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Frühjahrskonzert

Musikgenuss in voller Halle

Die Kolpingmusik Cham bot hervorragende Blasmusik der unterschiedlichsten Genres.
Von Holder Hierl

  • Siegi Mühlbauer hat gut lachen, sein Orchester hat beim Frühjahrskonzert voll überzeugt. Foto: Holder Hierl
  • Auf sein starkes Jugendorchester unter Leitung von Alexander Schmiedl kann sich die Kolpingmusik Cham verlassen. Foto: Holder Hierl
  • 13 junge Musiker der Kolpingmusik hatten sich Leistungsprüfungen beim Nordbayerischen Musikbund unterzogen und mit einem Gesamtschnitt von 1,9 hervorragend bestanden. Foto: Holder Hierl

Cham.„Herzlich willkommen zu unserem 52. Frühjahrskonzert. Wir san heuer in einer Riesenhalle – und die is voll! Wir san happy, dass ihr alle da seids.“ Dem Vorsitzenden der Kolpingmusik Cham, Reinhard Lesinski, strahlten die Augen, als er zu Beginn des diesjährigen Frühlingskonzerts, das unter dem Motto „Legenden und Fiktionen“ stand, in die vollbesetzte Stadthalle blickte.

Und die Gäste mussten ihr Kommen nicht bereuen, das Jugendorchester und das große Orchester der Chamer Kolpingmusik boten hervorragende Blasmusik der unterschiedlichsten Genres, von anspruchsvoller Filmmusik über südamerikanische Klänge bis zu Walzer und Polka, auf die Blasmusik oft reduziert wird.

Schräge Melodiefolgen

Dass diese Musiksparte aber viel mehr zu bieten hat, das zeigte gleich das Kolping-Jugendorchester unter Leitung von Alexander Schmiedl mit der Titelmusik aus dem Film „The Incredibles“ von Michael Giacchino (Arrangement Paul Murtha) als Auftakt zu einem abwechslungsreichen und insgesamt beeindruckenden Konzertabend.

Die actionreichen Szenen des Superheldenfilms konnte man in den schrägen Melodiefolgen, dem temporeichen Vorwärtsdrängen der Musik und den wirbelnden Trommelschlägen förmlich spüren. Die jungen Musiker zeigten dabei erstaunliche Sicherheit und perfektes Zusammenspiel aller Register, wobei sie der ebenfalls noch junge Dirigent nur mit sparsamen Handbewegungen leiten musste.

Nach diesem rasanten Auftakt brachte Reinhard Lesinski seine gewohnte Ruhe in den Saal und hieß die Gäste willkommen.

Lesinski erwähnte auch ein paar Premieren bei diesem Frühjahrskonzert, wie etwa zwei Großsponsoren, die Raiffeisenbank Chamer Land und der Pflegedienst Sperlich, vor allem aber habe man mit Siegi Mühlbauer einen neuen Dirigenten für dieses Konzert, gewinnen können und schließlich sei man heute auf der besten und schönsten Bühne, die das Orchester je zur Verfügung hatte. Dankend erwähnte der Vorsitzende noch, dass auf Grußworte verzichtet worden sei, „wir san ja alle wegen der Musi da“.

So hielt auch er sich kurz und zwei Mitglieder des Jugendorchesters, Laura Boxhorn und Klara Laußer, kündigten an, dass man nach den Fantasiegestalten des ersten Titels nun in die volle Realität zurückkehren werde mit der wunderbar grünen Gestalt Shrek und deren nicht minder seltsamen Kumpanen. Auf jeden Fall war diese Filmmelodie im Kontrast zum Eingangsstück ruhig fließend, von sanften Trompeten- und Flötenklängen bestimmt.

Als Ohrwurm gab es zum Schluss vom Jugendorchester den berühmten „Mambo No. 5“, der mit Lou Bega zum Hit geworden war. Da war die südamerikanische, rhythmische Seele im Spiel der jungen Leute zu spüren und das Publikum spendete begeistert Beifall.

