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So schmeckt Thai-Gastfreundschaft

Fast wie im Schlaraffenland: Die Weltreise-Radler aus Niederrunding erleben, warum Thailand das „Land des Lächelns“ heißt.
Von Sybille Fleischmann

Selbst Sybille (die normalerweise lieber vegetarisch isst) liebt die saftigen Steaks aus dem Restaurant, in das uns der thailändische Besitzer eingeladen hat.
Selbst Sybille (die normalerweise lieber vegetarisch isst) liebt die saftigen Steaks aus dem Restaurant, in das uns der thailändische Besitzer eingeladen hat. Foto: Fleischmann

Runding.„Bye bye Kambodscha“, sagten wir leise, als wir dem letzten Grenzbeamten den Rücken kehrten. „Od mao wing“, fügten wir flüsternd in der Landessprache hinzu: „Wir kommen nicht wieder.“ Eine Mischung aus Erleichterung und leisem Schwermut begleitete uns, denn jetzt wurde es endlich Wirklichkeit: Das Kapitel Kambodscha –eines der turbulentesten unseres ganzen Lebens – zu Ende.

Mit Fahrrädern und zwei Hunden waren wir einst hier angekommen, nun reisten wir endgültig aus –wieder per Rad, doch mit nur einem Hund und einem Kind. Nach allem, was in den letzten Jahren geschehen ist, können wir heilfroh sein, dass wir alle kerngesund sind, als wir die Grenze übertreten.

Was vor uns liegt, ist im Vergleich zu Kambodscha ein gemütlicher Spaziergang: Thailand. Im „Land des Lächelns“ sind Straßen, Infrastruktur und nicht zuletzt das Essen um Welten besser als in unserer ehemaligen Wahlheimat, und wir freuen uns sehr darauf, all das in vollen Zügen zu genießen. Doch wer hätte gedacht, dass wir gleich am ersten Tag eine der glücklichsten Begegnungen der ganzen Reise haben würden?

Eine wundersame Begegnung

Zunächst war alles ziemlich normal: Wir reisten nach Thailand ein, freuten uns über die freundlichen Zollbeamten, die uns (wegen des kleinen Max) an der langen Schlange der Wartenden vorbeiwinkten, tranken gleich im ersten Geschäft unter glücklichen Seufzern und „Aaaaaahhh“-Lauten ein köstliches Leo-Bier und machten uns dann daran, die ersten Kilometer auf guten Thai-Straßen zu radeln.

Schon nach kurzer Zeit entdeckten wir ein kleines Open-Air Fest, das auf dem Gelände eines Tempels aufgebaut war: Eine Handvoll Stände und Buden, Essen, Musik und Spiele für Kinder. Ohne es zu ahnen, trafen wir die beste Entscheidung des Tages, nämlich dort anzuhalten und uns ein wenig umzusehen.

Ein Wohltäter mit Restaurant

Es folgten eine Portion gebratene Nudeln (scharf!!!) und ein paar Tanzeinlagen mit Maximilian (lustig), dann sprach uns ein Mann mit freundlichem Gesicht an. Er wollte alles über unsere Reise wissen, bat höflich um ein Foto mit uns und war tief beeindruckt von unserer Leistung und dem vielen Gepäck, das wir dabei hatten.

„Ich bin Soldat“, erklärte er uns, „aber so etwas habe ich noch nie gesehen.“ – „Früher war ich auch Soldat“, entgegnete Michael und erntete dafür zusätzliche Sympathiepunkte. „Sämtliche Ausrüstung auf dem Fahrrad! Machen das alle deutschen Soldaten?“, fragte der Thai lächelnd und schoss noch ein Bild mit seinem Mobiltelefon.

Unser Gönner ist tief beeindruckt von unserer Radreise und dreht eine kleine Proberunde.
Unser Gönner ist tief beeindruckt von unserer Radreise und dreht eine kleine Proberunde. Foto: Fleischmann

Als er alles foto-dokumentiert hatte, wandte er sich wieder an uns: „Ich würde Sie gerne einladen. Ich habe ein Restaurant und Gästezimmer, Sie dürfen bleiben und brauchen nichts zu bezahlen. Möchten Sie?“

Mein Mann hatte dieses spezielle Leuchten in den Augen, als wir uns ansahen, um pro forma über dieses Angebot zu entscheiden: Ob wir mitkommen möchten? Was für eine Frage!

Weil wir es für unpassend hielten, vor lauter Vorfreude herumzuspringen und lauthals zu jubeln, sagten wir einfach: „Sehr gerne!“ – und hofften inständig, dass unser Wohltäter bemerkt hatte, dass wir nicht nur ein süßes Kind, sondern auch einen frechen kleinen Hund dabei haben.

