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Abenteuer

Es gibt deutsches Bier – in Thailand

Zwei Rundinger setzen ihre Weltreise auf dem Fahrrad fort. Im Land des Lächelns braucht es eine Eingewöhnungsphase.
Von Sibylle Fleischmann

  • Münchner Bier in Thailand - Stückpreis: 3,60 €. Foto: privat
  • Ein Verbrechen an der Knusprigkeit! Ohne Folie hätten wir diese Brezen vielleicht probiert. Foto: privat

Cham.„Du glaubst nicht, wo ich das jetzt her habe!“, sagt Michael und schwingt mit triumphierendem Gesichtsausdruck eine gefüllte Plastiktüte hin und her. - „Hmmm... zumindest glaube ich zu wissen, was da drin ist“, antworte ich grinsend. Ich kenne doch meinen Mann: Wenn der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann schafft er es fast immer – und sei es noch so abwegig. So wie die Mission, von der er gerade zurückgekehrt ist: Nachts um kurz nach ein Uhr in Thailand ein Bier kaufen.

Seit zwei Wochen sind wir wieder im „Land des Lächelns“ – und seit zwei Wochen begegnen uns wieder all die schönen, bemerkenswerten, seltsamen – und auch die nicht-ganz-so-schönen Dinge. Die großen Mühen der Anreise zählen zu den Letzteren, obwohl wir die Strecke Bayerwald-Bangkok diesmal nicht mit dem Fahrrad, sondern ganz unsportlich im Flugzeug zurückgelegt haben.

Kinder-Kapriolen im Flieger

Maximilian verzaubert die Einheimischen.
Maximilian verzaubert die Einheimischen. Foto: privat

Langweilig war das trotzdem nicht, dafür sorgte schon unser quirliger Sohnemann Max, der genau über den Wolken zwei Jahre alt geworden ist, weswegen wir keinen eigenen Sitzplatz im Flugzeug für ihn bezahlen mussten. Das war zwar nicht besonders komfortabel, aber um einiges günstiger. Wäre neben uns ein normaler Mensch gesessen, hätten wir dennoch einen extra Stuhl für den Kleinen bekommen, denn die Stewardessen boten unserem amerikanischen Sitznachbarn schon kurz nach dem Start einen anderen Platz an: „Damit Sie von dem Kind nicht gestört werden“.

Der lautlose Freuden-Jauchzer, der sich in meiner Kehle bildete, als ich dies hörte, blieb mir in derselben stecken, als ich die Antwort des anderen Fluggastes vernahm: „Nein Danke, das geht schon in Ordnung.“

Als beim Mittagessen dann wegen einer ungestümen Bewegungen unseres Sohnes der Apfelsaft am Boden landete, versuchten es die netten Damen von der Crew noch einmal beim Amerikaner, diesmal so: „Bitte setzten Sie sich dort vorne hin, das ist einfach besser für die Sicherheit des Kindes.“ Nun gehorchte er (endlich) – was für eine Wonne! Die restlichen sieben Stunden Flug konnten kommen!

Der Schmerz um den Hund

Leider kam vorher etwas anderes. Und zwar der Amerikaner – zurück zu unserem – seinem? – Sitzplatz: „Stört es Sie, wenn ich wieder hier sitze?“ Dabei machte er gleich Anstalten, Platz zu nehmen, was bei mir das tief verankerte Höflichkeits-Gebaren aktivierte. Wie ferngesteuert nahm ich Maximilian wieder auf meinen Schoß und hörte mich sagen: „Nein, natürlich nicht“ – obwohl ich eigentlich hätte schreien wollen: „Klar stört es mich, merkst Du das denn nicht, Du …?!“ Stattdessen brachte ich sogar eine Art Lächeln zustande, als ich seiner Erklärung lauschte: „Da vorne müsste ich in der Mitte sitzen - hier am Rand ist es viel besser.“

Die Weltreise-Radler

  • Route:

    Michael und Sybille Fleischmann sind seit Sommer 2010 mit dem Fahrrad auf Weltreise unterwegs. Von ihren Erlebnissen berichten sie seitdem regelmäßig in unserer Zeitung. Von bisher 18 500 Kilometern haben sie tatsächlich 11 000 mit den Rädern zurückgelegt. Sie waren schon in Serbien, Rumänien, Georgien, Kasachstan, China, Laos und Thailand.

  • Hochzeit:

    In Kambodscha ist 2013 ihr Sohn Max geboren worden. Die Familie hat sich dort anschließend für über ein Jahr heimisch gemacht. In Kambodscha hat das reisefreudige Paar auch offiziell geheiratet. Die Hunde Gomolf und Diu sind von Anfang an mit auf Reisen gewesen. Gomolf ist aber in Kambodscha gestorben. Im vergangenen Jahr haben die Sybille und Michael eine Pause auf ihrer Weltreise eingelegt und sich mit Sohn Max daheim in Niederrunding ein wenig von den Strapazen erholt.

  • Buch:

    Jetzt setzen sie ihre Tour fort. In Thailand geht’s weiter. Ein Buch über die Radreise ist inzwischen auch erschienen mit dem Titel „Sieben Räder und acht Pfoten“ 248 Seiten, 15,90 Euro (Taschenbuch) bzw. 10,99 Euro (E-Book).

„Nächstes Mal radeln wir wieder, das ist einfacher“, witzelten wir, als wir völlig übermüdet und entnervt in Bangkok ankamen. Wir wollten uns für ein paar Tage hier erholen und akklimatisieren, wobei „Erholung“ und „Bangkok“ eigentlich zwei unvereinbare Gegensätze sind.

Zudem überfiel uns beim Anblick der altbekannten Häuser und Straßen immer wieder große Traurigkeit und Herzschmerz: Hier hatten wir beim letzten Mal unsere Hündin Diu zurücklassen müssen – und mittlerweile war klar geworden, dass wir sie nicht mehr wiedersehen würden.

Wir hatten sie in die Obhut einer sehr tierlieben, einheimischen Familie gegeben, die etwas außerhalb wohnte, schon zwei Hunde hatte und uns regelmäßig Nachrichten schrieb: „Diu fühlt sich sehr wohl und ärgert immer die anderen beiden, es ist total lustig, dabei zuzusehen“, hieß es zum Beispiel. Eigentlich war vereinbart, dass wir sie wieder mitnehmen, wenn wir zurückkommen, doch je näher dieser Zeitpunkt kam, desto mehr Zweifel erwachten auf beiden Seiten: „Wir halten unser Wort aber es wird uns das Herz brechen, wenn ihr sie uns wieder wegnehmt“, ließen die Leute uns wissen.

Und wir? – Bei aller Liebe hatten Michael und ich nicht vergessen, wie schwierig es ist, mit einem Hund zu reisen. Egal ob Hotelsuche, Grenzübertritt, Bus- oder Zugfahrt; vom Fliegen ganz zu schweigen – ein Tier macht alles um so vieles komplizierter.

„Heimkommen“ nach Asien

Unser Max kann sich (zum Glück) nicht mehr an die freche, schwarze Hündin erinnern, mit der wir so viel durchgemacht haben. So war schon vor ein paar Wochen nach langem Hin und Her eine Entscheidung gefallen: Diu darf in Thailand bleiben.

Um unsere – und ihre – Wunden der Trennung nicht wieder aufzureißen, verzichten wir schweren Herzens auf einen Besuch und hoffen einfach nur, dass es ihr gut geht und sie ein langes, zufriedenes Leben haben möge. In der „Stadt, die niemals schläft“ kämpfen wir also mit großer Trauer, die ständig erwacht – und wünschen uns daher bald nur noch eins: Weg von hier!

Leidlich erholt stiegen wir bald in einen Zug Richtung Norden, wo es etwas kühler sein soll, und landeten nach einem halben Tag Gerüttel in der Stadt „Phitsanulok“. Die Grenze zu Myanmar – das frühere Burma – ist nicht weit, und wir planen schon seit Jahren, das Land zu besuchen. Diesmal soll es endlich klappen!

Doch vorher findet immer noch eine Art „Heimkommen nach Asien“ für uns statt. Wir gewöhnen uns wieder an die Leute, die fast immer unglaublich freundlich sind – und regelmäßig aus dem Häuschen geraten, wenn sie unseren blonden Sohn sehen. Wir gewöhnen uns ans feucht-heiße Klima, an das manchmal köstliche, manchmal unerträglich scharfe Essen.

Und wir gewöhnen uns wieder daran, mit Vorschriften der Regierung genau so umzugehen, wie die Einheimischen: Nicht fragen, wieso; hintergehen, wo es möglich ist. Zum Beispiel die, dass alkoholische Getränke nur zu bestimmten Tageszeiten verkauft werden dürfen: Zwischen 11 und 14 Uhr, dann erst wieder zwischen 17 und 24 Uhr.

„Und wo hast Du nun das Bier bekommen?“, will ich in besagter Nacht von Michael wissen. – „Ein absoluter Geheimtipp … und viel Überredungskunst“, deutet er an und zeigt mir, dass das Bier zur Tarnung zusätzlich in einem braunen Briefumschlag verpackt ist. „Ich wäre da selbst auch niemals drauf gekommen - aber die Thais sind einfach findige Geschäftsleute. Gleich da hinten konnte ich es kaufen. – In der Apotheke.“

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