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Reise

Copperfield ist in Nashville angekommen

Der Musiker ist im US-Bundesstaat Tennessee eingetroffen, wo er ein Album aufnimmt. Die Bars sind seine erste Anlaufstation.
Von Tilo Copperfield

Ein Traum wird wahr: Tilo Copperfield vor der Silhouette des AT&T-Gebäudes in Nashville, dem „Batman-Building“. Fotos: T.G. Copperfield
Ein Traum wird wahr: Tilo Copperfield vor der Silhouette des AT&T-Gebäudes in Nashville, dem „Batman-Building“. Fotos: T.G. Copperfield

Cham.Seit Samstag ist der aus Treffelstein stammende Musiker Tilo Georg Copperfield unterwegs, um in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee ein eigenes Album aufzunehmen. Für unser Medienhaus berichtet er über seine Erlebnisse während der Reise. Seine ersten Schritte in der Music City führte ihn auf Sightseeing durch die Stadt zu vielen neuen Bekanntschaften und die berühmten Honky Tonky Bars:

„Es ist ja wirklich erstaunlich. Der Flug von München nach Nashville weckt mehr Kindheitserinnerungen in mir, als ich mir vorgestellt habe. Ich führe das aber eher auf das Kinoprogramm an Bord meines American-Airlines-Fluges zurück: der freundliche Netzschwinger Spiderman, die Aliens aus Predator und Ethan Hunt als Spion des IMF in Mission Impossible.

Der Boulevard of Broken Dreams

Alles natürlich Sequels, aber als ich dann auch noch in Philadelphia zwischenlande, der Heimatstadt von Rocky Balboa, fühle ich mich doch ungefähr 20Jahre in die Vergangenheit versetzt als Youngster, der in Treffelstein vor seinem VHS-Player sitzt und mit den Kumpels von der großen weiten Welt träumt. Ich deute das mal als gutes Zeichen. Denn auch der Rock and Roll, wegen dem es mich ja schließlich nach Nashville treibt, ist ja schon fast ein Relikt aus der Vergangenheit. Die Gitarre als Sinnbild einer (für mich) glorreichen musikalischen Periode ist zugleich auch das Symbol für „Music City“, wie man Nashville auch liebevoll nennt; passt also für mich!

Abschied von Pferd Sgt. Pepper für den Musiker
Abschied von Pferd Sgt. Pepper für den Musiker

Nachdem ich nun endlich die letzten Züge einer lästigen Erkältung losgeworden bin, freue ich mich richtig auf mein Abenteuer. Und damit es nicht ganz so halsbrecherisch ist (wie wir verplanten Musiker es ja eigentlich lieben), habe ich mich entsprechend vorbereitet. Dabei bin ich auf viele Vorurteile über die Stadt gestoßen, und vielleicht kann ich ja ein paar davon geraderücken oder bestätigen. Definitiv steht die Stadt wie keine andere mittlerweile für die Musikindustrie in den Vereinigten Staaten. Von Kid Rock über Jack White, den Rolling Stones, Lady Gaga, Sheryl Crow, den Foo Fighters bis zu den Gitarrenhelden Joe Bonamassa und Brad Paisley kommen sie alle hier her, an diesen magischen Ort, um Musik zu machen. Deshalb steht die Stadt nicht nur mehr einzig und allein für Country. Hier sind alle populären Musikstile zu Hause. Von Hip Hop über Rock, Metal, Pop und natürlich auch Country. Aber warum?

Am Wetter wird es wohl nicht liegen. Das ist in Music City derzeit genauso aufbauend wie im Landkreis Cham: regnerisch und trübe. Da wäre es am Sunset Strip in Los Angeles schon schöner. Nein, hier sind die Songwriter zu Hause! Die größten Talente der Szene tummeln sich hier und schreiben für die Weltstars. Sie arbeiten akribisch an neuen Ideen, kasteien sich selbst und gehen zusätzlich oft noch irgendwelchen Service-Jobs nach, um nicht am Hungertuch zu kauen und sich auch mal einen Burger kaufen zu können.

Eine Bar folgt der nächsten am Broadway.
Eine Bar folgt der nächsten am Broadway.

Der Song ist der größte Schatz der Stadt, und in den nächsten Tagen werde ich die Möglichkeit haben, mit Leuten zu sprechen, die sich sehr intensiv damit beschäftigen. Ich bin schon gespannt, schließlich bringen mich ja auch meine Songs über den großen Teich, und ich bin hier, um zu arbeiten. Ich habe allerdings meine Songs schon fertig und muss sie „nur noch“ aufnehmen. Aber dazu später. Außerdem leben hier natürlich unglaublich viele grandiose Musiker. Von fünf Personen, die einem hier über den Weg laufen, haben drei irgendwas mit Musik zu tun und spielen zumindest ein Instrument. Die Musikerdichte pro Quadratmeter ist erstaunlich. Traumhaft; aber dieser Traum von der Musik hat auch seine Schattenseiten.

Ob es hier die richtigen Schuhe für Copperfield gibt ...?
Ob es hier die richtigen Schuhe für Copperfield gibt ...?

Vielleicht kann ich ja auch rausfinden, wieso der Broadway in Nashville auch oft „Boulevard of Broken Dreams“ genannt wird. Für mich besonders interessant sind die vielen Tonstudios, die im Schnitt auf meiner Legenden-Skala schon zumindest eine ordentliche 9,9 von 10 haben. Hier waren sie alle: Elvis, Johnny Cash, Lynyrd Skynyrd, Waylon Jennings, die Liste ist unendlich. Hier sind Aufnahmen entstanden, die jeder kennt und die so unauslöschliche Spuren im Gedächtnis der westlichen Musikkultur hinterlassen haben.

Kultur

Tilo Copperfield reist nach Nashville

In der „Music City“ nimmt der Treffelsteiner ein Album auf. Exklusiv für die Echo-Leser bloggt er über seine Erlebnisse.

Vielleicht habe ich auch die Möglichkeit, hinter die Kulissen dieser für mich heiligen Orte zu schauen. Und vor allem freut es mich, dass diese alten Studios nun wieder eine Renaissance erleben, nachdem sie durch die Digitalisierung der Musikwelt schon mehrfach totgesagt wurden. Hier entsteht noch eine große Menge von dem Stoff, den wir alle lieben: Musik.

Wird die Begeisterung bleiben?

Man merkt, meine Begeisterung ist groß. Aber vielleicht werde ich ja nach dem Trip total ernüchtert und abgeklärt sein. Möglicherweise hat Nashville dann seinen Reiz für mich verloren, wenn ich all die Profis hier getroffen habe, die wie auf einem Reißbrett die Musikwelt gestalten, wie es ihnen gefällt, die und in den Honky Tonks am Broadway ihre Coversongs herunternudeln. Wer weiß?

Sehen Sie hier ein Video in der Music-Bar

Sehen Sie erste Eindrücke der Reise von T. G. Copperfield

Für die Beamten der Zollbehörde hier bin ich auf jeden Fall erstmal verdächtig, weil sie sich die Frage stellen, warum ich denn bei meinen bisherigen US-Aufenthalten nicht wie jeder normale Mensch Städte wie New York, San Francisco und Co., sondern Orte wie Memphis, Seattle, Los Angeles besucht habe. Nachdem ich aber erklärt habe, dass das hauptsächlich mit Musik zu tun hat, wurde ich höflich verabschiedet. Zumindest kommt man schnell ins Gespräch. Aber ich denke, das liegt auch an meiner Gitarre auf dem Rücken. Es wirkt eher positiv auf die Gesprächspartner, wenn man sich als Musiker vorstellt und seinen Respekt vor der Kultur des Gastlandes zum Ausdruck bringt. Nach 24 Stunden auf den Beinen hoffe ich mal, dass ich trotz Jetlag ein paar Stunden schlafen kann. Ich spiele noch ein paar Takte Blues in meinem Hotelzimmer, bevor es richtig losgeht ...

Hier können Sie die Reiseerlebnisse von T.G. Copperfield mitverfolgenT.G. Copperfield in Nashville

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