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Jubiläum

Pilgern: Grenzen überschreiten

Choden-Wallfahrt hat zum 30. Mal die geographische Grenze überquert. Pilsens Bischof spricht auch die geistigen Grenzen an.
Von Helga Brandl

  • Zahlreiche Pilger und Ehrengäste versammelten sich vor dem Rathaus in Neukirchen. Fotos: Helga Brandl
  • Ehrengäste folgten dem Bischof.

Neukirchen b Hl Blut.Die Jubiläumswallfahrt der Choden zur Madonna vom Heiligen Blut haben am Maifeiertag mehr als 300 Gläubige genutzt um mit Bischof Tomaš Holub die Gottesmutter zu ehren und die bestehenden grenzüberschreitenden Beziehungen zu vertiefen. Zünftige Blasmusik wurde beim Eintreffen der zahlreichen Würdenträger, Wallfahrer und Ehrengäste vor dem Rathaus gespielt. Dem Eintrag des Pilsener Bischofs ins Goldene Buch der Marktgemeinde folgte die Begrüßung von Neukirchens Bürgermeister Markus Müller und Bürgermeisterin Jana Dirriglova aus Loucim.

Bürgermeister Müller sprach allen Pilgern aus Böhmen seine Anerkennung aus. „Heute ist nicht nur der Tag der Arbeit, sondern vielmehr ein Tag des Friedens.“ Unmittelbar nach der „samtenen Revolution“ wurden erste Gespräche über die Wiederbelebung der Wallfahrt aus Böhmen geführt.

Ein Dank an Monsignore Sysel

Müller erinnerte hier vor allem an Monsignore Vladislav Sysel, der tags zuvor seinen 97. Geburtstag gefeiert hatte. Ihm galten die Glückwünsche und ein außerordentliches Vergelt’s Gott für seine Initiative und alles, was er als Priester in der kommunistischen Zeit ertragen habe, um sofort nach der Grenzöffnung den Weg zur „Madonna vom Heiligen Blut“ zu suchen.

Müllers Dank galt auch seinem Vorgänger Egid Hofmann, dem inzwischen verstorbenen BGR Ulrich Murr und all jenen, die damals mitgeholfen hätten, diese Wallfahrt wieder aufleben zu lassen. „Viele von uns waren am 9. Mai 1990 bei der ersten Choden-Wallfahrt dabei. Ein wirklich bewegender Moment, der die Herzen der Menschen berührte“, blickte der Bürgermeister zurück, zumal es nach dem Kalten Krieg ein Meilenstein in der Geschichte der Marktgemeinde war, der unvergessen bleiben wird.

Bürgermeisterin Jana Dirriglova richtete die Willkommensgrüße ihres Amtskollegen in tschechischer Sprache an ihre Landsleute. Vor dem Rathaus formierten sich H.H. Bischof Tomaš, die hohe Geistlichkeit, sämtliche Ehrengäste sowie die böhmischen Pilger zur Prozession durch den Ort zur Wallfahrtskirche. Unter feierlichem Orgelspiel zogen über ein Dutzend Würdenträger in die Pfarrkirche „Mariä Geburt“ ein, welche in Konzelebration mit Bischof Tomaš Holub eine festliche Pilgermesse feierten. Ortspfarrer Georg Englmeier bekräftigte, dass diese Wallfahrt schon immer grenzüberschreitend und völkerverbindend sei. „Das Gnadenbild stammt aus Böhmen und wird in Bayern verehrt, so überwindet der Glaube Grenzen.“ Der Pilsener Oberhirte freute sich ebenfalls, mit der Diözese zu feiern, und bat im Gebet, gemeinsam unter dem Schutz der Gottesmutter mit Christus und zu Christus zu pilgern. „Sie ist uns Inspiration, Unterstützung und Ermutigung.“ Lobend äußerte sich der Bischof über das Kreuz, welches an erster Stelle auf dem Pilgerweg vor der Kirche seinen Platz gefunden hat; es zeige an, dass die böhmischen Pilger in der brüderlichen Gemeinschaft angekommen seien.

Bischof Tomaš Holub: „Als wir vor 30 Jahren zum ersten Mal nach Neukirchen gekommen sind, wussten wir auch nicht recht, was uns erwartet und doch haben wir uns überwunden und geglaubt, dass wir angenommen werden. Die Leute wollen nur das glauben, was sie sehen und anfassen können und womit sie selbst Erfahrungen gemacht haben. Hier haben sie Sicherheit. Wir müssen uns überwinden, an Gott zu glauben, dass er uns den Weg zeigt, der zu ihm führt. Am Wallfahrtsort, wo Maria die Grenze überschritten hat, dürfen wir sie um Unterstützung auf unserem Pilgerweg des Glaubens bitten. Wir sind immer eingeladen, Grenzen zu überschreiten – nicht die geographischen, sondern unsere geistigen. Möge Maria uns lehren, unsere Grenzen der Selbstidentität zu überschreiten und uns bewahren, auf dem Glaubensweg zu bleiben um uns den Weg zu zeigen, den Jesus für uns vorbereitet hat.“

Dem Hl. Nepomuk gehuldigt

Ausdrucksstarker Volksgesang erfüllte das Gotteshaus und die böhmischen Marienverehrer, die zum Teil schon in der dritten Generation zum Marienheiligtum kommen, brachten der Gottesmutter andächtig ihre Anliegen dar. Während einer eindrucksvollen Marienlitanei knieten die Priester vor dem Hochaltar zu Füßen der Neukirchner Madonna und sangen zusammen mit den Gläubigen.

Nach dem Gottesdienst zogen alle Gläubigen mit den Geistlichen zur Nepomuk-Kapelle am Kirchenvorplatz, wo sie im Gebet und mit Gesängen ihrem Nationalheiligen huldigten. Mit einem Händedruck und freundlichen Gesten verständigten sich die Marienverehrer relativ schnell und kompensierten so eine teils karge Konversation zwischen Bayern und Böhmen. Für die Ehrengäste schloss sich ein unterhaltsamer Abschluss der Wallfahrt an, als weiterer Bestandteil des grenzüberschreitenden Pilgerns und der bayerisch-böhmischen Beziehungen.

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