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Politik

SPD mahnt zur Wahl: „Zeichen setzen“

Schwandorfs Altlandrat Schuierer sah sich beim Wahlkampfabschluss in Cham mit Genossen und Gästen den Film „Wackersdorf“ an.
Von Andreas May

Beim SPD-Wahlkampfabschluss im Chamer Kino (v. l.): Bezirkstagskandidat Martin Schoplocher, Kreisvorsitzender Franz Kopp, Schwandorfs Altlandrat Hans Schuierer, Schwandorfs Kreisvorsitzender Peter Wein und Bezirkstagskandidatin Silke Schell Fotos: May
Beim SPD-Wahlkampfabschluss im Chamer Kino (v. l.): Bezirkstagskandidat Martin Schoplocher, Kreisvorsitzender Franz Kopp, Schwandorfs Altlandrat Hans Schuierer, Schwandorfs Kreisvorsitzender Peter Wein und Bezirkstagskandidatin Silke Schell Fotos: May

Cham.Zwar seien nicht alle Szenen und Aspekte authentisch und realistisch gewesen, dennoch löst der Film „Wackersdorf“ bei Schwandorfs Altlandrat Hans Schuierer auch bei wiederholtem Ansehen noch immer Emotionen aus. Er betonte, dass der Film ein gutes Lehrbeispiel sei und viel stärker in den aktuellen Wahlkampf der Genossen mit einbezogen hätte werden sollen: „Wackersdorf ist ein Beispiel dafür, was in einer Demokratie nicht passieren darf“, so der Protagonist des Filmes.

Die Gäste im Chamer Kinosaal würdigten diese Worte mit tosendem Applaus. Umgekehrt zeige das Beispiel auch, was in einer Demokratie möglich sei, nur dem Widerstand aus der Demokratie heraus sei es zu verdanken, dass die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) letztlich verhindert werden konnte. Diese Botschaft gelte auch in Zukunft – für jeden Einzelnen von uns.

Strahlen kennen keine Grenzen

Wenn die WAA gebaut worden wäre, hätte dies eine Verödung weiter Teile der Mittleren Oberpfalz zur Folge gehabt, fuhr Schuierer fort. Auch der Landkreis Cham hätte die Auswirkungen massiv zu spüren bekommen, „denn die Strahlungen machen nicht vor Landkreisgrenzen Halt.“ Besonders Frauen und Familien hätten im Zuge des Widerstands viel geleistet und auf viele Dinge verzichtet und hervorragende Arbeit geleistet, so der mittlerweile 87-Jährige. Damals habe der Landkreis Schwandorf die höchste Arbeitslosenquote der gesamten Bundesrepublik gehabt, verwies Schuierer auf die Situation in den 1980er Jahren: „Was wir heute haben, ist ein großer Verdienst derer, die damals Widerstand geleistet haben – auch die Arbeitsplätze“, erklärte der Altlandrat.

Altlandrat Hans Schuierer nahm sich Zeit, die vielen Fragen der rund 60 Gäste zu beantworten. Fotos: May
Altlandrat Hans Schuierer nahm sich Zeit, die vielen Fragen der rund 60 Gäste zu beantworten. Fotos: May

Auf die aktuelle politische Situation bezogen, räumte Schuierer ein, dass er Angst vor der kommenden Landtagswahl habe. Der Rechtsruck in ganz Europa sei ein großes Problem. Man müsse wachsam sein. Für seine Fraktion hoffe er, dass sie das Blatt noch ein wenig drehen könne und dass die Umfragewerte bis zum Sonntag verbessert werden können. Hans Schuierer bezeichnete die gesamte Szenerie um die WAA Wackersdorf von Anfang bis Ende als einziges Lügenpaket. So habe es bereits 1979 die erste Lüge vom damaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß gegeben, als dieser einen Plan für ein Atomkraftwerk in der Oberpfalz dementierte. „Die Lügen gingen einher mit Polizeigewalt und Willkür, mit dem Versuch, den demokratischen Widerstand aus der Bevölkerung zu brechen“, so Schuierer.

Selbst heute werde noch gelogen. Dies belege beispielsweise ein erst kürzlich erschienenes Buch oder die Äußerung einer Staatsministerin. Letztere habe behauptet, dass der Widerstand keine Rolle gespielt habe, als die WAA in der Konsequenz nicht fertiggestellt wurde.

Die gebannten Gäste im Chamer Kinosaal hatten nicht nur den Film mit großem Interesse verfolgt, sondern machten regen Gebrauch der Möglichkeit, Fragen an Hans Schuierer zu stellen. Die Frage, ob Tschernobyl eine Rolle gespielt habe, bejahte Schuierer. Das Interesse am Widerstand sei durch die breitere Medienberichterstattung gestiegen.

Nie ans Aufgeben gedacht

Wie im Film deutlich wurde, hatte der damalige Schwandorfer Landrat mit allerlei Gegenwehr, insbesondere durch die Lobbyisten in der Staatsregierung, zu tun. Schuierer hielt dem Druck stand und kämpfte nach anfänglichen Zweifeln bis zum Schluss verbissen gegen den Bau in seinem Landkreis.

Wackersdorf und Hans Schuierer

  • Film:

    In Anlehnung an die Ereignisse aus den 1980er Jahren wurde der Film „Wackersdorf“ 2017 an den Originalschauplätzen im Landkreis Schwandorf und in München gedreht. Nach der Veröffentlichung 2018 stieß der Film bisher auf größtenteils positive Kritiken. „Wackersdorf“ wurde für den Förderpreis „Neues Deutsches Kino“ nominiert.

  • Landrat:

    Der damalige Schwandorfer Landrat Hans Schuierer hatte seine Meinung hinsichtlich des Bauvorhabens der WAA Wackersdorf Stück für Stück geändert. Nachdem er anfangs aufgrund von Lügen der Staatsregierung seine Einwilligung gegeben hatte, versuchte er nach dem Studium der Risiken den Bau zu verhindern. Das bayerische Ministerium war lange Zeit auf die Mitwirkung Schuierers angewiesen, bis eine Gesetzesänderung durchgeführt wurde. Schuierers Meinung wurde nicht mehr benötigt, gleichzeitig wurde er als Landrat degradiert. Er blieb bis zum endgültigen Baustopp der Widerstandsbewegung treu – auch als Privatmann. Bis 1996 blieb er als Landrat im Amt. (cia)

Ob er jemals ans Aufgeben gedacht habe? „Nein“, antwortete Schuierer entschieden. Detailreicher waren da schon seine Schilderungen und Anekdoten in Bezug auf die stark am Widerstand beteiligten Österreicher, die den Landrat explizit nach Salzburg einluden, während der bayerische Ministerpräsident eine solche Einladung nicht erhielt. Das Publikum musste hier und dort trotz der ernsten Thematik schmunzeln.

Dass die SPD um Kreisvorsitzenden Franz Kopp bei der bevorstehenden Landtagswahl etwas zu schmunzeln hat, hoffen auch die Bezirkstagskandidaten Silke Schell und Martin Schoplocher sowie der Kreisvorsitzende aus dem Landkreis Schwandorf, Peter Wein. Sie alle trugen einen Pullover mit der Aufschrift „Zeichen setzen“ und „Natascha Kohnen wählen“.

Ob mehr Wählern den Kandidaten diesen Gefallen tun werden, als dies aktuell zu vermuten ist, entscheidet sich am Sonntag. Auch Hans Schuierer wird gespannt sein.

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