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Reiseblog

Copperfields Album nimmt Gestalt an

Zusammen mit Bassist Roberts und Schlagzeuger Williams bastelt der Sänger an seiner Platte. Die Stimmung im Team passt.
Von Tilo Copperfield

Producer Caleb Sherman, Bassist Brandon Roberts und Schlagzeuger Christopher Williams unterstützen T.G. Copperfield bei seinem Album. Foto: Copperfield
Producer Caleb Sherman, Bassist Brandon Roberts und Schlagzeuger Christopher Williams unterstützen T.G. Copperfield bei seinem Album. Foto: Copperfield

Landkreis.Make Music – dafür bin ich nach Nashville gekommen. Diesen Ort habe ich ganz gezielt ausgesucht, um eine bestimmte Stimmung, wir Musiker nennen es „Vibe“, auf Platte zu pressen. Ich habe durch mehr als zehn Albumproduktionen schon sehr viel Zeit in Tonstudios verbracht und es ist immer irgendwie anders. Jeder Toningenieur oder Produzent hat eine etwas unterschiedliche Vorgehensweise. Ich arbeite aber vornehmlich mit Leuten zusammen, die spontan und vor allem schnell sind. Caleb, in dessen Studio ich hier in Nashville bin, ist einer dieser sehr effizienten und auf den Punkt kreativen Personen.

Schon eine Stunde nach dem ich in Cygnus Sound angekommen bin, beginnen wir Musik zu machen. Das Pensum, das ich mir vorgenommen habe ist für die kurze Zeit eine ganz schöne Herausforderung: sieben Songs habe ich vorbereitet und im besten Fall fliege ich dann mit sieben Songs wieder zurück, auf denen Drums, alle Gitarren, Bass, Keys und Gesang drauf sind. Wer jemals Zeit in einem Studio verbracht hat, weiß, was das bedeutet und kann verstehen, dass man keine Minute an wertvoller Zeit verschwenden darf.

Die Vorbereitung ist immens wichtig

Ich habe drei Tage, danach ist das Studio wieder mit einer anderen Albumproduktion belegt. Ein bisschen Kopfzerbrechen hat mir das schon bereitet, deshalb habe ich alles so akribisch wie möglich im Vorfeld arrangiert, fertige Demoaufnahmen für jeden Song ausgearbeitet, auf denen alle Abläufe, Breaks, Sounds, Gesangslinien und Co. bereits zu hören sind. Mit diesen Demos starten wir dann auch unsere Arbeit und nehmen am ersten Tag bereits rohe Gitarren- und Gesangsspuren auf. Das läuft prima und ich bin dabei dann auch noch einmal gezwungen, mir intensiv Gedanken über Details zu machen, Textstellen zu überdenken und Abläufe sozusagen in Stein zu meißeln. All das soll dann der Band, die mit mir gemeinsam die Musik live im Studio einspielt als Orientierungshilfe dienen, um sehr effizient zu einem guten und organischen Ergebnis zu kommen.

Kultur

Tilo Copperfield reist nach Nashville

In der „Music City“ nimmt der Treffelsteiner ein Album auf. Exklusiv für die Echo-Leser bloggt er über seine Erlebnisse.

Bassist Brandon Roberts und sein fantastisch klingender Ritter Bass. Foto: Copperfield
Bassist Brandon Roberts und sein fantastisch klingender Ritter Bass. Foto: Copperfield

Der zweite Aufnahmetag ist für mich der Spannendste: Die Band, bestehend aus einem Bassisten und einem Schlagzeuger, kommt ins Studio und wir haben genau sechs Stunden Zeit für sieben Songs. Die Zahl Sieben soll ja Glück bringen. Ich bin nervös. Aber die Nervosität legt sich sehr schnell, als wir den ersten Kaffee zusammen trinken und mir die beiden ein gutes Gefühl geben, dass wir das schaffen. Bassist Brandon Roberts, der nicht nur jeden Tag in den Honky Tonk Bars spielt, sondern auch schon mehrere Europatourneen und unzählige Albumproduktionen mit Caleb hinter sich hat, erweist sich als ein abgebrühter, cooler Hund, dem man seine Weltklasse auf den ersten Blick gar nicht ansieht. Ich bin beeindruckt, wie er aus dem Stegreif nicht nur das spielt, was der Track erfordert, sondern auch noch ein Paar richtig schöne „Ear Candys“ in sein Spiel einbaut. Sein Basston, den aus einem sehr edlen Ritter Bass (gebaut in Deutschland)spielt, klingt sofort gut. Wow!