„Ja, pfundig guad ham’s aufgspuit, de Jungspunde“, bemerkte daraufhin der „Huberbauer“ zur Frau Montag (Franz Bauer und Lisa Montag), welche, ebenfalls eine Premiere, den Abend kabarettistisch begleiteten. Recht unterhaltsam, aber als Moderation ein wenig zu umfangreich, weil ja, wie der Reinhard gesagt hatte, die Leute zwengs da Musi kemma san.

Das große und stark besetzte Kolping-orchester übernahm nun das Spiel und legte gleich furios mit dem Titel „Das große Tor von Kiew“ aus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest P. Mussorgski los. Mit mächtigem Blechbläserklang und kräftigen Pauken- und Beckenschlägen konnte man die Soldaten des Zaren durch das Tor einziehen sehen, bevor das Fagott sanft schwebend zusammen mit den Klarinetten eine ruhige Phase andeutete. Doch bald ertönten schwer die Glocken und das tiefe Blech dröhnte unheilvoll und majestätisch zog der Herrscher in die Stadt ein. Beeindruckend, wie das Orchester dieses Bild des großen Tores vor dem geistigen Auge der Zuhörer aufscheinen ließ.

Im krassen Gegensatz zu dem schweren, mächtigen Stück kam der „Wolpertinger-Marsch“ von Josef Lang daher: leicht, locker, leger, pfiffig. Wunderbar von den Musikern gespielt. Und abwechslungsreich ging es weiter mit den „Movie Milestones“, also Meilensteinen der Filmmusik, von Hans Zimmer.

Der Komponist hat darin Melodien aus Filmen wie „Miss Daisy und ihr Chauffeur“, „Gladiator“, „Madagascar“, „Der König der Löwen“ oder „Fluch der Karibik“ vereint und so ein buntes, aber in sich geschlossenes Werk geschaffen, das das Kolpingorchester ausgezeichnet in seiner Vielfältigkeit umsetzte.

Auf den „Nanga Parbat“

Und wieder ging’s zurück zur „gewohnten“ Blasmusik mit dem „Märchenwalzer“ von Metodej Prajka. Weich schunkelte das tiefe Blech, während die Trompeten pointierte Akzente da hinein setzten und die Klarinetten und Flöten verspielt das ganze umschwirrten. Das war auch wichtig, denn nun ging’s auf den „Nanga Parbat“ (Michael Geisler). Dass dieser „König der Berge“ eine Vielzahl an Eindrücken beim Betrachter hinterlässt, das verdeutlichte das Orchester mit der Ummalung von im Sonnenlicht glänzenden Eisfeldern, schroffen Felsklippen, bei denen die Klarinetten hektisch hechelten, eisigem Wind, sanften Bergweiden und schließlich dem weit schweifenden, majestätischen Blick vom Gipfel.

Swingend folgte später noch der „Chatanooga Choo Choo“, bekannt geworden durch Glenn Miller, bevor das Orchester eine Große des Soulgesangs, Amy Winehouse, musikalisch wiederbelebte, mal gefühlvoll, sanft, dann wieder voll Dynamik. Mit dem orchestralen Musical-Titel „Nessaja“ von Peter Maffay, der da eine weise Meeresschildkröte besingt, endete ein ausgezeichnetes Frühjahrskonzert offiziell.

Einige Musiker bekamen im Anschluss ihre Urkunden über bestandene Leistungsprüfungen beim Nordbayerischen Musikbund überreicht, die sie vor kurzem mit durchwegs sehr gutem Erfolg abgelegt hatten.

Reinhard Lesinski erwähnte dazu, dass die Kolpingmusik seit ihrer Gründung 1965 selber mit Erfolg ihre Nachwuchsmusiker ausbildet. Sonst könnte das Orchester nicht überleben, meinte er.

Die D1, die Bronzeprüfung, bestanden haben Johanna Ebert, Isabel Holzer, Paul Stockerl und Alexander Weber, alle im Fach Schlagzeug, Leon Freide (Tenorhorn) Simone Fuchs (Posaune), Cornelia Roider (Bariton-Saxophon), Tobias Spitzhirn (Tuba) und Michael Spitzhirn (Trompete). D2/Silber: Noch mal Cornelia Roider mit dem Bariton-Saxophon und Patrizia Spitzer mit der Trompete. D3/Gold: Tamara Hiegl mit der Querflöte und Alexander Schmiedl mit dem Alt-Saxophon.

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