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Mit der Heimat auf Stimmenfang

Worthülse oder Kampfbegriff? Geht es um Heimat, scheiden sich die Geister. Wir haben bei Chamer Politikern nachgefragt.
Von Michael Gruber

Was empfinden die Politiker in der Region, wenn Sie über Heimat nachdenken? Foto: Inga Kjer/Archiv
Was empfinden die Politiker in der Region, wenn Sie über Heimat nachdenken? Foto: Inga Kjer/Archiv

Cham.Heimat, des samma mia. Eine blaue-weiße Wunderwelt mit Laptop und Lederhose. Oder etwa nicht? Was wir mit dem Wörtchen Heimat verbinden, geht nicht nur auf eigene Erfahrungen zurück. Oft sind es Politiker und Parteien, die unser Heimatbild mit Bedeutung aufladen, erst recht in diesen Zeiten, in denen Flucht, Krieg und Terror an der Tagesordnung stehen. Was verstehen sie unter Heimat – und was bedeutet das für ihre politische Arbeit? Mit dieser Frage haben wir sechs Politiker konfrontiert, die für den Landkreis Cham aktiv sind.

Beim Schafkopfen daheim: Karl Holmeier (CSU)

„Heimat bedeutet für mich: Da bin ich zu Hause, da gehöre ich hin. Heimat ist für mich auch bayerisches Brauchtum und Geselligkeit. Dieses Heimatgefühl lebe ich in den Sitzungswochen in Berlin. Hier ist die Bayerische Landesvertretung mit Veranstaltungen und bayerischen Festen ein steter Anlaufpunkt zur Heimatpflege im politischen Berlin. Auch eine Schafkopfrunde in Berlin bedeutet bayerisches Lebensgefühl und Heimat.“

Heimat heißt Verstehen: Marianne Schieder (SPD)

„Heimat ist da wo wir verstehen und verstanden werden. Diesen Worten des Philosophen Karl Jaspers möchte ich mich anschließen. Meine Oberpfälzer Heimat ist der Ort meiner Verwurzelung, wo ich herstamme, groß geworden bin und noch immer gerne lebe. Es ist für mich Aufgabe der Politik den Menschen Heimat zu geben, die Rahmenbedingungen so zu stellen, dass sie Wurzeln beibehalten oder neu schlagen können, verstehen und verstanden werden.“

Der Optimist: Karl Vetter (Freie Wähler)

„Meine Heimat ist für mich zunächst sicher der Ort, an dem ich jetzt wohne, und der Ort, wo ich geboren bin. Mehr noch bedeutet Heimat Familie, Freunde, mein soziales Umfeld, die Gemeinschaft in der ich lebe. Heimat ist für mich nicht nur ein geografischer Begriff, sondern ein Gefühl des Aufgehobenseins. Und Heimat ist für mich auch Deutschland, ist Bayern, unser Landkreis, Sicherheit und Optimismus, die unser Land ausstrahlt. Dass es so bleibt, dafür kämpfe ich.“

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Heimat ist Privatsache: Josef Fries (FDP)

„Heimat hat für jeden eine persönliche Bedeutung. Welche das ist, hat die Politik nicht zu interessieren. Unsere Aufgabe ist es, die Vielfalt der persönlichen Lebenswege zu ermöglichen und Freiheit für deren Entwicklung zu bieten. Gerade im Bereich der schulischen Bildung, der Verkehrsinfrastruktur, des schnellen Internets und der medizinischen Notfallversorgung gibt es erheblichen Handlungsbedarf.“

Geborgenheit weitergeben: Marius Brey (Die Linke)

„Für mich ist Heimat ein Gefühl der Geborgenheit, es ist ein vertrautes Umfeld mit Menschen, die man gerne hat – das muss nicht ortsbezogen sein. Weltweit sind aktuell 65 Millionen Menschen auf der Flucht, die aus ihrem sozialen Umfeld, aus den Gebieten, in denen sie lebten – ihrer Heimat – gerissen wurden. Wir als Zivilgesellschaft sollten unser Möglichstes tun, ihnen hier ein Stück Heimat – also Geborgenheit und Menschlichkeit – wiederzugeben.“

Für Heimat kämpfen: Heidi Niebergall (AfD)

„Heimat ist für mich primär der Ort, an dem man geboren wurde und aufwuchs. Ein Verlassen oder die Verleugnung der Heimat ist daher zwangsläufig mit Brüchen verbunden, die sich ungut auswirken. Wenn man seine Heimat verlässt, etwa weil unerträgliche politische Verhältnisse herrschen, die die Existenz bedrohen, bleibt sie immer noch das, was sie ist. Unter dieser Prämisse sollte man sie nicht kampflos aufgeben.“

Für eine Heimat 2.0: Michael Doblinger (Grüne)

„Ubi bene, ibi patria. – Wo es mir gut geht, da ist mein Heimatland. Heimat ist für mich nicht der Ort, an dem meine Toten begraben sind, sondern da, wo ich mich einbringen kann und meine Zukunft sehe. Das schließt niemanden wegen seiner Herkunft aus. Eine Heimat 2.0 muss möglich sein. Die Heimat auf Blut und Boden beschränkt, hat uns schon einmal ins Elend geführt.“

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Die Politiker

  • Karl Holmeier (CSU)

    wurde 2009 von einer Mehrheit der Wähler im Wahlkreis Schwandorf/Cham in den Deutschen Bundestag gewählt. Bei der Bundestagswahl 2013 wurde Holmeier erneut im Amt bestätigt. Der 60-Jährige ist Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur, im Unterausschuss Kommunales und im Unterausschuss Regionale Wirtschaftspolitik und ERP-Wirtschaftspläne. Bis 2014 amtierte Holmeier als erster Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Weiding.

  • Marianne Schieder (SPD)

    sitzt seit 2005 für den Wahlkreis Schwandorf/Cham im Bundestag. Nach der Wiederwahl 2013 ist Schieder Mitglied im Ausschuss für Bildung und Forschung sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz. Ebenso ist die 55-Jährige seit sechs Jahren Teil des Präsidiums der Bayern-SPD. Zu Hause ist die Juristin in Wernberg-Köblitz, wo sie seit 1996 als Markträtin aktiv ist.

  • Karl Vetter (Freie Wähler)

    ist seit 2008 als Abgeordneter im Bayerischen Landtag tätig und derzeit Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege sowie des Landesgesundheitsrats. Der 64-Jährige gebürtige Rodinger arbeitete lange Zeit als Orthopäde und ist heute gesundheitspolitischer Sprecher und Sucht-und Drogenbeauftragter der Freien Wähler- Landtagsfraktion. Seit 2008 ist Vetter als Chamer Stadtrat aktiv.

  • Josef Fries (FDP)

    ist Vorsitzender des Kreisverbandes der Liberalen in Cham. 2013 kandidierte Fries bei den Landtagswahlen, verpasste aber die Chance. Zu Hause ist der 47-Jährige in Roding, wo er gleichzeitig als Geschäftsführer seiner Firma tätig ist. In den vergangenen Wahlkämpfen forderte Fries eine Rückkehr zur Liberalitas Bavariae und warf der CSU vor, keine Kontinuität in der Politik zu wahren.

  • Marius Brey (Die Linke)

    wurde im Februar 2016 zum Vorsitzenden des Kreisverbandes der Linken Mittlere Oberpfalz gewählt, der auch den Landkreis Cham einschließt. Aufgewachsen ist der 19-Jährige in Chamerau. 2015 legte er sein Abitur am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium Cham ab. Mit 16 Jahren trat Brey der Piratenpartei bei, für die er bis 2014 als Gebietsbeauftragter tätig war. 2015 wechselte er zu den Linken.

  • Heidi Niebergall (AfD)

    wurde 2015 zur Delegierten der AfD im Schwandorf/Cham gewählt. Die Augenärztin aus Bad Kötzting ist zudem als Vize-Kreisversitzende der Partei aktiv. 2009 gab sie ihre Bad Kötztinger Praxis auf. Die Anforderungen der Kassenärztlichen Vereinigung würden sie an Verhältnisse erinnern, die sie früher in der DDR erlebt habe, erklärte sie damals unserem Medienhaus.

  • Michael Doblinger (Die Grünen)

    ist Chef des Kreisverbandes der Grünen in Cham. 2004 kandidierte der Schreinermeister für seine Partei zur Landratswahl, unterlag jedoch der CSU. Zu Hause ist der Grünen-Politiker in Schmitzdorf bei Pemfling. Vor seiner Schreinerlehre studierte Doblinger Informatik und Mathematik in Erlangen mit Abschluss Diplominformatiker.

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