MyMz
Anzeige

Reise

Suche nach der aufgehenden Sonne

Die Chamer Reiseradler brechen wieder in den Fernen Osten auf. Das bessere Leben, vielleicht wartet es am Fujiyama.
Von Michael Gruber

Grauer Himmel macht den Abschied von der Heimat leichter: Die Familie Fleischmann bricht zur nächsten Etappe ihrer Weltreise auf.
Grauer Himmel macht den Abschied von der Heimat leichter: Die Familie Fleischmann bricht zur nächsten Etappe ihrer Weltreise auf. Fotos: Gruber

Chamerau.Oft sind es die kleinen Dinge, die einem das Gefühl von Heimat geben – Salzweckerl zum Beispiel. Die sind nämlich nicht einmal mehr in der Schwandorfer Hemisphäre zu haben, geschweige denn ist diese kulinarische Errungenschaft in den Breitengraden bekannt, wo die Familie Fleischmann sonst auf ihrem Reisegespann Land und Leute erkundet. „Wir haben uns diesen Winter eine volle Dosis Heimat verpasst, Leberkasweckerln und Brezn getankt, Weihnachten mit unseren Kindern ganz traditionell mit Plätzchen verbracht.“ Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt Sybille Fleischmann deshalb nun auf die Landkarte an der Schlafzimmertür. Japans Inselgruppen sind darauf zu sehen. „Da wollen wir hin“, sagt ihr Mann Michael und deutet auf die Insel Hokkaido. „An den nordöstlichsten Punkt, der mit dem Rad zu erreichen ist.“

Die Reisradler-Pflicht ruft

Ludwig heißt der zweite Sohn, den die stolze Mutter Sybille im Juli in Tschechien zur Welt gebracht hat. Damit er die erste Zeit an einem festen Wohnsitz aufwachsen kann, hatten die Reiseradler die letzten zehn Monate in einer Landwirtschaft in Bärndorf eingemietet.
Ludwig heißt der zweite Sohn, den die stolze Mutter Sybille im Juli in Tschechien zur Welt gebracht hat. Damit er die erste Zeit an einem festen Wohnsitz aufwachsen kann, hatten die Reiseradler die letzten zehn Monate in einer Landwirtschaft in Bärndorf eingemietet. Fotos: Gruber

Also tun die Reiseradler das, was Reiseradler tun müssen. Den Bock aufsatteln und der Ferne entgegentreten, auch wenn die junge Familie den Vorzügen eines sesshaften Lebens inzwischen immer mehr abgewinnen kann. Der Grund, warum das Paar die letzten zehn Monate in einem Hof in Niederrunding verbracht hat, sitzt auf Sybille Fleischmanns Schoß: Ludwig heißt ihr zweiter Sohn, der im Juli in Tschechien zur Welt kam. Wie bei seinem Bruder Max war es den Eltern wichtig, dass ihre Kinder lernen, wie grenzenlos die Welt sein kann, trotz allem aber wissen, wo ihre Heimat liegt. „Unser Sohn Maximilian sollte mit dem Dialekt und den Traditionen hier vertraut werden“, sagt Vater Michael. Nach einem Viertel Jahr im Rundinger Kindergarten hat der sein Oberpfälzer Hou-Hou – zur Freude seiner Eltern – hörbar erweitert. Gemeinsam Servus sagen durften die Fleischmanns dann am Mittwochvormittag.

Sohn Maximilian (3) ist schon ein alter Hase im Gepäck. Auf ihrer vergangenen Etappe durch Thailand reiste der älteste Sohn der Fleischmanns im Anhänger mit durchs Land. Die letzten drei Monate durfte er im Rundinger Kindergarten vor allem sein Oberpfälzer Hou-Hou perfektionieren.
Sohn Maximilian (3) ist schon ein alter Hase im Gepäck. Auf ihrer vergangenen Etappe durch Thailand reiste der älteste Sohn der Fleischmanns im Anhänger mit durchs Land. Die letzten drei Monate durfte er im Rundinger Kindergarten vor allem sein Oberpfälzer Hou-Hou perfektionieren. Fotos: Gruber

