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Die Reiseradler grübeln und grübeln...

Wohin führt Sybille und Michael Fleischmann ihre nächste Reise? Sohn Max spielt bei der Entscheidung eine wichtige Rolle.

Der bayerische Patasco-Botschafter Bill war in Australien unterwegs und befindet: Das ist nix für Fahrradfahrer!
Der bayerische Patasco-Botschafter Bill war in Australien unterwegs und befindet: Das ist nix für Fahrradfahrer! Foto: cfi

Runding.„Also nochmal. Pro: Wir sind unabhängiger, insbesondere von Hotels und Taxis.“ – „Gut. Und Contra: Wir haben viel mehr zu schleppen, weil wir die ganze Ausrüstung mitnehmen müssen.“ – „Richtig. Unabhängigkeit bedeutet also mehr Mühen. Aber Pro: Wir kommen an Orte, die wir als Rucksackreisende nie erreichen könnten.“ – „Genau. Und lernen die Länder einfach so kennen, wie sie wirklich sind. Aber Contra, oder ist das ein Pro?, sind wir auch in wesentlich unbequemerer Umgebung unterwegs. Zelt und Schlafmatte statt Hotelbett, Waschen im Fluss statt einer Dusche – und nicht zuletzt das viele Fahrradfahren!“ – „Ja. Mit Anhänger und Gepäck. Bei Hitze.“ – „Die Hitze können wir vermeiden, wenn wir nach Nordthailand gehen. Pro: Wunderschöne, bergige Landschaft. Contra: Wunderschöne, kräftezehrende, bergige Landschaft.“

Schon seit Tagen geht das so zwischen Michael und mir. Immer wieder wälzen wir die Pros und Contras dieser wichtigen Entscheidung: Sollen wir unsere Räder mitnehmen, wenn wir im Oktober wieder nach Asien fliegen und dort einige Distanzen aus eigener Kraft überwinden? Oder einfach – wie normale Rucksacktouristen – von einem Hotel zum nächsten tingeln und eine Bus-Rundreise machen? Letzteres wäre um einiges bequemer, denn wir hatten ja eigentlich für eine Weile die Nase voll vom Radreisen. Ist diese Weile schon vorbei? Konnte uns nicht einmal der Sommer in Runding davon abbringen, wieder Fahrradfahren zu wollen?

Vortrag am Donnerstag

  • Termin

    Die Fleischmanns laden am Donnerstag, 17. September, um 19.30 Uhr zu ihrem Fotovortrag „Runding nach Kambodscha – 18 500 Kilometer mit Rad & zwei Hunden“ in den Pfarrsaal St. Andreas nach Runding ein. Der Eintritt kostet fünf Euro. Dabei berichten sie vom härtesten und spannendsten Teil ihrer Radreise, der Strecke von Deutschland bis Kambodscha.

  • Pionierarbeit

    Mit zwei Hunden in Fahrradanhängern startete das junge Paar 2010 zu dieser (fast) unmöglichen Reise. Es war Pionierarbeit – niemals vorher hat jemand etwas vergleichbares gewagt. Michael und Sybille Fleischmann zeigen viele unveröffentlichte Fotos und lassen die Besucher die Strapazen des Abenteuers, aber auch die vielen wundervollen Momente hautnah miterleben.

Wie oft haben wir uns gequält, geschwitzt und geschimpft, während wir im Schneckentempo den Maiberg heraufgekrochen sind – oder den Schlossberg. Von allen Seiten haben wir ihn erzwungen, vielfach, manchmal jeden Tag. Und noch immer können wir nicht damit aufhören. „Ohne Auto bist du hier verloren“, sagt Michael oft, wenn keiner von uns Lust hat, die sieben Kilometer nach Cham zu radeln, um irgendeine Besorgung zu machen. Der Hinweg ginge ja noch, der ist toll, doch auf dem Rückweg geht es im letzten Drittel steil bergauf. Und doch haben wir es in den letzten Monaten ohne eigenes Auto geschafft. Und doch haben wir es auch sehr oft genossen, durch diese wunderschöne Landschaft zu radeln, oft bemerkt, wie reiz- und anspruchsvoll die Gegend für Radfahrer ist.

Tolle Begegnungen

Gerade in den letzten Tagen, in denen wir mit Plakaten und Flyern bestückt mit den Rädern die Umgebung abfahren, um zu unserem Fotovortrag einzuladen. An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für die vielen netten Kontakte bedanken, die auf diese Weise entstanden sind. „Darf ich Ihnen einen Flyer geben? Wir sind mit Fahrrädern und Hunden nach Kambodscha geradelt und machen im September einen Fotovortrag in Runding“, sage ich zum Beispiel. Viele Gesichter hellen sich dann auf: „Ach, sind Sie nicht die Fleischmanns? Das ist ja toll, Sie mal zu treffen! Unglaublich, was Sie alles gemacht haben.“

Maximilian und sein Papa reparieren das Rücklicht für den Kinderanhänger – vielleicht kommt das Gefährt wieder mit nach Asien.
Maximilian und sein Papa reparieren das Rücklicht für den Kinderanhänger – vielleicht kommt das Gefährt wieder mit nach Asien. Foto: cfi

Da ist sie wieder, die Anerkennung, die für uns Sportler wie Doping ist und dafür sorgt, dass wir vergessen, warum wir eigentlich die Räder hier lassen wollten. „Wir haben halt schon Blut geleckt bei den letzten Radreisen“, sagt Michael, als wir überlegen, warum wir die Idee, wieder auf die Sättel zu steigen, einfach nicht loswerden. „Da fällt es extrem schwer, wieder ein gewöhnlicher Tourist zu sein.“ – „Aber es ist manchmal so heftig, mit dem Rad zu reisen.“ – „Ja, aber ganz so heftig wird es nicht mehr. Mit Max können wir das nicht machen, monatelang im Zelt zum Beispiel.“ Da waren sie wieder, die Pros und die Contras...

Selbst wenn wir uns mal entschieden haben, ob Räder oder Rucksäcke, ist immer noch sehr vieles offen. Wohin soll unsere nächste Reise überhaupt gehen? Bisher haben wir lediglich den Flug nach Bangkok fix gebucht – doch die konkretere Planung ist noch diffus und voller Träume. Malaysia, Burma, Indonesien, Japan, … – es gäbe so viele Länder, die wir sehen wollen. Doch bei genauerem Hinsehen haben fast alle einen Haken: Malaysia: sehr heiß, Japan: sehr kalt, Burma: schwierig zu bereisen, Indonesien: Inselstaat, viele Schiffsreisen.

„Oder mal in eine ganz andere Ecke?“, sage ich, als unsere Unruhe über die Unklarheit uns langsam zu nerven beginnt. – „Wohin?“ – „Australien oder Neuseeland vielleicht?“ – „Hast Du vergessen, was der Bill über Australien erzählt hat?“ Unser Kumpel und Sybilles Blaibach-Bayerisch-Lehrer war kürzlich mit Freundin Susanne ein paar Wochen lang in Australien wandern. Ja genau, wandern – mit Zelt und Rucksäcken durch die Wüste. Und wir dachten, wir sind verrückt. Jedenfalls hat Bill festgestellt, dass es da sowas von heiß ist, dass er die Leute nicht einmal mit „Patasco“ zum Schwitzen bringen konnte.

„Patasco in die ganze Welt“

„Wohin und wie die Reise auch gehen wird, wir müssen extrem gut auf unseren Kleinen aufpassen“, halten sich die Reiseradler immer wieder vor Augen.
„Wohin und wie die Reise auch gehen wird, wir müssen extrem gut auf unseren Kleinen aufpassen“, halten sich die Reiseradler immer wieder vor Augen. Foto: cfi

Er hat es sich tatsächlich nicht nehmen lassen, trotz extrem knapp kalkuliertem Gepäck eine Flasche der berühmt-berüchtigten und extrem scharfen Würzsauce von seinem Kumpel Pat mitzunehmen. „Ich bringe Patasco in die ganze Welt! Zuletzt mit Euch auf eine thailändische Insel – und jetzt ins australische Outback.“ Seinem Bericht zufolge sorgte die bayerische Sauce dort durchaus für Aufsehen, aber zusätzliche Schweißperlen konnte sie im hitzegeplagten Australien nicht verursachen. Und sonst? „Große Wasserknappheit und viel, viel Staub in der Luft. Ohne deine staubdichte Sonnenbrille wäre ich aufgeschmissen gewesen“, erzählt uns Bill, dem wir eine Hightech-Sonnenbrille geliehen haben.

Nur wenige Überlegungen später scheidet „Down Under“ aus und wir grübeln wieder über den Pros und Contras. „Wohin und wie die Reise auch gehen wird, wir müssen extrem gut auf unseren Kleinen aufpassen“, halten wir uns immer wieder vor Augen. Um Maximilian gerecht zu werden, überlegen wir sogar schon, ob wir überhaupt unseren Hund wieder mitnehmen sollen, denn Diu hat sich in Bangkok wunderbar eingelebt. Schon bald werden wir Entscheidungen treffen müssen. Bis dahin bleibt es spannend – auch für uns. (cfi)

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