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Runding ist toll – keine Skorpione!

Die Reiseradler Sybille und Michael Fleischmann haben Quartier in der Heimat bezogen — wollen aber im September wieder weg.
Von Johannes Schiedermeier

Die Gespanne stehen bereits reisefertig vor der neuen Heimat „Zur Burgruine 2“ in Runding: Sybille Fleischmann neben Ehemann Michael mit Sohn Max und Michaels Bruder Richard Weber (rechts)
Die Gespanne stehen bereits reisefertig vor der neuen Heimat „Zur Burgruine 2“ in Runding: Sybille Fleischmann neben Ehemann Michael mit Sohn Max und Michaels Bruder Richard Weber (rechts) Foto: Schiedermeier

Runding.Blondschopf Max genießt seine neuen Freiheiten. Einfach mal barfuß über den Hof laufen und runter zu den „Hasis“. Das wäre vor kurzem noch undenkbar gewesen. Denn Max ist gerade mal 20 Monate alt und der Sohn der beiden Reiseradler Sybille und Michael Fleischmann. Deswegen ist er bisher in Thailand aufgewachsen. „Ich hatte ihn immer auf dem Rücken. Auf dem Boden wäre undenkbar gewesen. In unserem Garten gab es alles: Schlangen, Giftspinnen und Skorpione. Einmal stand morgens sogar ein eineinhalb Meter langer Waran vor der Türe“, erzählt Vater Michael.

Mir solchen Dingen hat die Familie Erfahrung. „Du machst morgens die Zelttüre auf und eine Wildsau schaut rein“, erinnert sich Michael. Familienhund Diu hat das Tier dann attackiert und verjagt. Von solchen Szenen sind die drei derzeit aber weit entfernt. Gemütlich sitzen sie am Biertisch neben einem riesigen Nussbaum und genießen die Rundinger Idylle.

Rundings Charme lockt

Michael (42) ist in Niederrunding geboren. Seine Frau Sybille (31) stammt aus München. „Trotzdem halten mich hier alle für einen Preißn, weil meine Eltern nie Dialekt gesprochen haben“, sagt sie. Daheim fühlt sie sich trotzdem. Die beiden wohnen zurzeit bei Michaels Bruder Richard unter der Adresse „Zur Burgruine 2“.

Der Charme des alten Hauses hat es ihnen angetan. Und Michael hat sich schon mal auf die Suche gemacht und ist ganz in der Nähe bei einem alten unbewohnten Holzhaus fündig geworden. „Das würde mir gefallen“, sagt er. Es wäre wie gemacht für den gelernten Flugzeugmechaniker und Kaufmann (Master of Business). Denn er ist handwerklich echt begabt. Das braucht er auch beim Lebenswandel seiner Familie dringend.

Denn wer glaubt, dass die Fleischmanns nun die Rundinger Idylle recht lange genießen, der irrt gewaltig. In der Garage stehen bereits aufbruchbereit die beiden Reisegespanne. „Wir fahren, wenn es hier wieder kalt wird. Im September oder Oktober“, sagt Sybille Fleischmann. Als sie das grinsende Gesicht des Bayerwald-Reporters sieht, räumt sie ein: „Ja, für uns ist das dann schon kalt.“

Allerdings nehmen sie bei der Auswahl der Reiseziele Rücksicht auf Sohn Max. Der Blondschopf mag die Hitze nicht. Deswegen soll es im Herbst in den Norden Burmas oder Thailands gehen. Eigentlich sollte es ja die USA sein. Aber da muss vorher noch Geld in die Reisekasse.

Der USA-Traum mit Haken

Sybille Fleischmann bringt gerade ein zweites Buch auf den Markt: „7 Räder und 8 Pfoten – Eine (fast) unmögliche Radreise nach Asien“. Darin beschreibt die Autorin den Entschluss, mit zwei Rädern samt Anhänger und zwei Hunden nach Kambodscha auszuwandern, weil der Flug zu teuer war. Das erste Werk hieß „Mit dem VW-Bus nach Indien – Auf in die Fremde“.