Die Liste der Stars ist lang

Christopher Williams ist derzeit Schlagzeuger bei Metal Legenden Accept. Foto: Copperfield
Christopher Williams ist derzeit Schlagzeuger bei Metal Legenden Accept. Foto: Copperfield

Schlagzeuger Christopher Williams ist für mich ebenso beeindruckend. Auch er arbeitet viel mit Caleb auf Musikproduktionen zusammen und die beiden verstehen sich quasi blind. Der Schlagzeug-Soundcheck dauert 30 Minuten da Chris genau weiß, welches Drumset im Aufnahmeraum der Cygnus Sound Studios für diese Art von Musik am besten klingt. Und in der Tat: Dieser Sound deckt sich auch genau mit meinen Vorstellungen. Chris ist ein unglaublicher Typ. Seit ein paar Jahren ist er Schlagzeuger der deutschen Heavy Metal Legenden Accept. Jawohl Accept! Ich bin seit früher Kindheit ein Fan dieser Band, die regelmäßig auf Wacken spielt und deren Songs weltweit bekannt sind. Aber das ist nicht alles, denn die Liste von Künstlern mit denen er bereits gespielt hat, geht noch weiter: Gene Simmons und Ace Frehley von Kiss, Kid Rock, Mick Mars vonMötley Crüe oder auch Rex Brown von Pantera, und und und.

T.G. Copperfields Studiogitarre: eine 1966er Fender Telecaster. Dürfte circa 10000 Dollar wert sein. Foto: Copperfield
T.G. Copperfields Studiogitarre: eine 1966er Fender Telecaster. Dürfte circa 10000 Dollar wert sein. Foto: Copperfield

Bei der Zusammenarbeit mit ihm merke ich auch, warum er so beliebt ist. Er ist nicht nur freundlich und cool, sondern auch unglaublich effizient. Spielt wie ein Uhrwerk und nichts was er tut, sieht irgendwie angestrengt aus. Ebenso wie Brandon. Kurz vor den Aufnahmen hören wir uns die bereits vorbereiteten Demos ein-, zweimal an. Beide machen sich kurz Notizen und dann spielen wir jeweils den ganzen Song komplett, während das rote Aufnahmelicht leuchtet. Selten, dass wir mehr als zwei Takes brauchen bis wir zufrieden sind. Ein paar kleine Schönheitskorrekturen im Nachhinein mit der Bassgitarre, aber nicht mehr. Kein „Red Light Fever“, alle sind total relaxt. Man merkt, dass die beiden richtig viel Spaß dabei haben, diese Musik zu spielen. Das Material ist sehr vielseitig und erfordert die Kenntnisse unterschiedlicher Spielarten. Kein Problem für Brandon und Chris.

Den Kampf gegen die Zeit gewonnen

Wir sind in fünf Stunden komplett durch und haben sogar noch Zeit, ein Bierchen miteinander zu trinken. Danach verabschieden sich die beiden, weil sie am Abend noch irgendwo einen Gig Downtown spielen bis um 2 Uhr früh. The Life of a Nashville Musician.

Caleb Sherman an der Hammond B3, Baujahr 1946. Foto: Copperfield
Caleb Sherman an der Hammond B3, Baujahr 1946. Foto: Copperfield

Caleb und ich arbeiten dann unmittelbar weiter mit den Aufnahmen. Es ist immerhin noch eine ganze Menge zu tun und wir haben nur noch eineinhalt Tage Zeit. Wir brauchen noch zweite Gitarren, Sologitarren, Akustikgitarren, Gesang, eventuell eine zweite Akustikgitarre und natürlich Hammond und Klavier. Caleb wärmt schon mal seine Hammond B3 Orgel, Baujahr 1946 mit zugehörigem Leslie Cabinet, auf, ich schnappe mir die tolle Gibson-Akustikgitarre, die in einer Ecke des Studios steht und die unglaublich toll klingende Fender Telecaster aus dem Jahr 1966. Leute, das Zeug wird richtig gut und der „Vibe“ ist definitiv zu spüren.

Lesen Sie hier alles über T.G. Copperfields Reise nach Nashville.

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