MyMz
Anzeige

Erfahrungen

Fast wie Advent: Lichterfest in Thailand

Die Reiseradler aus Runding erleben idyllische Weihnachten bei Tropenhitze. Die roten Chili-Punkte dagegen sind der Horror.
Von Sybille Fleischmann

Michael Fleischmann lässt zum thailändischen Lichterfest eine Himmelslaterne steigen. Für Sybille der schönste Fleischmann-Advents-Brauch...
Michael Fleischmann lässt zum thailändischen Lichterfest eine Himmelslaterne steigen. Für Sybille der schönste Fleischmann-Advents-Brauch... Foto: Fleischmann

Cham.„I’m dreaming of a white Christmas…“, schallt es schwermütig-feierlich aus den Lautsprechern des Einkaufszentrums, in das wir uns geflüchtet haben, um der Nachmittagshitze zu entkommen. „Herrje, es ist ja schon Adventszeit!“, entfährt es mir. „Ja, aber von weißen Weihnachten kannst du hier lange träumen“, antwortet Michael grinsend.

Tatsächlich entbehrt es nicht einer gewissen Komik, die salbungsvolle Stimme von Bing Crosby, der sich nichts sehnlicher zu wünschen scheint, als ein paar Schneeflocken, ausgerechnet hier in Thailand zu hören – wo wir schon froh sind, wenn das Thermometer zumindest nachts weniger als 25 Grad Celsius anzeigt. „Ob die Thais überhaupt wissen, was weiße Weihnachten sind?“, frage ich meinen Mann, der gerade dem Nikolaus von Maximilians Ausmal-Bild eine grüne Sonnenbrille zeichnet.

„Ob die Thais überhaupt wissen, was weiße Weihnachten sind?“

Sybille Fleischmann

„Bestimmt wissen sie es – von Fotos und Filmen. Aber wie es sich anfühlt, das wissen nur wir.“ – „Wie lange ist das jetzt bei uns schon her? Vier Jahre? Fünf?“ – „Unser letztes Weihnachten in winterlicher Kälte war… 2010 in Kasachstan. Seitdem waren wir im Dezember immer in den Tropen“, überlegt er. „Richtig!“, entgegne ich – und als ich daran zurückdenke, wie wir damals frierend und über spiegelglatte Straßen schlitternd nur einen verzweifelten Wunsch hatten, nämlich ins Warme zu kommen, fällt die leise, von Bing Crosby ausgelöste Melancholie schnell wieder von mir ab. Aber trotz – oder gerade wegen – fehlender Minus-Temperaturen hatten wir uns vorgenommen, zumindest ein ganz kleines bisschen Vorweihnachtszeit zu feiern. Allein unserem Nachwuchs zuliebe. Bloß wie?

Ein Glücksgriff für Max

Auf den Festwagen sitzen festlich gekleidete junge Frauen.
Auf den Festwagen sitzen festlich gekleidete junge Frauen. Foto: Fleischmann

Momentan befinden wir uns im Nordwesten von Thailand in einem Städtchen mit dem schönen Namen Tak – es liegt direkt am Fluss Ping (Und: nein, den Fluss Pong oder die Stadt Tik haben wir noch nicht gefunden). Eigentlich wollten wir hier nur eine kurze Ruhepause einlegen, denn wir sind auf dem Weg ins Nachbarland Myanmar.

Doch wir haben schnell herausgefunden, dass der Ort mehr zu bieten hat als einen lustig-klingenden, eingängigen Namen. Allein unsere Unterkunft ist so ein Glücksgriff, dass die Weiterreise schwer fällt: Komfortable, saubere Zimmer, umgeben von einer großen, liebevoll gestalteten Gartenanlage, in der es viel zu entdecken gibt – besonders für den kleinen Max.

Fröhlich zwitschernde Vögel, eichhörnchenartige Nagetiere und verschiedene Fischteiche, die auf dem ganzen Gelände verteilt sind. Jeden Morgen rennt unser Sohn zur Rezeption, bittet höflich „Fish Food pliiiieees!“, bekommt prompt einen Becher Fischfutter ausgehändigt und zieht dann los, um sämtliche hungrigen Fischmäuler zu stopfen. Nach diesem Rundgang knurren auch unsere Mägen ordentlich und sind bereit für die erste Härteprobe des Tages: thailändisches Frühstück.

„Aus Deutschland. Das ist da, wo es eine richtige Frühstücks-Kultur gibt.“

Michael Fleischmann

„Wo kommt Ihr her?“, hat uns am ersten Morgen eine Angestellte gefragt, als sie uns ein Reisgericht mit verdächtig vielen roten Punkten in der Sauce serviert hat. „Aus Deutschland“, hatte ich höflich geantwortet. „Das ist da, wo es eine richtige Frühstücks-Kultur gibt“, hat Michael auf Deutsch hinzugefügt, nachdem sie weg war. Tatsächlich haben wir auch jetzt – nach bald zwei Wochen in dieser Unterkunft – immer noch nicht verstanden, inwiefern sich das Frühstück von den restlichen Mahlzeiten des Tages unterscheiden soll. Klar, die klebrige Reissuppe, mit der nur ich mich anfreunden konnte, gibt es wohl nur morgens – aber sonst?

