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Cham
Dienstag, 25. September 2018 13° 1

Bildung

Mit selbstgebauten Flößen geht’s auf See

Frische Brise statt Klassenzimmer-Muff: Die Chamer Fraunhofer-Schüler erlebten einen ganz besonderen Workshop.
Von Susanne Melichar

  • „Wie war das nochmal mit den Knoten?“, fragen sich die Fraunhofer-Floßbauer. Fotos: Melichar
  • Erkenntnis: Das Fundament des Turmes wird instabil. Wenn zu viel davon fehlt, fällt alles in sich zusammen – auch eine Klassengemeinschaft. Fotos: Melichar

Cham.Montag, 8 Uhr: Eine Gruppe von Fraunhofer-Schülern macht sich aufgeregt schwätzend auf den Weg zum Bus. Ihr Ziel: der Satzdorfer See. Was sie dort genau erwartet, wissen sie selbst noch nicht so wirklich. Aber bei einer Sache sind sie sich einig: Hauptsache keine Schule! Natürlich war ihnen in den Tagen zuvor schon gesagt worden, worum es in diesem besonderen Workshop geht. Sie würden gemeinsam ein Floß bauen und den See damit befahren.

Auch eine Aufgabe hatten sie bereits im Vorfeld zu erledigen. Sie sollten eine Boje basteln. Während ein Teil der Klasse sich bereits hier gemeinsam ins Zeug gelegt hatte und eine perfekt durchgestylte Boje mitgebracht hatte, fiel es einer anderen Gruppe gerade mal am Vorabend wieder ein, dass da doch noch was war.

Dann ging es zur Sache

Moritz Linhart: Gemeinsam haben wir die Aufgabe eigentlich ganz gut geschafft. Am coolsten ist aber unser Segel! Fotos: Melichar
Moritz Linhart: Gemeinsam haben wir die Aufgabe eigentlich ganz gut geschafft. Am coolsten ist aber unser Segel! Fotos: Melichar

Am Satzdorfer See ging es aber dann gleich zur Sache. In einem ersten gemeinsamen Spiel sollte ein stabiler Turm aus Bauklötzen gebaut werden und jeder durfte aufschreiben, was er sich von den anderen an diesem Tag wünscht. Hier standen dann so Begriffe wie Respekt, Vertrauen, Fairness oder Teamwork im Raum und so langsam dämmerte es den 14- und 15-Jährigen, dass die Floßbauaktion doch mehr zu werden schien, als zuerst gedacht. Und dann ging es auch schon los. Erlebnispädagoge Stephan Magerl hatte sämtliche Materialien zum Floßbau mitgebracht und die Schüler mussten sich und sie gerecht untereinander aufteilen. Wer bekommt wie viele Bretter? Wie viele leere Kanister brauchen wir eigentlich? Und was macht man mit der Schnur? Genaue Absprachen mussten getroffen werden und nicht immer bekam derjenige das Meiste, der am lautesten geschrien hatte. Dann wurde es ernst. Der Kursleiter gab den Schülern zwei Stunden Zeit, um ein schwimmfähiges Floß zu bauen, das vier Personen tragen sollte. Rund um das grüne Klassenzimmer der Firma Rädlinger wurde geplant und diskutiert, wild drauflosgebaut und vieles wieder verworfen. In jeder Gruppe kristallisierten sich Anführer heraus, die mit mehr oder weniger Unterstützung ihrer Teampartner ihr Floß bauten. Ohne Hilfe der anderen klappte es aber nicht und so hieß das Zauberwort Teamwork. Letztlich gab es innerhalb der vorgegebenen Zeit recht ansehnliche Schwimmkörper zu bestaunen.

Chamer Fraunhofer-Schüler bauen Flöße

Eine Gruppe baute einen schnittigen Katamaran, eine andere Gruppe hatte sich für eine robuste Viereckskonstruktion entschieden und das dritte Team hatte sich kleine Spannvorrichtungen überlegt, die alles gut zusammenhalten sollten. Aber würden die Flöße auch schwimmen? Grundwissen in Physik und Chemie zum Thema Auftrieb, Masse und Verdrängung wäre nicht schlecht. Aber es half alles nichts. Die selbstgemalten Fahnen wurden gehisst und die Boote zu Wasser gelassen. Schnell zeigten sich die ersten baulichen Mängel. Ging ein Boot unter großem Gejohle der anderen im Wasser unter, weil es zu wenig Auftrieb hatte, schaffte es ein anderes gar nicht erst bis zum Wasser, weil die Kanister und Bretter schon zuvor auseinanderfielen.

Woran hat es gelegen?

Versuch: Das Floß sieht recht stabil aus – aber wird es auch halten? Im ersten Versuch gingen die Kanister auf dem Weg ins Wasser verloren. Fotos: Melichar
Versuch: Das Floß sieht recht stabil aus – aber wird es auch halten? Im ersten Versuch gingen die Kanister auf dem Weg ins Wasser verloren. Fotos: Melichar

In einer Reflexionsphase wurde dann heiß diskutiert. Was muss man verändern, um das Floß schwimmfähig zu machen? Wer hätte gedacht, dass man hier sein Grundwissen zum Thema Knotenkunde von Feuerwehr oder Bergwacht nochmal so gut brauchen würde? Wieder wurde gemeinsam am Floß gebaut, aber während beim ersten Durchgang noch Einzelkämpfer verzweifelt gearbeitet hatten, zeigte sich im zweiten Durchgang schnell, dass nun Teamplayer am Werk waren.

Am Ende der zweiten Runde hatten es wirklich alle geschafft. Manche Boote waren zwar instabiler als andere, aber schwimmen konnten sie alle. So stand dem Spaß im Wasser nichts mehr entgegen und es wurde ausgiebig geplanscht. In einer Feedbackrunde sollte nun ein Turm nach oben weitergebaut werden und man musste dazu von unten Holzklötze entfernen und oben anlegen.

Johanna Hierstetter: Am schwierigsten war es, gute Knoten zu machen. Aber Gottseidank haben wir ein paar Feuerwehrler in der Klasse. Fotos: Melichar
Johanna Hierstetter: Am schwierigsten war es, gute Knoten zu machen. Aber Gottseidank haben wir ein paar Feuerwehrler in der Klasse. Fotos: Melichar

Schnell wurde klar, dass ein hoher Turm nur dann stabil steht, wenn Fundament und Bauweise stimmen. Auf eindrucksvolle Weise erfuhren die Jugendlichen am eigenen Leib, dass auch ihre Klassengemeinschaft nur funktioniert, wenn sie auf einem Fundament aus Respekt, Vertrauen, Fairness und Teamwork basiert und jeder immer fleißig daran weiterbaut, sich einbringt und sich für die anderen einsetzt. Eine wichtige Aufgabe nicht nur für eine Schulklasse, sondern für unsere gesamte Gesellschaft.

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