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Abenteuer

Neujahr in der Sommerhitze

Das thailändische Neujahrsfest ist eine riesige Wasserschlacht – die Reiseradler aus dem Landkreis Cham waren dabei.
Von Sibylle Fleischmann

Die Thais lieben es bunt! Eine von unzähligen Gedenkstätten für den verstorbenen König Bhumibol Adulyadej liefert einen farbenprächtigen Hintergrund. Foto: cfi
Die Thais lieben es bunt! Eine von unzähligen Gedenkstätten für den verstorbenen König Bhumibol Adulyadej liefert einen farbenprächtigen Hintergrund. Foto: cfi

Cham. Khanom, Südthailand: „Achtung Max, gleich werden wir nass!“ Unser Ältester duckte sich hinter mir in seinem Kindersitz und versuchte, mit den Händen die noch unsichtbare Bedrohung abzuschirmen. Doch vergeblich: als wir das Grüppchen Jugendlicher erreichten, bekam zuerst ich unter lautem Johlen und Gegröhle einen ganzen Schwall Wasser mitten ins Gesicht – und dann war Max an der Reihe: „Hello Babyyyyyyyy!“, riefen sie ausgelassen, bevor sie ohne Rücksicht auf seine Proteste ein kleines Eimerchen Wasser über seinem Kopf auskippten. Dann wurde uns noch ein weißer Baz aus Wasser und Babypuder ins Gesicht geschmiert ... und schon waren wir offiziell aufgenommen in den Kreis der Feiernden: Es war Songkran, das thailändische Wasserfest.

Maximilian wusste gar nicht, über was er zuerst schimpfen soll: „Mamaaa!“, tönte es aufgebracht von hinten, als ich langsam weiterfuhr, „Ich bin ganz nass! Und die haben mir einfach ins Gesicht gelangt! Und Mama, ich bin doch kein Baby!!! Sehen die das denn nicht!?“

Jeder darf jeden nass spritzen

Schwarzer Sand? Dieser Strand in Südthailand verdankt seine Färbung besonderen Mineralien.  Foto: cfi
Schwarzer Sand? Dieser Strand in Südthailand verdankt seine Färbung besonderen Mineralien. Foto: cfi

„Ja Max, ich weiß schon. Natürlich bist Du kein Baby. Weißt Du noch, das haben wir vorhin besprochen: Es ist Songkran und da darf man jeden nass spritzen. Pass auf, wir schnappen uns gleich deine Wasserpistole und spritzen die anderen Leute nass, OK?“ Immer noch große Skepsis vom Kindersitz aus: „Aber Mama … da werden ja die Haare auch nass. Und das T-Shirt. Und die Hose. Und …“

Schon kam die nächste „Straßensperre“, die niemand trockenen Fußes passieren kann – überall zeigte sich in Thailand in diesen Tagen dasselbe Bild: Gruppen am Straßenrand, die mit Eimern, Wasserpistolen und Babypuder bewaffnet Jagd auf ihre trockenen Mitmenschen machten. Ergänzend dazu gab es die „mobilen Truppen“, die in Jeeps unterwegs waren: Im Fahrerhaus laute Musik, dazu tanzten hinten auf der offenen Ladefläche bis zu 15 Feierlustige fröhlich und ausgelassen – jeder und jede mit Wasserpistole oder Eimerchen ausgerüstet – und in der Mitte eine große, gefüllte Wassertonne für den Nachschub. Wenn uns ein solches Fahrzeug überholte, war es garantiert: da bleibt kein Auge trocken. Und sonst auch nichts.

