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Reiseblog

Copperfields Album ist im Kasten

Der Sänger hat seinen Songs den letzten Schliff verliehen. Nach getaner Arbeit genießt er die Zeit am Broadway.
Von Tilo Copperfield

Die Aufnahmen sind im Kasten und wir stoßen darauf an. Monique lässt mich die Winterjacke eines bekannten Stars anprobieren. Ich darf allerdings nicht verraten, wer es ist. Sieht heiß aus und hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Foto: Copperfield
Die Aufnahmen sind im Kasten und wir stoßen darauf an. Monique lässt mich die Winterjacke eines bekannten Stars anprobieren. Ich darf allerdings nicht verraten, wer es ist. Sieht heiß aus und hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Foto: Copperfield

Landkreis.Der letzte Aufnahmetag steht an und die Zeit vergeht hier in Nashville in rasender Geschwindigkeit. Fast ein bisschen zu schnell, wenn man bedenkt, dass noch eine ganze Menge Arbeit vor Caleb und mir liegt. Aber wir haben vereinbart, dass keiner von uns beiden das Studio eher verlässt, bis wir unser Pensum geschafft haben. Wir müssen noch sogenannte „Overdubs“ machen. Das heißt, wir fügen Instrumente zu den Songs hinzu, die wir nicht alle live gleichzeitig spielen konnten. So zum Beispiel zweite Gitarren, Hammond, Sologitarren und so weiter. Diese Arbeit macht mir besonders viel Spaß, weil dadurch eine Platte erst so richtig Gestalt annimmt. Der Sound wird dichter und man muss ganz schön aufpassen, dass man es nicht übertreibt mit den Sachen, die man hier noch hinzufügt. Immerhin soll die Musik ja auch irgendwann live umsetzbar sein und da ist man schließlich auch beschränkt.

Eine der vielen tollen Studiogitarren von Caleb. Eine 1946er Gibson Akustikgitarre. Foto: Copperfield
Eine der vielen tollen Studiogitarren von Caleb. Eine 1946er Gibson Akustikgitarre. Foto: Copperfield

Wir gehen sehr effizient vor, halten uns nicht lange mit Rumprobieren auf und spielen die Sachen ein, die uns spontan durch den Kopf gehen. Durch unser beider langer Erfahrung wissen wir schon ungefähr, was passen könnte und das hilft ungemein. Wir klotzen richtig ran und die Uhr läuft gegen uns. Nach zwölf Stunden Arbeit sind wir zufrieden und ganz schön kaputt. Aber es hat sich definitiv gelohnt. Am nächsten Morgen hören wir noch mal rein und sind rundum zufrieden. Alles ist durch die Schnelligkeit des Arbeitens relativ roh und organisch geblieben und wir haben uns nicht verzettelt. Rock and Roll eben. Wir klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und ich kann es gar nicht fassen! Die Arbeit ist getan, sieben Songs sind im Kasten, ich verlasse Caleb wieder und ziehe um, da die nächste Albumproduktion bei ihm schon ansteht.

Eine Show zur Entspannung

Caleb bei der Arbeit an der Quetschn. Keine Angst, es wird trotzdem eine Rock and Roll Scheibe. Foto: Copperfield
Caleb bei der Arbeit an der Quetschn. Keine Angst, es wird trotzdem eine Rock and Roll Scheibe. Foto: Copperfield

An dem Tag fühle ich mich ein wenig groggy. Kein Wunder, denn das war schon eine ganz schöne Anstrengung. Um mich abzulenken, gönne ich mir eine Show in der „Motherchurch of Country“, der legendären Grand Ole Opry. In diesem Konzerthaus spielt seit fast 100 Jahren regelmäßig die Creme de la Creme der Countrymusik. Hier haben Johnny Cash, Willie Nelson, Garth Brooks oder George Jones ebenfalls sehr regelmäßig auf den Brettern gestanden und auch am heutigen Abend gibt es einen Rundumblick der Countryszene. Sage und schreibe zwölf sehr bekannte Namen werden heute ein Programm abliefern, das es in sich hat.

Vor der Grand Ole Opry. Das Konzerthaus, in dem fast täglich großartige Countrykonzerte stattfinden und das Nashville zu seinem Ruf als Music City weltweit verholfen hat. Foto: Copperfield
Vor der Grand Ole Opry. Das Konzerthaus, in dem fast täglich großartige Countrykonzerte stattfinden und das Nashville zu seinem Ruf als Music City weltweit verholfen hat. Foto: Copperfield

Jeder Künstler präsentiert maximal drei Songs und von Bluegrass über Countrypop, Countryrock und Westernswing bekommt man ein tolles Programm serviert. Der Sound ist fantastisch und es macht richtig viel Spaß. Das Bier (wohlgemerkt ein halber Liter) kostet neun Dollar. Ein ordentlicher Bayer wie ich würde da schon mal mit der Zeche im roten Bereich landen, aber da ich eh kein großer Fan von Budweiser, Miller und Co. bin, reiße ich mich zusammen. Es ist ja schließlich Fastenzeit und beim Bier können sich die Amerikaner noch einiges von uns abschauen, denke ich.

Zwischen old-school Bands und Rockröhre Pink

Stocknüchtern und bewegt von diesem tollen Konzertabend, mache ich noch einen Abstecher auf den Broadway. Dort hört die Musik erst um zwei Uhr morgens auf zum Spielen und in meinem Lieblingslokal „Robert’s Western World“ lasse ich den Abend ausklingen. Dort spielen ausschließlich richtige old-school Countrybands. Man hört da also keinen Bon Jovi und Co. Gegenüber bei „Tootsies“ ist gerade die Hölle los, weil Superstar Pink, die eben ein Konzert in der ausverkauften Sportarena gegeben hat, spontan ein kleines Akustikkonzert mit Countryhits abliefert. Das Tagesgespräch am nächsten Morgen in Nashville. Ja, hier passieren schon Sachen, man möchte es kaum glauben. Kurz vor dem Schlafengehen höre ich noch einmal in unsere Tonaufnahmen rein. Klingt immer noch gut. Gott sei Dank!

Verfolgen Sie T.G. Copperfields Reise nach Nashville hier.

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