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Kolumne
Donnerstag, 24. Mai 2018 22° 8

MZ-Serie

Ein Loblied aufs Reinheitsgebot

In seiner neuen Kolumne schreibt Matthias Meier über das Bier — und erzählt, warum ihm manchmal die Tränen kommen.
Von Matthias Meier

Da Huawa, da Meier und I pflegen die bayerischen Traditionen –da darf natürlich ein Jubiläumslied zu diesem Anlass nicht fehlen. Symbolfoto: dpa

Cham.Geburtstag! Unser wichtigstes und ältestes bayerisches Lebensmittelgesetz, das Reinheitsgebot, wird dieses Jahr 500 Jahre alt, und somit lassen wir bei unserer Bierzelttour den von uns so geliebten Gerstensaft hochleben. Da uns Dreien von Da Huawa, da Meier und I die bayerischen Traditionen und Werte sehr am Herzen liegen, darf natürlich ein Jubiläumslied zu diesem Anlass nicht fehlen. Somit ging unser neues Musikvideo mit dem Bierlied „1516“ neben der ersten Veröffentlichung im Bayerischen Fernsehen auch im Internet online.

In dem Lied wird erzählt, was die alten Rittersleit alles ins Bier mit reingeworfen haben – vom Entenschmalz bis zum Mäusekot, so dass es schließlich dem Herzogsohn den Schädel wegsprengt. Wasser, Hopfen und Malz – und aus. Mehr gibt es nicht. So entstand ein puristisches und dennoch äußerst geschmacksvariierendes bayerisches Traditionsgetränk. Aber was ist mit dem Weizen – sprich dem Weißbier? Um die Brotversorgung für die Bevölkerung sicherzustellen, war es damals verboten, Weizen zum Brauen zu verwenden – ist einleuchtend.

Arbeitselan hielt nicht lange an

Aufgrund des schönen Frühlingswetters beschloss ich, mein Büro mit einem Weißbier nach draußen zu verlegen, und so saß ich mit Laptop und ein paar Zetteln auf meinem Balkon. Der Arbeitselan hielt aber nicht lange an. So beobachteten ich und die Miezekatze die Vögel, die wie die Wahnsinnigen hin- und herflogen und ihre Arien rausschmetterten. Einfach mal eine halbe Stunde nichts tun. Das liebe ich an meinem Wohnort, abgeschieden von jedem Radau.

Aber um Himmels Willen, was geht denn jetzt ab? Kaum habe ich das laute Gebrülle vernommen, hat die Miezekatz fluchtartig den Balkon verlassen, kommt er schon um die Ecke. Der Tyrannosaurus Rex. Oh nein, Jurassic Park ist Wirklichkeit. Und das Monster mit seinem langen Hals hat wahrscheinlich so ein ganz schlechtes Bier aus der Steinzeit erwischt, da es einen fürchterlichen grünen, nicht mehr endenwollenden Dauerauswurf erbrach. Nach gefühlten fünf Minuten waren alle Grashaufen auf der benachbarten Wiese von dem Monster verschluckt und in den Mega-Ladewagen gebrochen worden, und der riesige Grashäcksler samt Anhängerflotte verschwand wieder.

Es geht launig weiter

  • Die Kolumne

    „Da Meier und sei’ Monat”: So heißt eine Kolumne von Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau. Matthias Meier (da Meier), der mit der Gruppe Da Huawa, da Meier und I bekannt geworden ist, schreibt alle vier Wochen einen launigen Beitrag für unsere Zeitung.

  • Erlebnisse

    Darin erzählt der Musiker (Bass, Trompete, Tenorhorn und Pustekeyboard) nicht nur private Begebenheiten, sondern gibt auch Erlebnisse zum Besten, die er auf Tour und mit seinen Kollegen Christian Maier (Da Huawa) und Siegi Mühlbauer (da I) hatte.

  • Tour

    Da Huawa, da Meier und I, feierten im vergangenen Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Höhepunkt war ein Auftritt im Circus Krone in München. Heuer gehen die Musiker aus Niederbayern und der Oberpfalz mit ihrem neuen Programm „Zeit is a Matz!“ auf Tournee.

  • „Zeit is a Matz!“

    Seit März sind Da Huawa, da Meier und I wieder auf den Bühnen Bayerns und Österreichs unterwegs und präsentieren ihr sechstes Programm „Zeit is a Matz!“. Weitere Informationen gibt es unter der Adresse www.dahuawadameierundi.de .

  • Irish-Bayrisch

    Im Oktober treten Da Huawa, da Meier und I wieder gemeinsam mit der irischen Band Na Ciotogi auf. „Irish-Bayrisch“ ist unter anderem zu sehen und zu hören am 19. Oktober in Neunburg vorm Wald (Schwarzachtalhalle) und am 20. Oktober in Regensburg (Alte Mälzerei).

Aber wohin mit dem ganzen Ladegut, wir haben doch in der Gegend fast keine Kühe mehr in den Stallungen? Jetzt war’s klar: Biogasfutter. Als ich nach diesem Schreck einen Schluck von meinem Weißbier nahm, wurde mir erst bewusst, welche reichhaltigen Rohstoffe in unserem Bayernland geerntet werden können.

Matthias Meier Foto: Da Huawa, da Meier und I

Aber nur ein Bruchteil des Weizens wird im Gegensatz zur Ritterszeit in den Lebensmitteln verarbeitet. 125 Millionen Tonnen Getreide werden in Deutschland jährlich in die Biogasanlagen geworfen und verfaulen. Bei dem Gedanken, dass in der heutigen Zeit noch sehr viele Kinder tagtäglich verhungern müssen und für sie diese Mengen überlebenssichernd wären, war die schöne Balkonstimmung endgültig beim Teufel, und es kullerten mir fast ein paar Tränen in den Weiß-bierstutzen.

Systematisches Aushungern

Aber wer sind die Schuldigen? Was haben die Bauern heutzutage für eine Alternative? Der Liter Red Bull kostet im Durchschnitt 4,24 Euro, der Liter Vollmilch im Supermarkt circa 60 Cent. Anstatt dass die Politik über diese Realitätsverschiebung diskutiert, verabschieden sie lieber eine H10-Regelung für saubere, energieproduzierende Windräder und verurteilen eine weitere sinnvolle Alternative zum Tode. Dass aber die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage eine Milchmädchenrechnung ist, ist klar. Ohne Subvention wäre es wirtschaftlicher, in die Biogasanlage gleich den Diesel hineinzuschütten, den die Riesenfahrzeuge benötigen.

Letzter Ausweg, um diesen Wahnsinn zu stoppen: Trinkts alle so viel Weißbier, wie Ihr könnt, dann hungern wir die grünen Lebensmittelvernichtungsmonster systematisch aus.

Bis bald, Euer Meier!

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