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MZ-Serie

Der Bierzelt-Wahnsinn befällt Ostbayern

Diesen Monat berichtet Kabarettist Matthias Meier vom harten Schicksal der Bedienungen und einer Enttäuschung in Straubing.
Von Matthias Meier

Bierzelt-Bedienungen haben laut Matthias Meier ganz klar eine „tragende“ Rolle und man dürfe es sich mit ihr nicht verscherzen. Foto: dpa
Bierzelt-Bedienungen haben laut Matthias Meier ganz klar eine „tragende“ Rolle und man dürfe es sich mit ihr nicht verscherzen. Foto: dpa

Runding.Endspurt! Was im Mai schön ruhig beginnt, findet im August seine Vollendung. Ich spreche von den Bierzelten. Schön war’s, das Chamer Volksfest. Eine saugute Unterhaltungsmusik auf der Bühne. Das eigentliche Programm, man könnte schon fast sagen „Kabarettprogramm“, spielte sich dennoch mitten unterm Volke ab, so dass ich wegen des hohen Unterhaltungswertes beschloss, noch einen Tag mehr auf das Chamer Volksfest zu gehen. Nicht nur den Besuchern galt meine Aufmerksamkeit, sondern auch den Bedienungen. Es wurde ja durch den Vorsitzenden des Chamer Volksfestvereins nach dem Fest bekanntgegeben, dass diese beiden Fronten ziemlich verhärtet waren. Aber unter uns gesagt, bei einem Bierpreis von 7,90 Euro würde mir auch der Arbeitselan vergehen, wenn dann der bereits „angespitzte“ Festzeltbesucher, der der Bedienung schon dreimal auf den Arsch aufeghaut hod, sagt: „Acht Euro, bassd scho.“ Ich habe durch meine langjährige Erfahrung im Bierzeltgeschäft gelernt, dass die Bedienung im Festzelt die „tragende“ Person ist, mit der man es sich einfach nicht verscherzen darf.

Matthias Meier
Matthias Meier

Aber noch lange kein Ende in Sicht. Kaum haben die Chamer den Bierhahn zugedreht, geht’s gleich weiter in den Nachbarlandkreis, nach Straubing. Ich freute mich schon auf einen ruhigen Maria Himmelfahrtstag daheim auf dem Kanapee, als meine Frau mich in Allerherrgottsfrüh aus dem Bett holte: „I mog aufs Gäubodenfest.“ Ich dachte mir, irgendwas ist da faul, meine Frau will freiwillig ins Bierzelt mit mir. Ich fragte vorsichtig nach: „Warum?“ – „Der Eibl Max spielt mit den Perlhüttern.“ Da dies auch unsere Hochzeitskapelle war, sprang ich sofort aus dem Bett, und im Nu saßen wir schon im Auto Richtung Straubing. Eifrig marschierte ich mit schnellen Schritten zielstrebig in Richtung meiner Lieblingsband, Gockel und Maß, als meine Frau einen scharfen Rechtshaken schlug. Ich wusste, da war ein Haken – Ostbayernschau. Ich wurde also übelst getäuscht. Lieber haue ich fünf Ster Holz, bevor ich mich in diese Menschenmenge zwischen Autopolierer und Putzmittelverkäufer begebe, aber keine Chance. Ich fragte: „Wos willstn do?“ – „Mei Freundin, de hod do so an Gurkenschäler gekauft, und der is so super, den will ich auch.“ Na toll, jetzt müssen die Musik, die Brotzeit und die Maß Bier wegen eines „gschissenen“ Gurkenschälers auf mich warten. An der letzten Halle angelangt, kam ich mir vor wie ein Esel. Ich schleppte Dutzende Putzhadern, Poliermittel, Klobürsten und andere scheinbar unverzichtbare Gegenstände über das Gelände, bis wir endlich den Gurkenschäler für 21,50 Euro erwarben. Für diesen Preis kann ich mir die Gurken einen Monat lang von einem Sternekoch abschälen lassen. Nach über drei Stunden Wahnsinn sagte ich zu ihr: „Ich kann nicht mehr, i kimm um“, und wir gingen endlich eine halbe Stunde ins Bierzelt, dann war der Geldbeutel genau so leer wie meine erste und einzige Maß.

Übrigens: „I kim um.“ Nicht nur auf dem Gäubodenfest scheint die Welt verrückt zu spielen, auch die Weltpolitik. Was ist denn mit dem Nordkoreaner los? Führt sich auf wie ein zerrissener Gartenschlauch, und wenn Onkel „Trump“ böse wird, zieht er den Schwanz ein. Wahrscheinlich dachte er sich: „Jetzt muss ich einen Gang zurückschalten, sonst schaut’s schlecht aus. I Kim Jung Um.“

Aber jetzt hamma’s bald geschafft. Jetzt stech ma in Furth im Wald noch den Drachen ab und dann ist Ruhe – zumindest bis zum Oktoberfest.

Zusammenfassend ein Appell an alle Bierzeltbesucher, Bedienungen, Präsidenten und Diktatoren: „Seid’s freindlich – zefix.“ Bis bald, Euer Meier!

Da Meier und sei Monat – hier lesen Sie weitere Kolumnen von Matthias Meier

Ein Auftritt für Fans

Da Meier und sei’ Monat”: So heißt eine Samstags-Kolumne von Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau. Matthias Meier (da Meier), der mit der Gruppe Da Huawa, da Meier und I bekannt geworden ist, schreibt alle vier Wochen einen launigen Beitrag für unsere Zeitung.

Darin erzählt der Musiker (Bass, Trompete, Tenorhorn und Pustekeyboard) seit rund zwei Jahren nicht nur private Begebenheiten, sondern gibt auch Erlebnisse zum Besten, die er auf Tour und mit seinen Kollegen Christian Maier (Da Huawa) und Siegi Mühlbauer (da I) hatte.

Viele von Meiers Bühnensketchen und Einlagen – der Künstler gilt als Showtalent und echter Unterhalter – sind mittlerweile Kult. Der Riedinger ist ein Meister der Parodie und verstärkt mit dunkelster Bassstimme genauso den Dreigesang der Gruppe wie mit höchsten Tönen. Seit diesem Jahr tourt er mit seinem Solo-Programm „Ausgewogen“ durch die Lande.

Anlässlich ihres 1500. Konzerts am 26. Oktober im Circus Krone haben sich Da Huawa, da Meier und I etwas Besonderes einfallen lassen: Sie holen ihre Fans mit zu sich auf die Bühne. Wer ein Lied des bayerischen Kult-Trios auf seine Weise interpretiert und ein Video davon an deinauftritt@dahuawadameierundi.de schickt, hat gute Chancen, mit den Dreien auf der legendären Circus Krone-Bühne zu stehen.

Mitmachen kann jeder, ob allein, mit der Schüler-Band oder mit einer 20-köpfigen Bläsergruppe, ob Punk, Rock ’n‘ Roll oder Gospel – erlaubt ist, was den Fans und der Band gefällt. Jedes Video nimmt an der Aktion teil und wird von Da Huawa, da Meier und I persönlich gesichtet.

Einsendeschluss ist der 21. September 2017, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Weitere Informationen zu der Aktion gibt es auf der Homepage der Band: www.dahuawadameierundi.de.

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