Ein Lichtermeer im Fluss Ping

Reis mit scharfem Bambus, Reis mit scharfem Curry, Reis mit scharfem Fleisch… Würden die anderen (einheimischen) Gäste das nicht so anstandslos essen, würden wir meinen, das Küchenpersonal verhöhnt uns. So versuchen wir einfach, beim Essen die Reaktionen unserer Körper (Schweißausbrüche, tränende Augen, keuchendes Nachluftschnappen) so weit wie möglich zu verbergen und beruhigen uns mit dem Gedanken, dass es – von der Schärfe abgesehen – eigentlich lecker schmeckt und gesund ist. Wenigstens mit unserem Kleinen haben die Köchinnen Erbarmen und servieren ihm Toast mit Eiern – ohne rote Chili-Punkte.

Unser Freund, der Zufall

Um die kulinarischen Zwischenfälle zu verdauen, widmen wir uns den kulturellen Highlights, die Tak zu bieten hat. Unser Freund, der Zufall, hat uns nicht nur den Weg in dieses charmante Örtchen gewiesen, sondern auch dafür gesorgt, dass wir genau zur Vollmondnacht des 12. Mondmonats hier gelandet sind – der Termin für das thailändische Lichterfest Loy Krathong. Es ist eines der stimmungsvollsten Feste des ganzen Jahres und wird besonders in Städten, die an einem Fluss liegen, mit großer Begeisterung gefeiert. Wir könnten also kaum an einem besseren Platz sein, um das Lichterfest mitzuerleben!

Sybille und Sohn Max reparieren die Laterne auf dem Pflaster.
Sybille und Sohn Max reparieren die Laterne auf dem Pflaster.Fotos: Fleischmann

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht der Brauch, kleine, mit Kerzen bestückte Schiffchen – sogenannte Krathongs – aus Bananenblättern, Kokosschalen oder anderen Materialien in den Fluss zu setzen und auf die Reise zu schicken. Diese Schiffchen sollen – je nachdem, wen man fragt – die Wassergeister besänftigen, die begangenen Sünden und erlebten Ärger forttragen, geheime Wünsche erfüllen oder/und die Zusammengehörigkeit von Liebespaaren unterstreichen. Der Fluss wird dadurch von einer schier endlosen Reihe schwimmender Lichter erhellt, was wunderschön aussieht.

Auch der Blick nach oben lässt uns staunen: Gen Himmel fliegen große Heißluft-Laternen aus Papier, an denen ein Ring aus brennbarem Material befestigt ist. Dieser wird angezündet und lässt die leuchtenden Flugobjekte viele hundert Meter nach oben steigen, bevor sie zu einem winzigen Lichtpunkt werden und verschwinden.

Schöner Adventsbrauch

„Genau das Richtige für die Adventszeit!“, bemerken wir begeistert – und machen uns gleich daran, eine Flug-Laterne und ein Krathong-Schiffchen von einem der zahlreichen Verkaufsstände zu erstehen. Wie so oft auf unseren Reisen läuft es darauf hinaus, dass wir kräftig improvisieren müssen: Maximilian tritt in seinem Übermut versehentlich auf eine der Laternen und beschädigt das zarte Seidenpapier. Die Verkäuferin winkt zwar lächelnd ab, doch wir bezahlen dennoch und wagen einen Reparaturversuch. „Das Rad verliert nichts!“, ruft Michael triumphierend, als er eine Rolle Klebeband aus seiner Rahmentasche zaubert. Und tatsächlich: Beschriftet mit unseren guten Wünschen, steigt die Laterne mit dem geflickten Riss nach kurzer Zeit in den Himmel und wird – wie unser Schiffchen auf dem Ping-Fluss – zu einem winzigen, tanzenden Lichtpunkt in der Ferne. Der schönste Fleischmann-Advents-Brauch seit langer Zeit!

Den vorherigen Serienteil finden Sie hier:

https://www.mittelbayerische.de/region/cham/gemeinden/cham/es-gibt-deutsches-bier-in-thailand-22798-art1309916.html

Das sind die Reiseradler

  • Weltreise:

    Michael und Sybille Fleischmann sind seit Sommer 2010 mit dem Fahrrad auf Weltreise unterwegs und berichten regelmäßig in unserer Zeitung.

  • Länder:

    Von bisher 18 500 Kilometern haben sie tatsächlich 11 000 mit den Rädern zurückgelegt. Sie waren schon in Serbien, Rumänien, Georgien, Kasachstan, China, Laos und Thailand.

  • Hochzeit:

    In Kambodscha ist 2013 ihr Sohn Max geboren. Die Familie hat sich dort anschließend für über ein Jahr heimisch gemacht. In Kambodscha hat das reisefreudige Paar auch geheiratet.

  • Begleiter:

    Die Hunde Gomolf und Diu sind von Anfang an mit auf Reisen gewesen. Gomolf ist aber in Kambodscha gestorben.

  • Pause:

    Im vergangenen Jahr haben die Sybille und Michael eine Pause auf ihrer Weltreise eingelegt und sich mit Sohn Max daheim in Niederrunding ein wenig von den Strapazen erholt.

  • Fortsetzung:

    Jetzt setzen sie ihre Tour fort. In Thailand geht’s weiter.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht