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Spannender Blick in historisches Bauwerk

Seit über 40 Jahren steht die Petermühle am Rodinger Regenufer still. Jetzt hat Besitzer Rainald Baier die Türen geöffnet.
Von Jakob Moro und Bastian Schreiner

Die letzten Baumaßnahmen erfolgten vor rund 100 Jahren. Das Interesse an der Führung durch die beiden Mühlengebäude war groß. Fotos: Jakob Moro
Die letzten Baumaßnahmen erfolgten vor rund 100 Jahren. Das Interesse an der Führung durch die beiden Mühlengebäude war groß. Fotos: Jakob Moro

Roding.Rainald Baier, der seit 2014 Eigentümer der Petermühle ist, hat am Freitagnachmittag viele interessierte Bürger durch das Ensemble aus Bauernhaus und Stallung, Mühle und Säge geführt. Den Gästen eröffnete sich dabei ein Blick auf ein Stück „Alt Roding“. Schnell fragte man sich, ob Denkmalschutz ein Segen ist oder ob er eine vernünftige Stadtentwicklung verhindert.

Die Führung durch das denkmalgeschützte Gebäude, das sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, hatte der SPD-Ortsverein ermöglicht. Die Petermühle könnte viel erzählen, fließt doch der Regen an ihr vorbei – eine wichtige Wasserstraße im Mittelalter bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Denkt man nur an die Flößerei, die Holztrift, die den Wasserweg bei der Petermühle wegen ihres ruhigeren Wasserlaufes bevorzugten.

Mühle ist mehrfach abgebrannt

Renate Hecht bedankte sich bei Rainald Baier für die Führung durch das denkmalgeschützte Gebäude. Fotos: Jakob Moro
Renate Hecht bedankte sich bei Rainald Baier für die Führung durch das denkmalgeschützte Gebäude. Fotos: Jakob Moro

Baier öffnete sowohl die Türen des Backsteinbaus als auch des dazugehörigen Wohnstallhauses, ein zweigeschossiger, giebelständiger Schopfwalmdachbau aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Beide Gebäude mit Umgriff stehen unter Denkmalschutz. Die Petermühle, die eine wechselvolle Geschichte mit einige Besitzerwechseln hinter sich hat, stehe seit rund 40 Jahren still, berichtete Baier. Die Mühle sei in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach abgebrannt und sei auch häufig gebrandschatzt worden, weil sie außerhalb der Rodinger Stadtmauern lag. Der letzte Besitzer, der die Mühle noch betrieb, war Albert Soß. Ein Blick in die Chroniken zeigt, dass die Petermühle zum Pflegeamt Wetterfeld gehörte, ab 1808 dann Teil des Marktes Roding war.

Ausgeklügelte Technik: Nur der Petermüllner Albert Soß fehlt, ansonsten ist alles noch so eingerichtet wie zu seinen Lebzeiten. Fotos: Jakob Moro
Ausgeklügelte Technik: Nur der Petermüllner Albert Soß fehlt, ansonsten ist alles noch so eingerichtet wie zu seinen Lebzeiten. Fotos: Jakob Moro

In der Reformationszeit soll die Petermühle vorübergehend evangelischer Pfarrhof gewesen sein, wie Josef Kilger in einem Band der Rodinger Heimat schreibt. Eduard Trinkerl berichtet unter dem Jahr 1653: „Pfarrer Michael Hueber hat die Petermühl, die ganz öd, ruiniert und zum Teil gar eingefallen war, wohnhaft gemacht und vor dem gänzlichen Verfall bewahrt. Der Rodinger Pfarrhof lag noch in Aschen. Pfarrer Hüeber wohnt in der Petermühle, in der Behausung der Witwe Lanckhus.“ Karl Gschwendner und Eduard Trinkerl befassten sich in ihrem Buch Rodinger Familien ebenfalls mit der Petermühle, die früher die Hausnummer 183 trug. Um 1645 war Andre Hurtel der Müllner, um 1687 Georg Dietl. Dann waren längere Zeit die „Höcherl`s“ (ein bekannter Müllername in unserer Gegend) auf der Petermühle, bis im Jahr 1795 Matthias Bruckmüller in die Petermühle einheiratete. Etwas später kommen die Heuberger, Kraus und Rohrmüller auf der Petermühle vor, bis Anfang 1900 Wolfgang Soß die Petermühle erworben hat. Der letzte „Petermüllner“, Albert Soß, ist 1911 auf der Petermühle geboren. Er betrieb das Sägewerk und die Mühle.

Zukunftspläne

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Eine wirtschaftliche Nutzung der Gebäude sei schwierig, sagte Rainald Baier. Vor allem, weil das Gebiet, in der die Petermühle liegt, nicht städtebaulich gefördert werde. Die Petermühle sei schon immer außerhalb Rodings gelegen, so Baier. Das Wohngebäude stehe seit Jahrzehnten leer und könne nicht beheizt werden. Die Folgen seien unübersehbar.

Letzter Müllner hießt Albert Soß

In der Mühle gibt es viele historische Technik zu bestaunen. Fotos: Jakob Moro
In der Mühle gibt es viele historische Technik zu bestaunen. Fotos: Jakob Moro

Ein gotischer Türbogen sei der älteste Teil des denkmalgeschützten Gebäudes, berichtete Baier bei der Führung. Steht das dominante große Wohngebäude mit angebautem Schweinestall komplett leer und ist teilweise verfallen, so ist das Mühlengebäude noch vorhanden, als hätte der letzte Müllner, Albert Soß, es erst kurz vorher verlassen. Rainald Baier verbindet mit dem Areal viele Kindheitserinnerungen – hat doch Baiers Vater, Jordan Baier, dort für seine Schreinerei Holz schneiden lassen und ganz in der Nähe zum Trocknen aufgerichtet.

Sanierung

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Bereits Jahr 2007 hatte sich Rodings Bauausschuss mit einem Abbruchantrag für die Petermühle zu befassen. 2014 fand sich dann mit der Familie Baier ein Investor. Wie es damals hieß, seien schon Ideen für eine Sanierung sowie eine Nachnutzung vorhanden. Wegen des Alters und des Aufwandes sei eine sinnvolle Nutzung jedoch sehr schwierig, sagt Baier heute.

SPD-Bürgermeister-Kandidatin Renate Hecht überreichte Rainald Baier am Ende des Besuches für seine Mühen zusammen mit SPD-Landrats-Kandidat Sebastian Meier einen Kunstkalender von Resi Wltschek.

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