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Abenteuer

Angkor Wat – das war’s dann aber

Die Reiseradler aus Niederrunding verlassen nach einem Besuch der größten Tempelanlage der Welt ihre „zweite Heimat“ Kambodscha.
Von Sybille Fleischmann

  • Seit 2011 leben wir mit Unterbrechungen in Kambodscha. Vor unserem Abschied wollten wir noch einmal Angkor Wat besichtigen. Fotos: Fleischmann
  • Der Elefant hat an dieser Stelle in Kambodscha Vorfahrt.
  • Vom Radeln bekommt Sybille nicht genug.
  • Der kleine Max ist auch ein „Kambodschaner“...

Cham.Es kann losgehen! Michael zurrt noch einmal den Gurt von seinem Packsack fest und schwingt sich aufs Rad. Ich werfe einen letzten Kontrollblick in den Anhänger. Unser Sohn ist friedlich und guckt neugierig heraus. Wir haben großes vor: Angkor Wat – die größte Tempelanlage der Welt – liegt vor uns.

Drei Jahre sind seit unserem letzten Besuch vergangen. Nur unser Kleinster ist zum ersten Mal hier. Auch wenn Maximilian nicht viel von den Tempeln mitbekommen wird, gefällt uns der Gedanke, dass er einmal dort gewesen ist: Angkor Wat ist das berühmteste, was sein Geburtsland zu bieten hat. Zahllose Reisende fahren nur wegen der Tempelruinen nach Kambodscha. Für uns dagegen ist die Besichtigung ein Highlight vor dem endgültigen Abschied aus dem Land, das für uns fast eine zweite Heimat geworden ist. Nur fast: Viel zu oft merken wir, dass wir kaum noch Geduld für die Einheimischen haben.

So wie beim Kauf der Eintrittskarten: „Entschuldigung Sir, diesen Geldschein kann ich nicht annehmen“, erklärt die junge Frau hinter dem Schalter meinem verdutzen Mann. „Warum denn nicht? Den haben wir gestern von der Bank bekommen“, antwortet er wahrheitsgemäß. Sie dreht und wendet den Schein hin und her und guckt betreten auf den Boden.

Die 100-Dollar-Note ist in gutem Zustand, sie hat keine Knicke oder gar Risse. Beschädigte Scheine werden nicht angenommen, das wissen wir längst. Doch diese hier? „Das ist ein alter Schein“, sagt die Frau schließlich. Zudem: „Haben Sie keinen neuen?“

„Wie sollen wir dann bezahlen?“

Nun sind wir wirklich ziemlich ratlos. Klar, es gibt alte und neue Hunderter, doch die alten werden noch immer überall akzeptiert und auch vom Geldautomaten ausgegeben. Zwar haben die Kambodschaner auch eine eigene Währung, doch das Vertrauen in den Riel ist so klein, dass fast alle größeren Beträge, also über zehn Dollar, mit amerikanischem Geld bezahlt werden. Und zwar vorzugsweise mit neuen Scheinen.

Was tun? Die Frau an der Kasse will auf Nummer sicher gehen, jeder hier kennt die gefälschten 100-USD-Scheine, die man für 30 bis 70 USD von zwielichtigen Anbietern kaufen kann: Je teurer, desto schwerer sind sie vom Original zu unterscheiden.

Dass von der Bank Falschgeld herausgegeben wird, haben wir aber noch nie gehört, deswegen wähnen wir uns auf der sicheren Seite als wir nun versuchen, die Verkäuferin dazu zu bewegen, unseren Schein anzunehmen. Ihre Hartnäckigkeit währt allerdings länger als unsere.

Japaner wechseln Dollar-Schein

„Wie sollen wir dann bezahlen?“, fragen wir uns ratlos. Der Weg zurück in die Stadt dauert per Rad mindestens eine halbe Stunde. Unser übriges Geld reicht nicht aus. Ehe wir wütend werden, wenden wir uns beherzt an die Leute, die uns nach unserem Ermessen ohnehin einen Gefallen schulden: Wir gehen zu der Menschentraube, die sich um unsere Räder versammelt hat und nicht müde wird, unsere Diu im Anhänger zu fotografieren.

„Kann hier jemand 100 Dollar wechseln?“ Die Leute ignorieren unsere Frage zunächst und sind hocherfreut, dass wir ihnen nun noch ein besseres Fotomotiv liefern: ein blondes blauäugiges Kind!

Erst als wir unseren Sohn vor ihren Blicken und Kameras verbergen, bekommen wir die Aufmerksamkeit asiatischer Touristen. Schnell erklärt sich ein Japaner bereit, unseren Schein zu wechseln. Dann müssen wir natürlich mit Max und Diu vor den Rädern posieren, bis auch der letzte der Reisegruppe uns abgelichtet hat. Wir sind heilfroh, als wir endlich die Tickets gekauft haben.

Obwohl wir schon einmal hier waren, ist es ein erhebender Moment, als wir nach fünf Kilometern Radfahrt den Haupttempel Angkor Wat erblicken. Die Tempelanlage wurde im Jahr 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und die Silhouette der Türme ist auf der kambodschanischen Staatsflagge abgebildet. Die Einheimischen sind zu recht stolz auf das, was ihre Vorfahren im 11. Jahrhundert errichtet haben. Wir machen ein paar Bilder und landen auch selbst wieder auf den Speichern vieler fremder Kameras, bevor es weitergeht.

Das Areal von Angkor ist etwa 200 Quadratkilometer groß und es wurden schon über 1000 große und kleine Tempel aus den Klauen des Dschungels befreit. Während wir nebst unzähligen Tuctucs und wenigen anderen Fahrradfahrern zum nächsten Tempel radeln, gehen mir die letzten Monate und Jahre unseres Aufenthalts hier noch mal durch den Kopf.

Überall grapschende Hände...

2011 sind wir mit den Fahrrädern hier angekommen: Kambodscha war das Ziel unserer Fahrradreise mit den Hunden. Wie es danach weitergehen würde, war offen, doch wir hatten gehofft, Wurzeln schlagen zu können. Allerdings war uns spätestens seit der Geburt unseres Sohnes klar geworden, dass wir hier nicht hingehören.

Allein die viele Aufmerksamkeit, die wir mit ihm erregen, macht uns schwer zu schaffen. Egal, wo wir auftauchen, versuchen Leute, unser Kind anzufassen oder gar ungefragt auf den Arm zu nehmen. Dass wir hier in Angkor so oft fotografiert werden, ist dagegen noch eher harmlos. Schließlich ist Max in seinem Fahrradanhänger sicher verstaut und vor grapschenden Händen bestens geschützt.

Nur drei große Tempel stehen auf unserer Liste, trotzdem sind wir den ganzen Tag unterwegs. Wenigstens ist es überwiegend schattig, so dass wir guten Gewissens auch zur heißen Mittagszeit fahren können. Die Hitze ist einer der Hauptgründe, warum wir Kambodscha und früher oder später auch Asien verlassen wollen.

Fahrradfahren bei tropischen Temperaturen mag für Erwachsene eine Quälerei sein, doch für unser Kind ist es unzumutbar. So ist uns nur leicht wehmütig zumute, als wir den Ausflug zu den Tempeln (endlich) abgehakt haben und wieder zurück zum Hotel fahren. Auf zu neuen Ufern!

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