MyMz
Anzeige

Reiseblog

Copperfields letzter Tag in Nashville

Der Musiker hat sein Album fertiggestellt. Vor seiner Heimreise besuchte er noch typische Orte der Music City.
Von Tilo Copperfield

Das Herzstück von Ocean Way Studio A: Die weltgrößte Neve Konsole Foto: Copperfield
Das Herzstück von Ocean Way Studio A: Die weltgrößte Neve Konsole Foto: Copperfield

Landkreis.Mein letzter Tag in Nashville! Ein bisschen Wehmut überkommt mich, schließlich waren das ein paar superspannende und herausfordernde Tage in der Music City. Aber ich freue mich schon auf die Heimat, meine Frau Julia, die ich schon ganz schön vermisse und Vierbeiner Sgt. Pepper.

Aber ein Highlight steht mir heute noch bevor. Vor meinem Abflug habe ich noch ein Treffen mit Pat McMakin arrangiert. Er ist Director of Operations in einem der renommiertesten Tonstudios der Welt, den Ocean Way Studios in Nashville. Normalerweise sind hier keine Besucher erlaubt, deshalb finde ich es grandios, dass das nach ein paar Emails trotzdem geklappt hat. Ocean Way in Nashville ist schlicht und ergreifend beeindruckend. Ursprünglich eine Kirche, wurde der Gebäudekomplex irgendwann in den 70er Jahren zu einem Theater umfunktioniert und seit 1996 dient er Stars wie Brad Paisley, Sheryl Crow, Alice Cooper, Willie Nelson, 3 Doors Down, Elvis Costello, Avril Lavigne, Beyonce und vielen mehr als Aufnahmeort. Die Liste von bekannten Namen ist schier unendlich. Aber auch für Filmmusik ist das Studio bekannt. Hier nehmen ganze Orchester Soundtracks auf; beispielsweise den Filmscore zu Spiderman. Die Räumlichkeiten sind ganzjährig ausgebucht.

Auf den Spuren der Stars

Pat McMakin empfängt mich sehr nett und gibt mir eine kurze Studiotour. Das Herzstück Studio A beherbergt ein Neve 8078 Mischpult, das größte seiner Art weltweit. Im großen Aufnahmeraum bittet mich Pat keine Fotos zu machen. Als wir reingehen, weiß ich auch warum. Hier nimmt gerade mal wieder eine weltbekannte Band auf und wer das ist, soll natürlich geheimbleiben. Als ich mir das dort gerade aufgebaute Equipment und die Instrumente anschaue, bekomme ich für einen Moment Gänsehaut und frage Pat, was denn so seine Highlights in seinen bisher elf Jahre bei Ocean Way waren. Für ihn persönlich waren es die Aufnahmen mit Schauspieler Steve Martin, der ein Bluegrassalbum hier produziert hat oder die Arbeit mit Willie Nelson, der offensichtlich trotz seines fortgeschrittenen Alters im Studio so relaxt und gut ist, dass man es kaum glauben möchte.

T. G. Copperfield in Nashville

Pat ist superfreundlich und ich bin komplett geflasht von dieser Studiotour. Das war wirklich was ganz Besonderes. Er verabschiedet mich noch und ich gehe heimwärts durch die sogenannte „Music Row“. So heißt das Viertel, in dem fast jedes Gebäude irgendwas mit Musik zu tun hat. Hier findet man Haus an Haus Tonstudios, Verlage, Radiosender oder auf Musikrecht spezialisierte Anwaltskanzleien. Mir fällt auf, dass es ganz schön still ist für ein Viertel, das sich „Music Row“ nennt. Insgesamt ist das aber überall so. Nashville wirkt sehr idyllisch und ruhig, außer am Broadway, wo die Hölle los ist.

Ein Plattenladen, der es in sich hat

Meine letzten Zeilen dieses Blogs widme ich noch meinen Tipps für Nashville-Besucher. Natürlich komplett subjektiv und aus Sicht eines Rockmusikers. Los geht’s:

An der Country Music Hall of Fame kommt man hier nicht vorbei. Wer die Storys von Willie, Johnny, George, Patsy und Co. hautnah erleben will, der sollte hier vorbeischauen.

Reiseblog

Copperfields Album ist im Kasten

Der Sänger hat seinen Songs den letzten Schliff verliehen. Nach getaner Arbeit genießt er die Zeit am Broadway.

Für mich besonders interessant war mein Abstecher zu Third Man Records. Der Plattenladen und gleichzeitig Aufnahmestudio und Label von Musiker Jack White befindet sich in einer zwielichtigen Nachbarschaft, hat aber einzigartige Schallplatten im Angebot, die es nur hier gibt. Der ganze Laden ist eine Schau und es läuft immer gute Musik.

Der Vollständigkeit halber: Ja, in Nashville gibt es auch ein Hard Rock Cafe. Anhand der geballten Musikgeschichte, die man überall in der Stadt erleben kann, verblassen die Memorabilia, die dort ausgestellt sind meiner Meinung nach ein wenig. Aber essen kann man da auf jeden Fall sehr gut.

Für Fashion Victims hat Nashville ebenfalls Einiges zu bieten. Man muss allerdings ein wenig suchen. Für alle, die auf coole Vintage-Klamotten für den „Kaputten Cowboy/Cowgirl-Look“ stehen, habe ich zwei Tipps. Zum einen High Class Hillbilly, das Geschäft von Alternative Country Sängerin Nikki Lane oder Toro im stylishen Viertel 5-Points in East Nashville. Hier findet man kultige Klamotten aus den 70ern und 80ern mit einem Touch Mottengeruch. Sehr cool.

Die Musik ist überall

Die beeindruckende Fotoausstellung von Dorothea Lange im Frist Art Museum Nashville Foto: Copperfield
Die beeindruckende Fotoausstellung von Dorothea Lange im Frist Art Museum Nashville Foto: Copperfield

Für mich persönlich war der Besuch im Frist Art Museum noch ein Highlight. Dort findet man derzeit neben wechselnden Bildergalerien auch die Fotoausstellung von Dorothea Lange. Mit einem schonungslosem Blick für Details hat die Fotografin den Zustand Amerikas zu Zeiten der Depression der 30er Jahre festgehalten. Hier lernt man Einiges über die Migrationsbewegung zu Zeiten der Dust Bowl, in der viele Familien des Mittleren Westens ihre Heimat aufgrund von Hungersnöten, verursacht durch massive Sandstürme, verlassen mussten. Sehr beeindruckend und interessant. Als kleine Randnotiz: Auch im Museum spielt Musik. Eine Band, bestehend aus älteren Herren, gibt im Foyer Klassiker aus der Motown Ära zum Besten.

Last but not least. Wer einen richtigen „Funky Place“ zum Abhängen sucht, dem sei Dino´s Bar empfohlen. Das Lokal gibt es schon ewig und hier ist nicht alles auf Hochglanz poliert. Direkt hinter der Bar werden die Burger gegrillt und es läuft nicht nur Country, sondern auch Hip Hop und Indierock. Macht Spaß hier!

Na dann mach es gut Nashville, es war mir eine große Freude und wir sehen uns bestimmt wieder. Auf dem zehnstündigen Flug nach Hause werden mich die tollen Bekanntschaften, die ich hier mit außergewöhnlichen Menschen machen durfte und die einmaligen Erlebnisse begleiten. Die Musik, die wir hier gemacht haben, hat diese tolle Zeit für immer festgehalten. Amen Rock and Roll!

Alle Teile von T. G. Copperfields Reiseblog können Sie hier nachlesen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht