den Direktkandidaten in den Landtag zu bringen.

„Wie schön könnte Politik sein“, merkte Bezirkstags-Direktkandidat Max Schmaderer an, wenn vieles wieder mit mehr Humor betrachtet würde. „Lasst euch nicht weiter quälen – diesmal Freie Wähler wählen!“, laute sein Slogan für den 14. Oktober. Innenminister Seehofer riskiere den Bruch der Koalition und treibe das Land in den Ruin, so wie er schon mit der Einführung der LKW-Maut die Wähler den Rechten zu getrieben habe. „Uns geht es verdammt gut und trotzdem eröffnet fast jeden Tag eine neue Tafel“, gab Schmaderer zu bedenken. Die Anliegen der Geringverdiener und Bezieher kleiner Renten würden von der Politik nicht ernst genommen, daher rühre die Angst vieler Menschen vor sozialer Ungerechtigkeit. „Wir sollten uns darauf besinnen, den Menschen zu helfen“, lautete der Appell von Schmaderer. Wie wichtig auch die Arbeit des Bezirkstages ist, zeige sich am Beispiel Bad Kötzting, das durch den Zweckverband einen enormen Aufschwung erlebte, ebenso in Problemgebieten der Nord-Oberpfalz, wie Neualbenreuth.

Dr. Thomas Klyscz, der auf der Liste für den Bezirkstag kandidiert, trat mit einer Baumscheibe auf, die er von M-net erhalten habe. Sie solle er als Buschtrommel verwenden, nachdem das schnelle Internet im Landkreis Cham noch immer nicht verwirklicht sei, während Länder wie Lettland oder Rumänien längst über Glasfaserkabel kommunizierten. Bei der 50 000 Euro teuren Landkreiskampagne für den „schönsten Arsch der Welt“ sei der Schuss nach hinten losgegangen, sagte Dr. Klyscz, das „Werbematerial“ sei eingestampft worden. Er forderte mehr Medizinstudienplätze für bayerische Studenten, eine gerechte Verteilung der Ärzte zwischen Stadt und Land, kritisierte die für 28 Millionen geplante Ortsumgehung Lederdorn, die künftig „hinter anderen Schlafzimmern vorbei“ führen werde und nannte es völlig unrealistisch, fünf Jahre alte Dieselautos verschrotten zu lassen, während in Großraumbüros eine 30 Mal höhere Stickoxidbelastung zulässig sei, als in den Innenstädten.

Landtagsabgeordneter Dr. Karl Vetter führte aus, bei Krankenhäusern sei nicht der Standort, „sondern die Qualität der Versorgung“ wichtig. Sein Wahlspruch aus 2008 „Macht braucht Kontrolle“ sei heute „wichtiger denn je“, sagte Dr. Vetter, denn was im Landtag ablaufe „spottet jeder Beschreibung“. Stimmen für die AfD seien „verlorene Stimmen“, erklärte er, niemand wolle mit dieser Partei koalieren.

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