Es sollen aber drei Bücher werden. Und schon allein deshalb müssen noch weitere Abenteuer her. Michael träumt von den USA. „Die Panamericana, die möchte ich fahren“, sagt er begeistert. Kleiner Haken: Die 45 000 Kilometer zwischen Alaska und Feuerland haben eine tückische Lücke. In dieser bergigen und sumpfigen Gegend gibt es keine Straßen. Um die Verbindung zwischen Nord- und Südamerika herzustellen, wären etwa 110 Kilometer Straße erforderlich. Die wollen weder die Einwohner noch die Umweltschützer, und auch die Regierungen der angrenzenden Länder sind mäßig interessiert, weil der Aufwand gigantisch wäre.

Das schreckt Michael aber nicht aus seinen Träumen. Immerhin haben die beiden Reiseradler von ihren bisher 18 500 Kilometern 11 000 mit den Rädern zurückgelegt. 210 Kilo wiegt das Rad Michaels mit Mann, Hund und allen Extras. Sybille ist mit 160 Kilo unterwegs. Technik für rund 20 000 Euro und viel Arbeit haben sie in die Gespanne gesteckt.

Wer soll das bezahlen?

Der Flugzeugmechaniker kam Michael dabei sehr zugute. Er konstruierte Ladegeräte, die ihre Energie aus den Radumdrehungen ziehen. Sogar ein „Solar-Paneel to go“ ist mit eingebaut. Die Fahrräder sind bis ins letzte Detail rund um die Rahmen von ihm aus Einzelteilen zusammengesetzt worden. Er hat die Ketten verkapselt und wochenlang recherchiert, wo die besten Teile herkommen. „Ich wollte Räder ganz aus deutschen Teilen“, sagt er. Bei den Kurbeln musste er passen, die sind japanisch.

Seit 2011 leben die Fleischmanns mit Unterbrechungen in Kambodscha. Vor ihrem Abschied sind sie noch einmal an Angkor Wat vorbeigefahren.
Seit 2011 leben die Fleischmanns mit Unterbrechungen in Kambodscha. Vor ihrem Abschied sind sie noch einmal an Angkor Wat vorbeigefahren. Foto: Fleischmann

Wenn man so leben will, woher kommt das Geld? Da muss man erfinderisch sein, sagen die beiden. Sybille schreibt, wo auch immer sie Empfang hat. Die Leser des Bayerwald-Echos wissen das. Es gibt inzwischen 40 Sponsoren, die Ausrüstung und Geld zur Verfügung stellen. Michael kauft in Kambodscha wertige alte Uhren an, repariert und restauriert sie und verkauft sie in Deutschland. Demnächst soll auch noch die Internetseite www.cycle-for-a-better-world.org gepimpt werden. „Wir haben schon 4000 Besucher und wollen auf 10 000, damit sich dort auch Werbung rentiert“, verrät Michael.

Der Lebensentwurf der beiden stößt auch an Grenzen. Sowas ist zum Beispiel bei deutschen Behörden nicht vorgesehen. „Oft sind wir aber auch überrascht. Da heißt es dann: Ach genau – Sie sind das. Und die Leute sind dann wirklich unbürokratisch“, beschreibt Sybille.

Abenteuer-Basis Runding

Und was sagt die Rentenversicherung? Michael grinst: „Nichts. Ich bin in Thailand gemeldet und nie länger als ein halbes Jahr in Deutschland. Da sagen die nichts.“ Und wie will er später im Alter zurecht kommen? „Ich spare selber. Ich habe gelernt, dass du dich um dich selber kümmern musst. Die einen, die das tun wollten, die sterben, und die anderen machen es nicht. Also tu ich es selber.“ Und das Holzhaus in der Nachbarschaft? Das könnte akut werden, wenn Söhnchen Max schulpflichtig wird. Aber bis dahin sollten von Runding aus noch ein paar Abenteuer drin sein.

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