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Montag, 18. Juni 2018 24° 3

MZ-Serie

Höhere Risiken können Kapital sichern

Die aktuelle Niedrigzinsphase trifft auch Stiftungen sehr hart. Unser Experte sagt, was die darauf reagieren können.
Von Jürgen Kestler

„Prüfen Sie Ihre Anlageentscheidungen regelmäßig und passen diese bei Bedarf an“, lautet ein Tipp von Jürgen Kestler. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa
„Prüfen Sie Ihre Anlageentscheidungen regelmäßig und passen diese bei Bedarf an“, lautet ein Tipp von Jürgen Kestler. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa

Cham.Wenn von einer Stiftung gesprochen wird, ist in der Regel eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts gemeint. Das Prinzip einer Stiftung ist einfach: Ein Stifter möchte sich langfristig für einen gemeinnützigen Zweck engagieren und bringt dazu sein Vermögen in eine Stiftung ein. Dieses Vermögen soll dabei möglichst sicher und dennoch ertragreich angelegt werden, um aus den Erträgen und sonstigen Mitteln (zum Beispiel Spenden) gemeinnützige Projekte zu verwirklichen. Sofern es sich nicht um eine Verbrauchsstiftung handelt, muss der Vermögensstock erhalten bleiben.

Somit trifft die aktuelle Niedrigzinsphase nicht nur Privatanleger, sondern auch Stiftungen sehr hart. Es wird immer schwieriger, das Vermögen nach Inflation zu erhalten und auskömmliche Erträge zu erwirtschaften, die zur Umsetzung des Stiftungszwecks verwendet werden dürfen.

Auskömmliche Erträge

Unser Experte Jürgen Kestler
Unser Experte Jürgen Kestler

Nachdem steigende Zinsen nicht in Sicht sind, beginnt langsam ein Umdenken bei Stiftungsvorständen und -managern, die für die Verwirklichung der gemeinnützigen Projekte verantwortlich sind. So sind sie mittlerweile bereit, auch höhere Risiken einzugehen, um auskömmliche Erträge zu erwirtschaften. Dabei haben sie aber die Herausforderung zu lösen, dass die Stiftungssatzung meist nur konservative Geldanlagen zulässt, da diese den Passus enthalten „Das Stiftungsvermögen ist sicher und ertragsbringend anzulegen“. Analog denken auch Privatanleger; das Ersparte soll möglichst sicher und dennoch rentabel angelegt werden.

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Immer mehr Stiftungen setzen sich mit Anlagerichtlinien als Ergänzung zu ihrer Satzung auseinander und hinterfragen die althergebrachten Investitionskriterien. Selbst die staatliche Stiftungsaufsicht, von der Stiftungen überwacht werden, steht heute auf dem Standpunkt, dass Anlageentscheidungen nach dem Grundsatz des ordentlichen Kaufmanns getroffen werden müssen, das heißt, dass Risiko und Ertrag in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen sollen.

Neue Anlagestrategien

Anlagestrategien müssen weiterentwickelt und auf die Marktgegebenheiten angepasst werden, denn nicht alles, was vor 20 Jahren richtig und gut war, ist auch heute noch sinnvoll. Investitionen in Aktien, Aktienfonds und Sachwerte gewinnen immer mehr an Bedeutung, sofern es sich um eine vertretbare Beimischung handelt. Die Stiftung der Universität Yale aus den USA gilt in der Finanzwelt als Paradebeispiel, wie Stiftungen Kapital rentabel und solide anlegen können. Seit Mitte der 1980er Jahre erwirtschaftet sie im Durchschnitt 13,9 Prozent pro Jahr.

Privatanleger können aufgrund ihres geringeren Anlagekapitals die Anlagestrategien der Yale Stiftung nicht 1:1 nachbilden. Dennoch gibt ein Blick auf die Zusammensetzung des Stiftungsvermögens und auf die Anlageentscheidungen der Stiftung Hinweise, die sich auch bei der privaten Geldanlage zumindest sinngemäß umsetzen lassen und zu einer Verbesserung der Rendite beitragen können.

Ob der Anleger 10 000 oder 100 000 Euro anlegen möchte, spielt keine große Rolle. Wichtig ist bei dieser Strategie, dass man sein Geld breit genug diversifiziert. Übrigens gelangte die Yale-Stiftung auch erst im Lauf der Zeit zu ihrem bis heute verfolgten Ansatz bei der Geldanlage. Bis Mitte der 1980er Jahre hatte auch sie sich beim Geld anlegen von relativ konservativen Vorstellungen leiten lassen.

Meine Tipps: 1.) Ziehen Sie unterschiedliche Berater für Ihre Anlageentscheidungen zu Rate. 2.) Holen Sie sich selbst Informationen zu Investmentangeboten in verschiedenen Medien ein. 3.) Streuen Sie nicht nur in unterschiedliche Anlageklassen, sondern auch in unterschiedliche Anlageregionen. 4.) Prüfen Sie Ihre Anlageentscheidungen regelmäßig und passen diese an.

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