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MZ-Serie

Jetzt für den Ernstfall vorsorgen

Jeder kann plötzlich auf Betreuung angewiesen sein. Grund genug, um sich abzusichern, empfiehlt die Chamer Anwältin.
Von Elke Kestler

Im Ernstfall ist eine Vorsorgevollmacht Gold wert. Foto: Uwe Anspach/dpa
Im Ernstfall ist eine Vorsorgevollmacht Gold wert. Foto: Uwe Anspach/dpa

Cham.Die Frage, „Haben Sie schon eine Vorsorgevollmacht errichtet?“, beantworten die meisten Leute mit „Nein“. Warum eigentlich? Die eigene Vorsorge macht doch den staatlichen Eingriff überflüssig. Wer eine rechtsgültige Vorsorgevollmacht vorweisen kann, dem darf der Richter keinen Betreuer bestellen. Es entscheidet also bei Alter, Unfall oder Krankheit die selbsternannte Vertrauensperson und nicht ein womöglich familienfremder Berufsbetreuer.

Als Grund für noch nicht erstellte Vorsorgedokumente höre ich oft: „So alt bin ich noch nicht“ oder „Ich bin doch verheiratet“. Diese Antworten sind keine triftigen Gründe, um die für alle Volljährigen wichtige Erstellung von Vorsorgedokumenten weiter hinauszuschieben.

Kein Automatismus

Es gibt keine automatisches Vertretungsberechtigung von Ehegatten füreinander. Auch nach der Hochzeit behält jeder Ehepartner seine eigenständige Rechtspersönlichkeit, keiner kann ohne Weiteres für den anderen Entscheidungen treffen und rechtsverbindlich handeln. Wer Befugnisse auf seinen Ehepartner übertragen möchte, sollte ihn daher als Bevollmächtigten in seiner eigenen Vorsorgevollmacht einsetzen.

Vorgesehen war im vergangenen Jahr ein Notvertretungsrecht zwischen Eheleuten in Gesundheitsfragen, über das jedoch der Gesetzgeber vor der Bundestagswahl im September 2017 nicht mehr abgestimmt hatte. Es ist deswegen fraglich, ob die Vorlage jemals als Gesetz in Kraft treten wird.

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Irrtum: Ehepartner wird Betreuer

In vielen Fällen bestellt der Richter gerade keine nahen Angehörigen als Betreuer. Und selbst wenn, so unterliegen auch Familienangehörige gesetzlichen Beschränkungen. Diese verhindern oftmals, dass der Betreuer tatsächlich nach dem Willen des Betreuten handeln kann. Überwachung und Kontrolle durch das Betreuungsgericht wird oftmals im Familienkreis als überflüssig und als Bevormundung empfunden.

Nicht nur das Alter, sondern eine Vielzahl von Arbeits-, Verkehrs, und Unfällen im häuslichem Bereich oder in der Freizeit führen ebenso zu Vertretungssituationen wie Krebserkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall und psychische Erkrankungen, beispielsweise Burnout. Derartige Situationen treffen mitnichten nur „die Alten“. Nach hoffentlich baldiger Genesung kann der Betreffende seine Entscheidungen wieder selbst treffen. In der Zwischenzeit ist es für die Angehörigen spürbar entlastend, wenn sie ohne bürokratische Hürden nach dem Willen des Vollmachtgebers handeln können.

Unser Experte

  • Elke Nicole Kestler:

    Unsere Autorin ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Erbrecht.

  • Kontakt:

    Kanzlei Waldmünchen, Obere Bräuhausstraße 1, 93449 Waldmünchen, Telefonnummer (0 99 72) 30 03 69 0, Faxnummer (0 99 72) 30 03 69 50 0, E-Mail-Adresse buero@anwalt-kestler.de . Die Internetseite ist unter www.anwalt-kestler.de zu finden.

  • Telefonische Erreichbarkeit:

    Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr

Die Errichtung einer Vorsorgevollmacht ist nicht nur notwendig für jeden, der im Betreuungsfall selbstbestimmt bleiben möchte. Gerade jüngere Leute sollten durch eine Vorsorgevollmacht ihre Vertretung sicher stellen, wenn sie sich beispielsweise auf einem längeren Kur- oder Auslandsaufenthalt befinden. Kostenlos zu beschaffende Formulare sind zwar verlockend, führen aber meist nicht zu dem gewünschten Ergebnis, weil ohne juristische Beratung sinnvolle Ergänzungen oder Alternativen gar nicht erst erkannt werden.

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