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Abenteuer

„Ist diese Insel nicht herrlich?“

Die Chamer Reiseradler genießen das Leben auf Langkawi in Malaysia, „einem Ort, an dem es sich lohnt, eine Weile zu bleiben“.
Von Sibylle Fleischmann

Ludwig staunt über die schöne Blüte, aus der bald leckere Bananen wachsen werden. Foto: Fleischmann
Ludwig staunt über die schöne Blüte, aus der bald leckere Bananen wachsen werden. Foto: Fleischmann

Cham.7 Uhr morgens am Cenang Beach auf Langkawi, Malaysia. Die Kokospalmen schaukeln leicht im Wind, und die Sonne sendet ihre ersten Strahlen über das grüne Eiland mit den vielen breiten Sandstränden. Kaum eine Menschenseele ist unterwegs. In Thailand wäre jetzt überall schon reges Treiben auf den Straßen – aber die Malaien schlafen lieber länger, obwohl jetzt die einzige Zeit des Tages ist, wo die Temperaturen noch erträglich sind. Auch von den Touristen sehe und höre ich noch nichts.

Unsere Reiseradler

  • Route:

    Michael und Sybille Fleischmann aus Niederrunding sind seit Sommer 2010 mit dem Fahrrad auf Weltreise unterwegs. Von ihren Erlebnissen berichten sie seitdem regelmäßig in unserer Zeitung. Von bisher 18 500 Kilometern haben sie tatsächlich 11 000 mit den Rädern zurückgelegt. Sie waren schon in Ländern wie Serbien, Rumänien, Georgien, Kasachstan, China, Laos und Thailand.

  • Familie:

    In Kambodscha ist 2013 ihr erster Sohn Max geboren worden. Die Familie hatte sich dort für über ein Jahr heimisch gemacht. In Kambodscha hat das Paar auch offiziell geheiratet. Im vergangenen Jahr haben Sybille und Michael eine Pause auf ihrer Weltreise eingelegt und sich mit Sohn Max daheim in Niederrunding ein wenig von den Strapazen erholt. Jetzt sind sie wieder unterwegs und berichten weiter für uns.

Unsere Pension wirkt wie ausgestorben, wenngleich fast alle Zimmer belegt sind. Nur ein paar Katzen sind unterwegs und lauern kleinen Echsen und Mäusen auf, deren zerfledderte Überreste sie dann mit Vorliebe ihrem Frauchen – der Pensions-Inhaberin – als Guten-Morgen-Gruß vor die Tür legen. Ein paar Vögel beobachten sie aus sicherer Entfernung von den Baumwipfeln aus und zwitschern fröhliche Lieder, sonst ist nichts zu hören.

Palmen, grüne Gärten und Stille

Diese morgendliche Ruhe ist nicht selbstverständlich im muslimischen Malaysia – doch dass hier vielleicht etwas fehlt, wurde mir erst bewusst, als Mohammed, ein anderer Gast, erzählte, warum er genau hier übernachtet. Er ist Frühaufsteher aus freien Stücken – im Gegensatz zu mir, da bin ich eher ein bisschen wie die Malaien … aber nun ja, seitdem unsere Kinder auf der Welt sind, hat sich das erübrigt.

Um die Zeit zu überstehen, bis der Kaffee wirkt, ist Mohammed genau der richtige Gesprächspartner: „Ist diese Insel nicht einfach herrlich? Ich kann mich gar nicht sattsehen an den Palmen und dem schönen grünen Garten. Und diese Stille! Letztes Jahr habe ich zwei Straßen weiter gewohnt, direkt gegenüber von der Moschee. Kannst Du Dir vorstellen, wie ich da täglich aus dem Bett gerissen wurde?“ Erst bei diesen Stichworten dämmert es mir langsam: „Ach so, hat Dich vielleicht der Muezzin zum Gebet gerufen? Stimmt, den habe ich ja noch überhaupt nicht gehört, seit wir in Malaysia sind.“ – „Da hattest Du Glück, der fängt um 6 Uhr an mit seinen Gesängen. In Jordanien, wo ich aufgewachsen bin, ruft er schon um 5 Uhr das erste Mal. Da könnte ich nicht mehr leben. Ich bin viel zu sehr Freigeist , um ein strenger Muslim zu sein. Ich bin eher so wie die malaiischen Muslime: offen und moderat.“

Den ehemaligen Kolonialherren aus England verdanken die Malaien auch den Linksverkehr. Foto: Fleischmann
Den ehemaligen Kolonialherren aus England verdanken die Malaien auch den Linksverkehr. Foto: Fleischmann

Das ist auch unser Eindruck – offene und moderate Muslime. Wenn der Muezzin schreit, der Malaie aber noch ein oder zwei Stunden liegenbleibt, um auszuschlafen; wenn Frauen am Steuer sitzen und normal arbeiten dürfen; wenn manche von ihnen nicht mal ein Kopftuch tragen (oder nur manchmal), … – dann sorgt das schon für eine entspanntere Atmosphäre als in so manch anderem islamischen Land. „Die Malaien sind gar keine richtigen Muslime“, urteilt Claudia, die Besitzerin der wunderschönen Pension mit dem Wohlfühl-Garten. Sie stammt aus Südtirol und hat einen einheimischen Ex-Mann. Seit bald zehn Jahren führt sie das „Soluna Guest House“, welches sie eigens mit ihm erbaut hat. Längst beherrscht sie die Landessprache fließend – und ganz offiziell ist sie eine richtige Muslima, denn für die Heirat musste sie konvertieren, so will es das Gesetz. An der Ostküste Westmalaysias und in einigen Regionen Borneos herrscht eine wesentlich strengere Vorstellung der Staatsreligion. Um nur ein Beispiel zu nennen: In Supermärkten müssen sich Männer und Frauen an getrennten Kassen anstellen, damit sie sich auf keinen Fall berühren.

Sibylle mit Maximilian und Ludwig am „Black sand beach“ auf der Trauminsel Langkawi Foto: Fleischmann
Sibylle mit Maximilian und Ludwig am „Black sand beach“ auf der Trauminsel Langkawi Foto: Fleischmann

Sind das dann wirklich „keine richtigen Muslime“, wie Claudia sagt? Weil die Frauen ihr Kopftuch eher als Modeaccessoire tragen und die jungen Männer abends gerne auch mal Bier trinken? Den weit größten Einfluss auf das Land hat vielleicht gar nicht die Staatsreligion, sondern die Multikulturalität. Schon lange vor der Gründung des Landes 1963 lebten viele Inder und Chinesen unter den Muslimen, außerdem die indigenen Ureinwohner. Aus diesem Gemenge ist ein buntes Miteinander entstanden.

Nur die Hitze macht zu schaffen

„Einen Chinesen aus Malaysia und einen chinesischen Touristen kann man ganz einfach unterscheiden“, verrät Claudia, „denn die malaiischen Chinesen können sich benehmen. Die spucken nicht überall herum und sind längst nicht so laut, außerdem sprechen sie alle Englisch.“ Auch die malaiischen Inder sind besser an die herrschenden Sitten angepasst als die „richtigen Inder“, die scharenweise als Touristen herkommen. Das lässt zumindest das Schild vermuten, das wir in einem indischen Restaurant auf der Toilette entdeckt haben: „Please don’t poo on the floor“ („Bitte nicht auf den Boden sch...“)

Uns Reisenden als Europa kommt die Vielfalt in der Bevölkerung ebenfalls zugute. Auf noch keinem anderen Touristen-Hotspot Südostasiens haben wir einen so respektvollen Umgang von Einheimischen und Besuchern erlebt. Mohammed hat recht, es ist ein wunderschöner Ort, an dem es sich lohnt, eine Weile zu bleiben. Auch für die Fleischmanns? Schon, aber wenn es doch nur immer so angenehm kühl sein könnte, wie um 7 Uhr morgens …

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