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Warum der Nikolaus rauchte

Unser Kolumnist Matthias Meier erzählt von seinem Auftritt als Nikolaus – und warum der Bier mit dem Feuerzeug aufmacht.
Von Matthias Meier

Die Rolle als Nikolaus hat unser Matthias Meier doch recht eigen interpretiert. Foto: Felix Kästle/dpa
Die Rolle als Nikolaus hat unser Matthias Meier doch recht eigen interpretiert. Foto: Felix Kästle/dpa

Runding.De Wocha hods gscheid boussd! Genauer gesagt am Vorabend des 6. Dezember, kurz nach Eintritt der Dämmerung. Ich machte die Tür auf, und draußen war ein alter Bekannter, den ich schon von Kind auf lieben, aber auch fürchten gelernt hatte – der heilige Nikolaus. Da erinnere ich mich nicht nur an meine Kindheit, sondern auch an die Zeit, als ich selber in das Nikolauskostüm schlüpfte und bei den Kindern meines Schwagers den heiligen Mann zum Besten gab.

Ich war vor meinem großen Auftritt als Nikolaus sehr nervös, viel nervöser, als ich das erste Mal im Circus Krone München auftrat. Es war schließlich Neuland für mich, quasi ein Sprung von der Komödie zu einem ernsten Theaterstück. Ich war wirklich gut vorbereitet, und es lief am Anfang, nachdem ich um 18 Uhr das Haus betreten hatte, wunderbar.

Perfekte „Nikolausperformenz“

Die Kinder schauten mich mit großen Augen an, nicht mit Angst, auch nicht mit einem Grinsen, sondern schön andächtig, genauso, wie es sich gehörte. Ich lobte, tadelte und schließlich übergab ich den doch recht braven Kindern ihre Geschenke. Eine perfekte „Nikolausperformenz“, bis mein Schwager kurz vor der Verabschiedung die Frage stellte: „Mag der Herr Nikolaus a Halbe Bier?“. Nach einem kurzen Zögern gab ich die fatale Antwort: „I ja, a bissl a Zeit hod da Onkel Nikolaus scho’ no“.

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Also knallte schon der erste Bierstopsel, und ich setzte mich mit an den Esstisch der Familie. Die Kinder waren sehr interessiert, als ich ihnen ihre Fragen alle beantwortete, wo ich herkäme, was ich schon alles erlebt hätte; und nicht nur die Zeit verfloss wie im Fluge, sondern auch die Halbe Rhaner Bier. Ein schlechtes Timing stellte sich ein, da mein Bier schon leergetrunken, aber die Geschichten noch nicht fertig erzählt waren.

So ging das eine ganze Weile, bis es halb neun war. Das eine Kind saß zwischenzeitlich auf meinem Schoß und begann, aus meinem Bart Rastazöpfe zu flechten, das andere spielte in der Zwischenzeit mit meinem Mantel und dem Bischofsstab „Stierkampf“.


Aschenbecher für den Nikolaus

Matthias Meier schreibt alle vier Wochen eine launige Kolumne für unser Medienhaus. Foto: Archiv/Meier
Matthias Meier schreibt alle vier Wochen eine launige Kolumne für unser Medienhaus. Foto: Archiv/Meier

Die leicht genervte Schwägerin sagte: „Kinder, jetzt müsst Ihr ins Bett“. Ich antwortete mit bereits schwerer Zunge: „Moment, zuerst zeig’ ich den Buben noch, wie man mit dem Feuerzeug eine halbe Bier aufmacht“. Das war mir unbegreiflich. Was lernen die Kinder in der dritten Klasse? Anscheinend nichts. Der Bub konnte in diesem Alter einfach kein Bier mit einem Feuerzeug öffnen. Die Schule ist anscheinend nicht nur kostenlos, sondern auch umsonst.

Kaum waren die Kinder im Bett, sprach ich zu meiner Schwägerin: „So, jetzt sans furt, bring amol an Aschenbecher“. So verstrich die Zeit, bis es bereits zwei Uhr morgens war und der Vater der Kinder sagte: „So, Nikolaus, sei mir nicht böse, ich muss morgen aufstehen“.

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Da aber nicht einmal der Nikolaus nach einem längeren Umtrunk Auto fahren darf, nächtigte ich auf dem Kanapee meiner „Kundschaft“, was die Kinder am frühen Morgen sehr erstaunte, aber auch ein wenig erfreute: „Schau amol hi, da Nikolaus liegt bei uns im Wohnzimmer. Der schnarcht ja genauso wie da Onkel Meier“.

Die Kinder mussten an diesem Tage in der Schule einen Aufsatz über den Nikolausbesuch schreiben und wurden sehr getadelt, dass sie so eine rege Fantasie hätten, als sie ihr Nikolaus-Erlebnis wahrheitsgetreu zu Papier brachten.

Kein neuer Auftrag als Nikolaus

Und was sagt uns das? Nicht nur, dass die meisten Lehrer überhaupt keine Ahnung haben. Es ist einfach fatal, den Horizont der kindlichen Fantasie auszubremsen. Denn nur wer eine großartige Fantasie hat, schafft auch Großartiges.

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Da Meier ist zum zweiten Mal solo

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Im nächsten Jahr bekam ich trotz meiner viel geleisteten Überstunden als Nikolaus den Auftrag nicht mehr, da meine Schwägerin sagte: „Na, ein zweites Mal lass’ ich mir von dem rauchenden Nikolaus keine Löcher mehr in meine Tischdecke brennen“. Aber für die Kinder blieb dies ein Erlebnis, das sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr vergessen werden. Ich wünsche euch allen eine schöne Adventszeit. Bis bald, euer Meier!

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