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Samstag, 22. September 2018 17° 3

Serie

Auf was Unfall-Versicherte achten müssen

Wer Fristen bei der privaten Unfallversicherung nicht beachtet, riskiert Ansprüche, sagt der Experte in unserer Rechtsserie.
Von Andreas Alt

  • Nicht jeder Unfall und jeder Gesundheitsschaden löst Ansprüche aus der Unfallversicherung aus. Folge des Unfalls muss eine Invalidität sein, die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit muss unfallbedingt dauerhaft beeinträchtigt sein, erklärt unser Experte Andreas Alt. Foto: Peter Steffen, dpa
  • Der Chamer Anwalt Andreas Alt

Cham.Die private Unfallversicherung gilt als wichtiger Bestandteil der privaten Absicherung. Oft existieren jedoch irrige Vorstellungen über den Umfang des Versicherungsschutzes, darüber hinaus wissen viele Versicherungsnehmer nicht, dass gerade bei dieser Versicherung wichtige formale Vorschriften und Fristen zu beachten sind, deren Nichtbeachtung zum völligen Verlust von Ansprüchen führen kann.

Voraussetzung für einen Anspruch gegen die Versicherung ist zunächst, dass ein Unfall vorliegt. Als Unfall gilt ein „plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis“. Wenn im Vertrag nicht ausdrücklich anderes vereinbart ist, sind Verletzungen ohne äußere Unfallursache (beispielsweise Bänder- und Sehnenrisse, auch Infektionen wie Zeckenbisse) nicht versichert. Derartige Risiken müssen gesondert versichert beziehungsweise ausdrücklich als versichert bezeichnet werden.

Unser Experte

  • Andreas Alt:

    Rechtsanwalt Andreas Alt ist in Cham als Rechtsanwalt in der Kanzlei am Steinmarkt Kuchenreuter Dr. Stangl Alt PartGmbB tätig.

  • Fachgebiete:

    Andreas Alt ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und Strafrecht, ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem privaten Versicherungsrecht, vor allem dem Bereich der Personen- und Sachversicherungen.

  • Kontakt:

    Kanzlei am Steinmarkt, Cham, (0 99 71) 8 54 00, E-Mail info@kanzlei-am-steinmarkt.de , Internet: kanzlei-am-steinmarkt.de

Dauerhafte Folgen

Nicht jeder Unfall und jeder Gesundheitsschaden löst darüber hinaus Ansprüche aus der Unfallversicherung aus. Vielmehr muss Folge des Unfalls eine Invalidität sein, die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit muss unfallbedingt dauerhaft beeinträchtigt sein. Als dauerhaft gilt eine Beeinträchtigung in der Regel, wenn sie voraussichtlich länger als drei Jahre besteht und eine Änderung des Zustandes nicht erwartet werden kann. Dies bedeutet, dass keine Leistungen aus der Unfallversicherung erbracht werden, wenn ein Unfallereignis zu Verletzungen geführt hat, die innerhalb von drei Jahren folgenlos ausheilen. Für den Fall des Todes der versicherten Person ist üblicherweise eine Todesfallleistung vereinbart, wobei diese dann bezahlt wird, wenn die versicherte Person aufgrund des Unfalls innerhalb eines Jahres verstirbt. Wenn zunächst eine Invalidität eintritt, die versicherte Person dann aber innerhalb einer bestimmten Frist (üblicherweise innerhalb eines Jahres) verstirbt, wird nicht die Invaliditätsleistung, sondern nur die Todesfallleistung bezahlt. Die Höhe der Leistungen richtet sich nach dem Invaliditätsgrad, der medizinisch anhand der sogenannten „Gliedertaxe“ festzustellen ist, und nach der vereinbarten Versicherungssumme.

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Unverzüglich melden

Weiter gibt es strenge formale Anforderungen und Fristen, die einzuhalten sind, da die Versicherung sonst die Leistungen verweigern kann.

Der Unfall muss unverzüglich gemeldet werden, sobald Anhaltspunkte dafür bestehen, dass dauerhafte Schäden entstehen können, die Unfallanzeige muss unbedingt vollständig und wahrheitsgemäß sein, auch was frühere Unfälle und Vorerkrankungen betrifft. Beim Tod des Versicherungsnehmers muss dies innerhalb sehr kurzer Fristen – meist 48 Stunden – gemeldet werden.

Die Invalidität muss innerhalb eines Jahres seit dem Unfall eintreten und innerhalb von 15 Monaten von einem Arzt schriftlich festgestellt und bei der Versicherung geltend gemacht werden. Manche Versicherungen sehen hier zwar längere Fristen vor, in allen Fällen gilt aber, dass eine Versäumung zum Verlust der Ansprüche führt. Dies gilt auch, wenn die ärztliche Feststellung nicht den inhaltlichen Anforderungen entspricht, die im Vertrag vereinbart sind. Da die Unfallversicherung in vielen Fällen der Existenzabsicherung im Fall eines schweren Unfalles dient, kann der Verlust von Ansprüchen existenzbedrohende Folgen haben.

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