Was hier und überall im Land zu einer riesigen Wasserschlacht und Party ausartete, ist nichts anderes als das thailändische Neujahrsfest. Anstatt die bösen Geister vom letzten Jahr mit lauten Raketen zu verscheuchen, wird hierzulande alles Schlechte und Unreine einfach weggewaschen. Traditionell beginnt man die Feiertage mit einem Hausputz und dem Besuch eines Tempels, oft werden Buddha-Figuren mit Wasser gereinigt, welches dann aufgehoben und zur symbolischen Waschung von älteren Familienmitgliedern benutzt wird. Letztere werden nicht – so wie wir an diesem Tag – ungestüm und eimerweise mit Wasser bespritzt, sondern nur vorsichtig und liebevoll an den Händen benetzt. Es ist kein Zufall, dass Songkran auch auf den Wechsel von der Trockenzeit zur Regenzeit fällt. Denn nun, wo es bald täglich regnen wird, gibt es endlich wieder mehr als genügend Wasser – und wie könnte man seine Freude darüber besser ausdrücken, als mit einer landesweiten, fröhlich-ausgelassenen Wasserschlacht?

Unsere Reiseradler

  • Route:

    Michael und Sybille Fleischmann aus Niederrunding sind seit Sommer 2010 mit dem Fahrrad auf Weltreise unterwegs. Von ihren Erlebnissen berichten sie seitdem regelmäßig in unserer Zeitung. Von bisher 18 500 Kilometern haben sie tatsächlich 11 000 mit den Rädern zurückgelegt. Sie waren schon in Ländern wie Serbien, Rumänien, Georgien, Kasachstan, China, Laos und Thailand.

  • Familie:

    In Kambodscha ist 2013 ihr erster Sohn Max geboren worden. Die Familie hatte sich dort für über ein Jahr heimisch gemacht. In Kambodscha hat das Paar auch offiziell geheiratet. Im vergangenen Jahr haben Sybille und Michael eine Pause auf ihrer Weltreise eingelegt und sich mit Sohn Max daheim in Niederrunding ein wenig von den Strapazen erholt. Jetzt sind sie wieder unterwegs und berichten weiter für uns.

Auch Maximilian Skepsis währte nicht lange und er konnte gar nicht anders, als sich vom Übermut der Thais anstecken zu lassen. Wir sind einer der Einladungen zum Mitfeiern gefolgt und fanden uns kurz darauf mit Eimerchen und Wasserpistole bestückt in einer großen Gruppe um eine riesige Tonne voller Wasser wieder. Nun waren wir es, die die Vorbeifahrenden mit Wasser überschütten und ihre – ohnehin nicht wirklich ernst gemeinten – Proteste ignorierten. Was für ein Spaß! Als wir alle bis auf die Knochen durchnässt waren, konnte dies eigentlich nicht mehr übertroffen werden – aber den Songkran-Profis gelang es trotzdem, uns noch mehr zu erfrischen: Mit einem Eimer Eiswasser ins Genick.

Vergebliches Warten auf Regen

Erfrischung von der Palme: Wenn kein Regen fällt, schmeckt das Kokos-Wasser um so besser. Foto: cfi
Erfrischung von der Palme: Wenn kein Regen fällt, schmeckt das Kokos-Wasser um so besser. Foto: cfi

Angesichts dieses übermütig gefeierten Wasserfests verwunderte es uns sehr, was wir in den Wochen danach beobachteten: Die Thais waren total wasserscheu! Sobald nur ein paar Tropfen vom Himmel fielen, flüchtete ein jeder, so schnell er konnte, unter das nächstbeste schützende Dach. Dort harrten sie geduldig aus, bis der Regen aufhörte. Zu Beginn der Regenzeit dauerten die Regengüsse oft nur ein paar Minuten – für uns als Fahrradfahrer war das eine wunderbare, höchst willkommene Erfrischung, zumal es danach nie lange dauerte, bis wir wieder trocken waren. Viel schlimmer empfanden wir das vergebliche Warten auf einen Schauer: Wenn sich vielversprechende Wolken auftürmten, endlich vor die unbarmherzige Sonne schoben … – und dann nach wenigen Minuten unverrichteter Dinge einfach wieder verschwanden.

Die folgenden Tage regnete es kein einziges Tröpfchen. Doch wir hatten ja an Songkran was gelernt, an das wir uns nun erinnerten: Bei fast jeder Pause schütteten wir uns einfach einen Schwall Eiswasser über den Kopf – kostet wenig, macht wach und hebt die Laune enorm!

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