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Ein ewiger Traum geht in Erfüllung

Seit Jahren wollen die Reiseradler Sybille und Michael Fleischmann aus Runding Myanmar besuchen – jetzt hat es geklappt.
Von Sybille Fleischmann

Gleich sind wir da: Michael und Maximilian überqueren die „Friendship-Bridge“, die über den „Moei-Fluss“ von Thailand nach Myanmar führt.
Gleich sind wir da: Michael und Maximilian überqueren die „Friendship-Bridge“, die über den „Moei-Fluss“ von Thailand nach Myanmar führt. Foto: cfi

Runding.Endlich! Heute ist es endlich soweit“, ruft Michael voller Vorfreude und Enthusiasmus, schaltet noch einen Gang höher und beschleunigt seinen Tritt. – „Ja, endlich!“, pflichte ich ihm leicht keuchend bei und versuche, bei seinem neuen Tempo mitzuhalten.

„Aber hey, wie wär’s vorher noch mit einem Kaffee? Nur um sicherzugehen, dass wir es auch bis dorthin schaffen“, schlage ich vor und deute auf das Häuschen zur Linken, an dessen Front das Abbild einer übergroßen Tasse nebst einigen Kaffeebohnen prangt.

Die letzte Pause

Zwar sind es nicht einmal mehr zehn Kilometer bis zur Landesgrenze, die wir überqueren wollen, um endlich – endlich! – die Reisepläne zu verwirklichen, die schon seit Jahren in unseren Köpfen herumspuken. Aber trotz dieser Motivation empfinde ich das Fahrradfahren als ziemlich kräftezehrend und sehne mich nach einem Koffein-Schub.

„Klar!“, antwortet mein Mann und bremst sein Gespann ab. „Kann gut sein, dass das für längere Zeit der letzte gute Kaffee für uns ist. Drüben gibt es bestimmt nicht so viele solcher Cafés.“

Auf nach Myanmar! Schon seit Jahren träumen wir davon.
Auf nach Myanmar! Schon seit Jahren träumen wir davon. Foto: cfi

Ja, heute geht es nach „drüben“. Wenige Kilometer westlich von uns beginnt das Land Myanmar – das frühere Burma. Unter Reisenden ist es beinahe sagenumwoben: Durch die Lage zwischen Indien, China und Südostasien hat Myanmar eine Schlüsselposition auf vielen denkbaren Reiserouten von Europa nach Asien. Doch der besondere Reiz liegt in den Kulturschätzen und der Ursprünglichkeit des Landes.

Ein Meilenstein in der Geschichte

Weil es sich seit Jahrzehnten in festem Griff eines totalitären Militärregimes befindet, wurden fremde Einflüsse weitgehend abgeschirmt und erst in der letzten Zeit öffnet sich Myanmar langsam nach außen. Früher war es beinahe unmöglich, das Land überhaupt zu bereisen, dann waren lange nur Besuche per Flugzeug gestattet – und erst jetzt seit ein paar Monaten ist es möglich, über eines der Nachbarländer ein- und an einer anderen Grenze wieder auszureisen. Für „ganz normale“ Besucher mag das keinen großen Unterschied machen, doch unter Reiseradlern und anderen Globetrottern bedeutet dies einen Meilenstein in der Geschichte – ähnlich, als wenn es plötzlich eine Brücke von Russland nach Grönland geben würde: Eine lange versperrte Passage wurde geöffnet. „Nicht einmal in unserem Reiseführer steht, dass wir über die Grenze dürfen“, hatten wir überrascht festgestellt, als wir unsere Myanmar-Reise geplant haben. Genaugenommen „planen“ wir diese Reise schon sehr, sehr lange – es geht zurück bis zum Tag unseres Kennenlernens. „Möchtest Du ein Flugticket gewinnen?“, hatte ich Michael damals in meiner Eigenschaft als Fluglinien-Werbedame gefragt. „Nein, danke, ich habe schon eins. Ich gehe nach Burma“, war seine schroffe Antwort gewesen. Aber dann, nur wenig später: „I dad Di scho mitnehmen. Wennst magst.“

Das sind die Reiseradler

  • Weltreise:

    Michael und Sybille Fleischmann sind seit Sommer 2010 mit dem Fahrrad auf Weltreise unterwegs und berichten regelmäßig in unserer Zeitung.

  • Länder:

    Von bisher 18 500 Kilometern haben sie tatsächlich 11 000 mit den Rädern zurückgelegt. Sie waren schon in Serbien, Rumänien, Georgien, Kasachstan, China, Laos und Thailand.

  • Hochzeit:

    In Kambodscha ist 2013 ihr Sohn Max geboren. Die Familie hat sich dort anschließend für über ein Jahr heimisch gemacht. In Kambodscha hat das reisefreudige Paar auch geheiratet.

  • Begleiter:

    Die Hunde Gomolf und Diu sind von Anfang an mit auf Reisen gewesen. Gomolf ist aber in Kambodscha gestorben.

  • Pause:

    Im vergangenen Jahr haben die Sybille und Michael eine Pause auf ihrer Weltreise eingelegt und sich mit Sohn Max daheim in Niederrunding ein wenig von den Strapazen erholt.

  • Fortsetzung:

    Jetzt setzen sie ihre Tour fort. In Thailand geht’s weiter.

Bald zehn Jahre ist das nun her. Ich war mitgekommen, damals, aber wir sind nie in Burma — heutiges Myanmar — gewesen. Damals nicht, weil das Visum zu lange gedauert hätte (stattdessen waren wir in Kambodscha). Später, als wir mit dem VW-Bus in Indien waren, auch nicht, eben weil das Einreisen über die Landgrenze für Ausländer verboten war. Und auch als wir mit den Fahrrädern unterwegs waren und viel darum gegeben hätten, nicht durch China fahren zu müssen, blieben die Tore von Myanmar für uns noch immer und aus dem gleichen Grund verschlossen. Erst jetzt sind sie offen — und es trennen uns nur noch eine heiße Tasse Cappuccino und etwa zwanzig Minuten Radfahrt von dem Grenzbeamten, der das denkwürdige Visum in unseren Pässen abstempeln sollte. Sogar unser Sohn würde dabei sein, wenn sich unsere lange gehegten Pläne nun endlich erfüllen — wer hätte das gedacht, damals vor zehn Jahren?

Grandiose Kunstschätze

Myanmar — oder Burma? Alleine die Verwirrungen um den Namen lassen erahnen, dass jenseits der Grenze ein Land wartet, das auf politisch turbulente Zeiten zurückblickt, wobei die Militärjunta die Namensänderung von Burma in Myanmar bereits 1989 beschlossen hat. Als Zeichen der Missbilligung des Regimes hielten allerdings viele andere Staaten lange am alten Namen fest und es wurden Wirtschaftssanktionen verhängt.

Das Streben nach einer Demokratie in Myanmar wird jedoch in der jüngsten Zeit immer deutlicher, was die Unterstützung durch viele westliche Länder wieder ankurbelt. Uns interessieren in Myanmar vor allem die Kulturschätze, die durch die weitläufig vorherrschende Religion des traditionellen Buddhismus entstanden sind: Die Shwedagong-Pagode, eine der schönsten und größten ihrer Art; die Ruinenstadt Bagan und nicht zuletzt der weltberühmte Goldene Felsen, der auf einer Klippe steht und den Eindruck erweckt, er würde jeden Moment herunterfallen. Der Legende nach wird er nur von einem Haar Buddhas im Gleichgewicht gehalten. Manche behaupten, es genüge allein der Anblick dieses Felsens, um sofort ein Buddhist zu werden. „Da müsste man mal die ganzen Salafisten hinschicken“, hatten wir gewitzelt. (Alternativ: „Ob man dann das Eintrittsgeld zurückbekommt?“, hatten wir uns augenzwinkernd gefragt, denn für Buddhisten ist es kostenlos.)

Die Voraussetzung für einen Besuch all dieser Sehenswürdigkeiten ist eine ausgedehnte Rundreise durch Myanmar — und hier beginnen die Schwierigkeiten: unabhängig reisende Fahrradfahrer sind nicht gern gesehen und Zelten ist für Ausländer untersagt. Man darf nur in staatlich registrierten Hotels übernachten, die maßlos überteuert sind.

Warten auf die Fortsetzung

„Wir bleiben einfach nicht allzu lange im Land“, hatten wir als vagen Entschluss gefasst und zerknirscht akzeptiert, dass wir mehr Geld verbrauchen würden als bisher in Thailand. Doch letztendlich kam alles völlig anders.

Es gibt etwas, das konnten wir in keinem Reiseführer nachlesen. Egal, wie viele Fotos wir uns angesehen und wie viele Internetseiten wir durchforstet haben, ganz gleich, wie viele Stunden wir mit Recherche verbracht hatten: Mit dem, was uns da erwartete, nachdem wir vom letzten Koffein angetrieben über die Friendship-Brücke nach Myanmar fuhren, hätten wir wirklich am allerwenigsten gerechnet … (Fortsetzung folgt)

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