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Kolumne
Samstag, 18. August 2018 29° 2

MZ-Serie

Der Herr Gauland und der Herr Boateng

Matthias Meier sagt: Gauland wird von einem intelligenten Durchschnittsbürger so ernst genommen wie er als Fußballkritiker.
Von Matthias Meier

Deutsche Fußballfans zeigen ein Plakat mit der Aufschrift „Jerome zieh neben uns ein“.
Deutsche Fußballfans zeigen ein Plakat mit der Aufschrift „Jerome zieh neben uns ein“. Foto: dpa

Cham.Ein altes bayerisches Sprichwort sagt: „Wenn’s no grod rang, dass alles sprang und da Dreck spratz und s’ Schulhaus vobrann und da Lehrer vorrack“ („Wenn es nur regnete, dass alles spränge und der Dreck spritzte, das Schulhaus verbrenne und der Lehrer verende“) – mittendrin in der Bierzeltsaison. Diesen Monat sind wir definitiv abgesoffen. Nicht, wie Sie jetzt meinen, wegen des guten Festbiers.

Nein, nein, die sintflutartigen Regengüsse und das Hochwasser machten unseren Job nicht gerade einfach. Aber Grund zur Klage wegen der im Dreck steckengebliebenen Tourfahrzeuge, undichter Bierzeltplanen und wildbachartiger Rinnsale quer durch die Zelte hatten wir im Gegensatz zu den Menschen in den Krisengebieten nicht. Es ist sehr schlimm, was vielen Bewohnern im Freistaat passiert ist.

Der einzige Lichtblick ist hier der bayerische Zusammenhalt. Bayern ist anscheinend Gott sei Dank noch kein Mitglied unserer „Wegschaugesellschaft“, da wird noch zusammengehalten und mit angepackt, wenn es drauf ankommt. Das erfüllt mich mit großemStolz.

Aber ab jetzt heißt es für Da Huawa, da Meier und I erst einmal „Zwangsgiggalpause“, was bei den derzeit herrschenden „Firma-Sieber-artigen“ Zuständen“ nicht gerade von Nachteil ist. Es heißt Anpfiff – die EM hat begonnen. Unser deutsches Nationalteam residiert diesmal nicht, wie gewohnt, in einem Fünf-Sterne-Luxusresort, sondern hat für sich ein komplettes Lazarett reserviert.

Von Fußball null Ahnung

Was ist denn da los? Alle sind verletzt. Da kann man ja anstatt von Bundeskader vom „Bundeskadaver“ sprechen. Ich persönlich hoffe auf die Leistung des wenigstens nicht körperlich verletzten Jérôme Boateng – dem neuen Wunschnachbarn vieler Deutscher. Ich hoffe für ihn, dass er nicht auch so ein Eigentor schießt, wie es sich der Gauland von der AfD durch seine rassistische Äußerung eingehandelt hat. Aber da habe ich keine Bedenken. Im Gegensatz zum Gauland ist Herr Boateng in seinem Beruf eine Fachkraft, ein Könner und ein Profi ohne „narzisstische“ Störung, der in keine Abseitsfalle tappt.

Matthias Meier
Matthias Meier Foto: Da Huawa, da Meier und I

Aber es ist ja nichts passiert. Der Gauland wird von einem halbwegs intelligenten Durchschnittsbürger als Politiker so ernst genommen wie ich als Fußballkritiker. Jeder meiner Freunde weiß, dass ich von Fußball null Ahnung habe, und nicht einmal der größte Idiot würde bei einer Fußballwette meine Meinung einholen.

Trotzdem freue ich mich beim Public Viewing nicht nur auf die Bratwurstsemmeln und das eine oder andere Weißbier, sondern auf ein spannendes Miteinander, denn eines haben Fußball und die Musik gemeinsam: Sie schweißen die Menschen zusammen. Bis bald, Euer Meier!

Die nächste CD ist da

Da Huawa, da Meier und I, feierten 2015 ihr 15-jähriges Bestehen. Heuer sind die Musiker mit ihrem neuen Programm „Zeit is a Matz!“ in Bayern und Österreich auf Tournee. In gewohnt witziger Weise schaut das Trio dabei der Gesellschaft auf die Finger, besingt das bayerische Gemüt und gibt Gas im Hier und Jetzt – „denn die Uhr, „de muass vom Deife sei“, heißt es in einer Pressemitteilung. Passend zur Reise durch die Konzertsäle erscheint am 24. Juni die neue CD des Trios. Auch sie heißt „Zeit is a Matz!“.

Matthias Meier (rechts), Siegi Mühlbauer (links) und Christian Maier (Mitte) beleuchten die Zeit in all ihren Facetten.
Matthias Meier (rechts), Siegi Mühlbauer (links) und Christian Maier (Mitte) beleuchten die Zeit in all ihren Facetten. Foto: südpolmusic

„Drum geb i Gas, bis i varreck“ – diese Liedzeile aus dem Titelsong zeigt sofort, welches Thema sich Da Huawa, da Meier und I vorknöpfen: die Zeit in allen Facetten. Dabei geht es um die Vergangenheit („1516“ – das Lied zum Jubiläum des Reinheitsgebots) genauso wie um die Zukunft („Gamma Grins“) und die Gegenwart: „Da Hirschl Rainer“ ist ein Schleuser, der seinen Truck neben Modewäsche aus Bangladesch „mit sieben, acht Kongoschneckerl volllädt, die Luft schnauffa nur durch Ritzn“.

„D’Mare“ schwingt ihre Hüften nicht nur in der VHS beim Zumba-Kurs, sondern künftig auch in der Küche, und „D’Schwirzer vom Landl 2.0“ machen mit Crystal sowohl bei Bankvorständen als auch auf dem Schulhof ihre illegalen Geschäfte. Seit 16 Jahren stehen Christian Maier, Matthias Meier und Siegi Mühlbauer auf der Bühne, und eins wird auch bei ihrem neuen Album klar: Das Kult-Trio aus Niederbayern und der Oberpfalz ist sich treugeblieben und nie auf irgendeiner Mode-Welle mitgeschwommen. Vielmehr nähern sich die Drei dem Thema Zeit auf ihre ureigene, gewohnt humorvoll-hintersinnige Art und Weise, sind unglaublich witzig und zuweilen auch todernst.

Neben der bayerischen Volksmusik sind musikalische Stilrichtungen aus aller Welt zu hören. Vom Blues über den Reggae bis hin zum Rock ’n’ Roll reicht das breite Spektrum der drei Vollblutmusiker, die diesmal auch ein Lied auf Englisch mit im Programm haben: „Thx America“.

„Zeit is a Matz!“, Live-Album, CD südpolentertainment (LC 2 49 49), 14,99 Euro; ab 24. Juni auf dem Markt; Vorbestellungen sind unter http://suedpolmusic.wlec.ag/ möglich.

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