„Unser Reiseschuh drückt uns wieder“, sagt Mutter Sybille. Denn so wohltuend der ruhige Alltag in Bärndorf bei Chamerau für die jungen Eltern auch war, die Sehnsucht nach dem Abenteuer hat die Radler wieder eingeholt. „Unsere Akkus sind geladen, es geht uns richtig gut.“ Und auch die Flugtickets sind mitsamt der Reiseplanung schon sicher in den Backentaschen der beiden Radler verstaut. Um 16 Uhr fährt ihr Zug zum Prager Hauptbahnhof ab, von da geht es für die Familie am Samstag mit dem Flugzeug nach Bangkok weiter. Diesmal wollen die Radler bis in das Land der aufgehenden Sonne touren: Ab Juni steht Tokyo auf dem Plan – oder eben je nach Laune und Flugverbindung Sapporo, die Hauptstadt der nördlichsten Insel Hokkaido. „Er habe schon immer davon geträumt, einmal den Fujiyama zu sehen“, schwärmt Michael Fleischmann von dem 3776 Meter hohen Vulkan, dem höchsten Berg Japans. Bei knapp unter vier Grad und strömenden Regen wirkte es gestern fast so, als wollte ihnen der Bayerwald dafür den letzten Schubs verpassen. Auf was freuen sich die Weltenbummler am meisten? „Auf das warme Klima, T-Shirt, Sandalen, das Meer, die Früchte, das Essen, die Herzlichkeit der Thailänder,“ sagt Sybille Fleischmann, „und, dass die Kinder an die frische Luft können, ohne sie vorher in dicke Jacken packen zu müssen.“

Abenteuerlust mit Kleinkindern

In Folge einiger Bekanntschaften mit Japanern auf ihren bisherigen Etappen, zieht es die Reiseradler nun ins Land der aufgehenden Sonne. Michael Fleischmann will sich dort einen Kindheitstraum erfüllen und einmal den Fujiyama, den höchsten Berg Japans, aus nächster Nähe zu sehen.
In Folge einiger Bekanntschaften mit Japanern auf ihren bisherigen Etappen, zieht es die Reiseradler nun ins Land der aufgehenden Sonne. Michael Fleischmann will sich dort einen Kindheitstraum erfüllen und einmal den Fujiyama, den höchsten Berg Japans, aus nächster Nähe zu sehen. Fotos: Gruber

Auf zwei Rädern ins Blaue – mit zwei Kindern im Gepäck – das klingt für manche Eltern mehr nach Horror statt Reiselust. Schwache Momente hat auch das Paar durchlebt, als sie mit Sohn Maximilian die vergangenen Etappen ihrer Radreisen durch Asien unternommen haben, erinnert sich Sybille. „Wenn du 12 Stunden mit dem Zug fährst, es ist heiß und stickig und du weißt nicht sicher, wo du schlafen wirst, dann kann das schon sehr anstrengend werden.“ Dementsprechend hat das Paar auch die Reiseplanung auf die Tour mit zwei Kleinkindern ausgelegt. „Dritte-Welt-Länder kommen für uns nicht mehr in Frage. Bei unserem Routenverlauf durch Thailand und Japan ist immer ein Krankenhaus in nächster Nähe“, sagt Vater Michael.

45 000 Kilometer hat Michael Fleischmanns Fahrrad schon auf dem Tachometer. Er kennt jede Schraube des TX-400, einer Spezialanfertigung, die voll beladen mit Gepäck, Anhänger und Radler im Sattel 200 Kilo wiegt. Statt mit Kettenschaltung fährt der Bock mit einem Planetengetriebe.
45 000 Kilometer hat Michael Fleischmanns Fahrrad schon auf dem Tachometer. Er kennt jede Schraube des TX-400, einer Spezialanfertigung, die voll beladen mit Gepäck, Anhänger und Radler im Sattel 200 Kilo wiegt. Statt mit Kettenschaltung fährt der Bock mit einem Planetengetriebe. Fotos: Gruber

Die Mission, die sich das Paar im Jahr 2010 gegeben hat, bleibt dieselbe: Auf dem Sattel durch die Welt zu ziehen, um den schönsten Platz auf der Erde zu finden. Doch deutet sich auch bei den Weltenbummlern schön langsam an, dass die Würfel bald fallen werden. „Jetzt sind wir noch eineinhalb Jahre unterwegs, dann müssen wir uns eh entscheiden,“ sagt Sybille Fleischmann. Und sollte die Wahl auf Deutschland fallen, dann steht auch schon fest, wo: „ Auf jeden Fall im Bayerischen Wald.“

Die weiteren Geschichten der Reiseradler finden Sie hier.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht