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MZ-Serie

Gibt es die gefühlte Inflation wirklich?

In unserer Rechtstipps-Serie erklärt ein Finanzexperte aus Cham, warum die Sicht auf die Preisentwicklung individuell ist.
Von Jürgen Kestler

Jürgen Kestler beschäftigt sich mit dem Thema „Inflation“. Für 2017 wird eine Teuerungsrate von 1,5 bis 1,8 Prozent erwartet. Foto: Andreas Gebert/dpa
Jürgen Kestler beschäftigt sich mit dem Thema „Inflation“. Für 2017 wird eine Teuerungsrate von 1,5 bis 1,8 Prozent erwartet. Foto: Andreas Gebert/dpa

Cham.Seit Jahren geistert das Schreckgespenst Inflation durch die Medien und in den Köpfen von Kapitalanlegern. Einige Experten warnten vor einer Hyperinflation (Preissteigerungen von 50 Prozent pro Monat und mehr) durch das schier endlose Drucken neuen Geldes durch die Notenbanken. Doch was ist tatsächlich daraus geworden und welchen Einfluss hat die Inflation auf unser Geld und unsere Geldanlagen?

Volkswirtschaftlich wird mit dem Begriff Inflation die anhaltende Erhöhung von Preisen für Güter und Dienstleistungen (Teuerungsrate) beschrieben. Daraus leitet sich auch der Verlust der Kaufkraft unseres Geldes ab. Ein Beispiel: Ein VW Golf kostete 1974 rund 8000 D-Mark, umgerechnet etwas mehr als 4000 Euro. Heute beträgt der Preis für die Basisvariante ohne zusätzliche Sonderausstattungen rund 17 900 EURO. Dies entspricht etwa 3,4 Prozent Inflation pro Jahr.

Freizeit, Kultur, Hotels

Für das Jahr 2016 gibt das Statistische Bundesamt eine Teuerungsrate von 0,6 Prozent an, für 2017 werden 1,5 bis 1,8 Prozent erwartet. Diese errechnet sich aus einem fiktiv zusammengesetzten Warenkorb, in dem die Preise für Nahrung, Kleidung, Energie, Einrichtungsgegenstände, Freizeit, Kultur, Hotels oder Restaurants beinhaltet sind. Die Höhe der Inflation nehmen wir Konsumenten unterschiedlich wahr, da jeder Einzelne ein unterschiedliches Konsumverhalten aufweist und damit eine „persönliche, gefühlte“ Inflation für sich entwickelt, die meist bedeutend höher ist als die offiziell veröffentlichte.

Jürgen Kestler
Jürgen Kestler

Welche Auswirkungen ergeben sich daraus für Geldanlagen? Neben der Inflation gibt es einen Vermögenspreisindex, der vorwiegend Aktien, Betriebsvermögen, Immobilien und andere Geldanlagen umfasst. Dieser ist seit 2005 bis heute etwas mehr als vier Prozent pro Jahr gestiegen, wohingegen im gleichen Zeitraum eine durchschnittliche Inflationsrate von etwas über 1,5 Prozent p.a. zu verzeichnen war. Anleger, die in diesem Zeitraum in diese Anlageklassen investierten, konnten somit nicht nur die Inflation (Kaufkraftverlust) ausgleichen, sondern eine reale Mehrung ihres Vermögens erreichen. In dieser Zeit haben sich jedoch auch viele Rahmenbedingungen für Kapitalanleger durch die Finanzkrise und den Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank verändert.

Unser Experte

  • Zur Person

    Jürgen Kestler ist Stiftungsberater und Leiter der Niederlassung Süd für die Solvium Capital GmbH aus Hamburg.

  • Fachgebiete

    Jürgen Kestler ist Experte für Sachwertanlage in den Bereichen Transport und Logistik. Er ist Ansprechpartner für Vermögensverwalter, Banken, freie Finanzdienstleister, Stiftungen und professionelle Investoren.

  • Kontakt:

    Solvium Capital GmbH, Niederlassung Süd, Rindermarkt 14, Cham, Telefon (0 99 71) 9 94 74 85, E-Mail cham@solvium-capital.de

Die Verzinsung sank deutlich

So reduzierten sich die Zinsen auf Sparbücher, die Anfang 2005 noch durchschnittlich 1,1 Prozent p.a. für ihre Inhaber abwarfen, bis heute auf 0,03 Prozent jährlich. Die Verzinsung von Tagesgeldern im gleichen Zeitraum sank von 3,44 auf 0,14 Prozent und von zehnjährigen Festgeldern von 4,66 auf 1,07 Prozent pro Jahr. Bei einer aktuell niedrigen Inflationsrate zwischen ein und zwei Prozent stellen klassische Zinsanlagen keine sinnvolle Anlagealternative mehr dar, um den Kaufkraftverlust unseres Geldes dauerhaft auszugleichen. Berücksichtigt man noch die Steuer, so sollten Geldanlagen mindestens 2,5 Prozent pro Jahr erwirtschaften, um mindestens einen realen Werterhalt zu erreichen.

Alle Serienteile finden Sie hier

Mein TIPP: Nutzen Sie Tagesgeldkonten, Festgelder und Sichteinlagen nur für Gelder, die Sie in den nächsten zwei bis drei Jahren für den Konsum oder Investitionsvorhaben benötigen, und zur Bildung eines Notgroschens. Für Vermögen, das Sie länger anlegen möchten, finden sich neben Aktien und Immobilien weitere Alternativen. Achten Sie nicht nur auf die Verzinsung oder die Rendite in der Vergangenheit, sondern auf Chancen und Risiken. Generell gilt: Sie sollten sich mit der Kapitalanlage identifizieren können, verstehen, wie mit Ihrem Geld die Verzinsung beziehungsweise Rendite erwirtschaftet werden kann und ein gutes Bauchgefühl dabei haben.

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