Mit dem Fahrrad um die Welt

  • Viele Länder bereist:

    Sybille und Michael Fleischmann aus Niederrunding reisen mit dem Fahrrad um die Welt. Für unsere Zeitung berichten sie von ihren Erlebnissen. Seit Sommer 2010 sind die Radler unterwegs – sie waren schon in Serbien, Rumänien, Georgien, Kasachstan, China, Laos und Thailand.

  • Freude über den Sohn:

    In Kambodscha ist 2013 ihr Sohn Max geboren und sie machten sich dort seitdem für über ein Jahr heimisch.

  • Wieder auf Achse:

    Jetzt sind sie wieder unterwegs. Die hier geschilderte Hochzeit fand allerdings noch in Kambodscha statt.

  • Zwei Hunde waren dabei:

    Die Hunde Gomolf und Diu waren von Anfang an mit auf Reisen. Gomolf ist aber in Kambodscha an einer Krankheit gestorben. Mehr Infos gibt es im Internet unter der Adresse http://cycle-for-a-better-world.org .

Taktisch klug verluden wir erst unsere Fahrräder und die Anhänger auf die Ladefläche seines Jeeps, bevor Michael einen lauten Pfiff losließ. Colonel Channarong staunte nicht schlecht, als unsere Diu mit fliegenden Ohren angerannt kam. „Ihr Hund?“, meinte er überrascht. – „Ja, sie ist sehr wohlerzogen“, beeilten wir uns zu versichern.

Sein kurzes Zögern entging uns nicht, doch nun konnte er uns ja schlecht wieder ausladen und so bat er lediglich darum, dass wir sie auf seinem Grundstück an die Leine nehmen sollen. „Nicht wegen mir“, erklärte er, „aber meine Frau ist Muslimin“.

Das Gewissen eines Muslimen

Nun war es an uns, ziemlich überrascht zu sein. Muslime in Thailand? Die leben doch normalerweise in den Südprovinzen an der Grenze zu Malaysia und nicht hier in Sakaeo, Ostthailand. „Ihr Großvater ist aus Pakistan ausgewandert und hat sich hier niedergelassen“, erklärte uns der Colonel. „Damit ich sie heiraten durfte, musste ich zum muslimischen Glauben übertreten“, erzählte er weiter.– „Und seitdem trinken Sie keinen Alkohol mehr?“, wollte Michael wissen. – „Keinen Tropfen!“, beschwor Herr Channarong mit tiefer Überzeugung. „Nur das mit den fünf täglichen Gebeten schaffe ich nicht immer“, fügte er augenzwinkernd hinzu.

Das beste Steak im Leben

Eine kurze Autofahrt mit dem Jeep führte uns schließlich an den Ort, der für uns so etwas wie ein kleines Paradies werden sollte. Zuerst das Gästezimmer: „Sie wollen sich bestimmt frisch machen“, sagte der Colonel und bat uns mit einladender Geste in den unerwartet großen Raum mit eigenem Badezimmer, Kühlschrank, Fernseher und Klimaanlage. „Wenn Sie fertig sind, kommen Sie doch bitte zum Abendessen ins Restaurant“, fügte er hinzu und ließ uns alleine.

Michael und Maximilian wälzen sich vergnügt im größten Bett, in dem wir je geschlafen hatten.
Michael und Maximilian wälzen sich vergnügt im größten Bett, in dem wir je geschlafen hatten. Foto: Fleischmann

„Wahnsinn, was wir für ein Glück haben!“, sinnierte ich staunend, während Michael und Maximilian sich vergnügt jauchzend in dem Kingsize-Bett wälzten. Noch nie hatten wir in so einem riesigen Bett geschlafen oder so ein schönes Zimmer gehabt – und jetzt bekamen wir das alles einfach so!

Und noch viel mehr: Als wir frisch geduscht und in bester Laune ins Restaurant gingen, kam uns schon die freundliche Kellnerin mit der Speisekarte entgegen.

„Das ist ja ein Steakhouse“, stellte Michael ehrfürchtig fest. „Das Fleisch stammt aus eigener Züchtung von der Farm meines Schwiegervaters“, erzählte uns Herr Channarong nicht ohne Stolz, während wir mit knurrenden Mägen auf das Essen warteten.

Nur wenig später servierte uns das Personal mit breitem Lächeln das größte und saftigste Steak, das uns je untergekommen war. Und so zart! „Das ist das beste Steak, das wir je gegessen haben!“, verkündeten wir ohne jede Übertreibung zur Freude unseres Gastgebers.

Das Glück in einem großen Bett

Als wir wenig später gut gesättigt in dem wundervollen Bett lagen, versuchten wir noch immer, unser Glück zu begreifen. Der letzte Satz des Colonels hatte seine Wirkung nicht verfehlt: „Sie können hier essen, so oft Sie möchten – natürlich ohne Bezahlung. Wie lange wollen Sie bleiben? Eine Woche? Zwei? Drei?“

Die tiefe Dankbarkeit, die wir empfanden, ist kaum zu beschreiben.

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