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Geschichte

Rundgang durchs historische Kötzting

Wie hat sich die Pfingstrittstadt in den vergangenen fünf Jahrzehnten verändert? Das zeigt der Heimatforscher Haymo Richter.
Von Rainer N. Heinrich

Ein Blick auf die Stadt Ende der 1970er Jahre Foto: H. Richter/kni
Ein Blick auf die Stadt Ende der 1970er Jahre Foto: H. Richter/kni

Bad Kötzting.Die gute alte Dame Kötzting hat noch nichts von ihrer Anziehungskraft auf ihre Bürgerinnen und Bürger verloren. Das durfte auch die Wald-Vereinssektion Bad Kötzting am Dienstagabend bei ihrem Stammtisch feststellen. Haymo Richter konnte zu seinem Vortrag „Kötzting vor 50 Jahren – wie hast du dich verändert“ im Januel-Saal nahezu 100 Zuhörer begrüßen.

Richter, der seit Jahrzehnten das Geschehen in Kötzting mit seiner Kamera festhält, öffnete sein Fotoarchiv für die Stammtischgäste und begleitete sie auf einem virtuellen, bebilderten Spaziergang und nahm die Stammtischgäste mit auf den Weg durch die Straßen und über die Plätze von Alt-Kötzting. Den historischen Aufnahmen stellte er die bemerkenswerten Veränderungen, die im Laufe der Zeit das Gesicht des inzwischen zum Kneipp-Heilbad aufgestiegenen einstigen Luftkurortes wandelten, gegenüber.

Start war am Bahnhof

Bürgermeister Hans Kroher wurde auch zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Foto: S. Weber
Bürgermeister Hans Kroher wurde auch zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Foto: S. Weber

Zunächst stellte der Referent das Bahnhofsviertel vor. Das Bahnhofsgebäude, 1892 errichtet, hat sein Äußeres dabei bis heute bewahrt. In der Westfassade haben sind sogar die Löcher, die ein Bombenabwurf in den letzten Kriegstagen 1945 verursachte, zu sehen, und sie werden es auch bleiben, ließ der neue Bahnhofseigner Olli Zilk ausrichten. Aber das Bahnhofsumfeld stellt sich inzwischen anders dar. Die Güter- und Stückguthallen, der Bahnhofskiosk und der zum Schluss doch schon sehr verfallene Lok-Schuppen mussten weichen. Hier erstrecken sich der Busbahnhof, zwei moderne Wohn- und Geschäftshäuser sowie ein Park&Ride-Parkplatz.

Die Betriebs-, Werkstatt- und Geschäftsgebäude, Hallen und Tanks der BayWa existieren seit 2002 auch nicht mehr. Ein Supermarkt und das Sinocur mit seinen Gesundheitseinrichtungen und dem Kur- und Gästeservice prägen nun den Platz. In unmittelbarer Nachbarschaft steht die Kreissparkasse. Das stattliche Gebäude ist bereits der zweite Nachfolgebau des frühen Kötztinger Geldinstituts, in dem für einen gewissen Zeitraum auch die Landwirtschaftsschule untergebracht war. Der Vorgänger des heutigen Bankgebäudes, ein Projekt des Münchner Architekten Ernst Maria Lang, stand gerade einmal 30 Jahre.

Kötzting: Alt und Neu im Vergleich

Besuch am alten Friedhof

Natürlich durfte auch der Alte Friedhof nicht fehlen. Von 1589 bis 1980 betteten die Kötztinger hier ihre Verstorbenen zur Ruhe. Auch heute, 38Jahre nach seiner Aufhebung, lässt sich die einstige würdevolle Schönheit des Friedhofs erahnen, auch wenn inzwischen viele der alten Grabstellen aufgelöst und die Grabsteine entfernt wurden.

Im Jahr 2008 wurde schließlich die Aussegnungshalle, in der sich das Fresko „Der Auferstandene“ von August Philipp Henneberger befand, abgebrochen. Das Eingangstor zur Marktstraße mit den Anwesen Amberger Hof und Fachmarktcenter Wanninger hat ebenfalls ein völlig neues Aussehen erhalten. Das Hotel wurde ebenso umgebaut wie auch das Kaufhaus. Der St.Veitsplatz hat ein neues Gesicht bekommen, und im Jahr 1990 wurde in der Stadt ein neues Verkehrskonzept installiert; die Verkehrsführung wurde grundlegend geändert. Der St. Veitsplatz, auf dem sich bis dahin die Straßen nach Cham und Furth im Wald gabelten, ist seither nur noch in einer Richtung befahrbar. In der Marktstraße verschwanden etliche alte Anwesen – Decker, Dr. Angerer, Lagerhaus Gruber; sie wurden durch das Kaufhaus Wanninger und die St. Veit-Apotheke ersetzt.

Persönlichkeiten zu dieser Zeit

  • Hans Kroher:

    Bürgermeister Hans Kroher war insgesamt 28 Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister des Marktes und dann der Stadt Kötzting (1939 bis 1945 und 1948 bis 1966). Er war ein besonderer Förderer des Pfingstrittes, Initiator der „Pfingsrittehr“, und er zeigte gegenüber den Heimatvertriebenen ein besonderes soziales Verhalten.

  • Joseph Dietl:

    Pfarrer Joseph Dietl (1941 bis 1956) überließ der evangelischen Gemeinde, deren Betsaal angesichts der vielen Heimatvertriebenen zu klein geworden war, die St. Veitskirche für ihre Gottesdienste. Bis 1955 war die St. Veitskirche somit Simultankirche.

  • Klosterschwestern:

    Die Armen Franziskanerinnen aus dem Kloster Mallersdorf (Mallersdorfer Schwestern) wirkten von 1894 bis 2001 mit viel Liebe und Menschlichkeit im Kötztinger Krankenhaus und Kindergarten. Schwester Emmerama Glasschröder wurde zur Ehrenbürgerin (1955) ernannt. Schwester Benigna Fehlner war von 1945 bis 2001 die „Kindergartenschwester“.

Als das Rathaus saniert wurde

Das Alte Rathaus wurde in den Jahren 1983 und 1984 saniert. Überhaupt der ganze Straßenzug wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zumindest optisch aufgefrischt. Auch die Herrenstraße hat sich vollkommen verändert. Die Mauer am einstigen Priorat ist verschwunden, die alte Postbrauerei ebenso, die Kirchenburg wurde saniert. Der Kindergarten „Königin der Engel“, der unter Pfarrer Augustin im Burggraben errichtet worden war, wurde im Jahr 2003 abgebrochen und am Spitalplatz neu errichtet.

Im „Hafenviertel“ (Bereich Müllerstraße) hat sich ebenfalls Einiges ereignet. Im Rahmen der Hochwasserfreilegung musste die Marktmühle weichen. An ihrer Stelle entstand ein Wohn- und Geschäftshaus, in dem sich auch die Geschäftsstelle und Redaktion der Kötztinger Umschau befinden. Auch die „Oberberger-Brücke“, über die der Verkehr in Richtung Lam rollte, steht nicht mehr.

Mehr als 300 Jahre lang brauten die Kötztinger von etwa 1150 bis circa 1870 ausschließlich im Kommunebrauhaus ihr Bier, das in der Jahnstraße stand. An seiner Stelle „grüßt“ nun ein Parkplatz. Im Süden erstreckten sich die Auwiesen. Hier wurde 1989 mit dem Bau des Kurparks begonnen, der am 29. Mai 1993 eingeweiht wurde und inzwischen zu einer vielbesuchten Attraktion geworden ist. Und die südliche Eingangssituation wird seit dem Jahr 2000 von der Bayerischen Spielbank beherrscht.

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