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Gebietsreform

Bald wieder ROD, WÜM und KÖZ?

Zum Start des neuen Großlandkreises Cham gab es noch sieben verschiedene Kfz-Kennzeichen. Werden Altlandkreise am Auto wieder lebendig?
Von Andreas Sokol

  • Alfons Zitzelsberger mit seinem Fendt F12, Baujahr 1957
  • Am Genfer Autosalon gab es schon das ROD am „Roding“.
  • Bürgermeister Franz Reichold hat schon mal als „Anschauungsobjekt“ ein Kfz-Kennzeichen mit dem alten ROD prägen lassen.Foto: Nicklas

landkreis. Gelegentlich sieht man noch einen alten VW Käfer fahren mit dem Kennzeichen ROD, tuckert auf einem Oldtimer-Treffen ein Lanz-Dieselross mit dem Nummernschild WÜM oder fährt ein Bad Kötztinger mit seinem Allgeier-Schlepper stolz mit dem KÖZ durch die Gegend. Das weckt nostalgische Gefühle in einer Zeit, da wir alle nur noch CHA am Nummerntaferl haben. Obwohl dieses CHA einst auch nur für einen kleinen Landkreis von knapp 41000 Einwohnern stand.

Doch CHA hat sie alle geschluckt, ROD, KÖZ, WÜM und dazu noch etliche Fahrzeuge mit den Kürzeln OVI für Oberviechtach, NEN für Neunburg vorm Wald (die kleine Gemeinde Großenzenried hatte dorthin gehört) und R, denn die Gemeinde Rettenbach gehörte einst zum Landkreis Regensburg. Sieben verschiedene Kennzeichen gab es, als 1972 der Großlandkreis Cham entstand.

Mit Oldtimer eigene Identität

So mancher Oldtimer ist nur noch aus nostalgischen Gründen zugelassen, um das geliebte alte Kennzeichen zu erhalten und damit eigene Identität in der großen CHA-Masse zu bewahren. Dabei haben wir ja noch Glück gehabt mit dem neuen Kennzeichen, können sie auch auswärts einigermaßen einordnen, aus welcher Ecke wir sind. Im Urlaub an der Adria haben mir mal ein paar Preißn nachgerufen: „Kuck mal, der ist aus Scham“.

Hätt’ uns ja auch passieren können, dass wir zum Beispiel das Zeichen MRK bekommen. Für Mittlerer Regenkreis. So wie man das nach der Wende bei der Landkreisreform in der ehemaligen DDR gemacht hat. SOK ist der Saale-Orla-Kreis, LOS heißt Landkreis Oder-Spree und MEK steht nicht, wie man vermuten könnte, für Mecklenburg, sondern für den Mittleren Erzgebirgskreis. Kann man munter Stadt-Land-Fluss spielen, wenn man auf den Straßen durch die „neuen Länder“ unterwegs ist.

Diese Vielfalt an Autokennzeichen lag natürlich nicht im Sinne der Verwaltungsvereinfachung, die man mit der Gebietsreform ja angestrebt hatte. Allerdings konnte man ein einheitliches CHA natürlich nicht auf einen Schlag herstellen und die Autofahrer nicht auch noch für neue Schilder zur Kasse bitten, zumal der neue Großlandkreis in den ehemaligen Landkreisen ja nicht auf so große Begeisterung stieß. Es sollte noch viele Jahre dauern und bis heute sind die alten Kennzeichen noch nicht ganz verschwunden.

Doch jetzt könnten die alten Kennzeichen wieder kommen. Es war kein Aprilscherz, als der Rodinger Stadtrat im vergangenen Jahr ernsthaft über eine Wiedereinführung von eigenen Kennzeichen für den Bereich der Stadt Roding diskutierte. Bürgermeister Franz Reichold hatte als „Anschauungsmaterial“ ein Kennzeichen anfertigen lassen. Umliegende Gemeinden, die zum ehemaligen Landkreis Roding gehörten, könnten sich dem anschließen

Die Bestrebungen gehen zurück auf eine Initiative der Hochschule Heilbronn, die dazu auch eine Umfrage gestartet hat. In Bayern wurde die Bevölkerung in sieben Städten befragt, wobei 68 Prozent sich dafür aussprachen. Gerade die jungen Leute zwischen 16 und 30 Jahren signalisierten mit 76 Prozent das höchste Maß an Zustimmung. Professor Dr. Ralf Borchert von der Hochschule Heilbronn betont, dass die Wiedereinführung der alten Kennzeichen eine verstärkte Identifikation des Umlandes mit der Stadt mit sich bringen könne. Bei der Sendung „Jetzt red i“ des Bayerischen Fernsehens aus Mainburg erhoben sich spontan alle Hände für die Wiedereinführung ihres alten „MAI“.

„Wir haben viele Firmen in Roding, die den Namen der Stadt mit nach außen tragen“, so ein weiteres Argument des Rodinger Bürgermeisters. Vor allem denkt er natürlich auch an den neuen Roadster „Roding“, der Karbonflitzer hatte am Genfer Autosalon Weltpremiere und wird nun in Roding gebaut.

Gute Chancen für alte Schilder

Ganz ausgestorben sind die alten Schilder nicht. Im Landkreis Cham gibt es noch an die 1153 Kraftfahrzeuge mit Altkennzeichen, war von Reinhard Lesinski, Leiter der Abteilung Verkehrswesen am Landratsamt, zu erfahren.

Auf 249 Traktoren, Anhängern, Krafträdern oder Oldtimern prangt immer noch das ROD. Das KÖZ tragen noch 562 Fahrzeuge und im ehemaligen Landkreis Waldmünchen sind noch 342 Fahrzeuge mit WÜM-Schildern angemeldet. 40 Jahre nach der Gebietsreform sollen die tiefen Gräben, die diese in die bayerischen Regionen gerissen haben, wieder geschlossen werden. Zumindest ein Stück weit. Denn Verkehrsminister Ramsauer will vielen ehemaligen Landkreisen ihre damals weggefallenen Autokennzeichen zurückgeben. Eine kleine, wenn auch späte Genugtuung. Und die Chancen dafür stehen gut, berichtet Lesinski. Das Anhörungsverfahren des Verkehrsministeriums, bei dem auch die Landratsämter gefragt wurden, habe positive und negative Stimmen gebracht, Reaktion von „so a Schmarrn bis wunderbar“.

Der Chef der Kfz-Zulassungsstellen rechnet mit einem positiven Beschluss im Herbst, die „neuen alten Schilder“ könnten dann ab Januar 2013 beantragt werden. Auf der Warteliste ganz vorne steht der Rodinger Bürgermeister, der das ROD schon für den Roadster „Roding“ reserviert hat. Der 155000-Euro-Flitzer wird in einer Rodinger Autoschmiede gebaut.

Reinhard Lesinski hat auch Zahlen parat, wie steil nach oben sich das Verkehrsaufkommen seit der Gebietsreform vor 40 Jahren entwickelt hat. 1973 gab es im neuen Großlandkreis Cham einen Bestand von 43103 Kraftfahrzeugen, davon 27650 Pkw. Heute sind es 125839 Fahrzeuge, davon 76643 Pkw.

Nächster Teil: Zeitzeuge Roland Matejka über den Aufbau der Landkreisverwaltung

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