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Reiseblog

Der Himmel für E-Gitarren-Freaks

Tilo Copperfield erkundet die Schatzkisten der Gitarrenbauer in Nashville – und trifft den Erfinder des Ghostbuster-Effekts.
Von Tilo Copperfield

Im Himmel der Gitarristen: Bei Carter Vintage Guitars. Keine Gitarre unter 5.000 Dollar Foto: Copperfield
Im Himmel der Gitarristen: Bei Carter Vintage Guitars. Keine Gitarre unter 5.000 Dollar Foto: Copperfield

Nashville.Ja, ich gebe es zu. Ich habe ein Laster, eine Sucht. Sozusagen eine geheime und hiermit öffentliche Obsession: ich liebe Gitarreneffektpedale! Jetzt ist es raus und vielleicht hilft es mir, nun damit besser klar zu kommen. Gitarristen wissen natürlich, wovon ich rede.

Es geht um kleine Kästchen, sogenannte Bodentreter, die den Sound des Verstärkers und der Gitarre durch Effekte wie Overdrive, Delay, Reverb und Co. radikal verändern können. Ich besitze einige davon, und wer mich schon mal live gesehen hat, hat sicherlich schon mal bemerkt, dass ich während eines Gigs immer mal wieder auf einem Pedalboard wie verrückt vor mir auf dem Boden herumtrete.

Edelschmiede der Effekte

Warum ich das erzähle? In Nashville gibt es auch eine handvoll sehr erlesener Effektpedalhersteller und ich habe mich mit einem von ihnen getroffen: Zach Broyles, der Inhaber von Mythos Pedals. Seine Effektpedale haben klangvolle Namen wie „Chupacabra“, „Mjolnir“ oder „Runestone“. Mythologische Figuren aus verschiedenen Kulturkreisen. Sie sehen toll aus und klingen „awesome“, wie der Bayer sagt.

Post aus Nashville

  • Blog:

    Seit Samstag ist der aus Treffelstein stammende Musiker Tilo Georg Copperfield unterwegs, um in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee ein eigenes Album aufzunehmen. Für unser Medienhaus berichtet er in einem Blog über seine Erlebnisse während der Reise in die legendäre Metropole der Rockmusik.

Leider sind sie derzeit nicht über einen Vertrieb in Deutschland erhältlich, sondern nur im Direktversand über ihn persönlich. Eigentlich hatte Zach nur kurz Zeit, unsere Unterhaltung war dann aber so interessant, dass wir am Ende dann zwei Stunden miteinander verbracht haben. Zach stellt diese Effektpedale in mühsamer Handarbeit zusammen mit seiner Frau in seinem Apartment in Nashville her. Das heißt vor allem: Platinen zusammenbasteln, Löten, Widerstände einbauen und die Schaltungen zum Laufen bringen, die er selbst durch viel Tüftelei entwickelt hat. Mittlerweile kann das Paar ganz gut davon leben, obwohl der Markt schon ordentlich übersättigt ist. Aber er findet es einfach toll, die Dinge zu tun, die er am meisten liebt. Das finde ich auch toll und man merkt es an der leidenschaftlichen Art, wie er über seine kleinen Meisterwerke spricht.

In der Bildergalerie finden Sie Eindrücke von Copperfields Erkundungstour

Copperfield erkundet die Welt der Gitarrenbauer

Oweh, da haben sich zwei Nerds gefunden und wir verlieren uns in detaillierten Diskussionen über „Fuzz-Faces“, „Tube-Screamers“, das legendäre „Klon-Pedal“, welches auf dem Gebrauchtmarkt für Preise bis zu 2500 Dollar gehandelt wird, seine Lieblings-Amps, meine Lieblings-Amps und und und. Auf die Frage hin, was ihn an Nashville besonders begeistert, antwortet er mir: die vielen Kontakte zu Musikern und die Szene. Ganz nebenbei erwähnt er, dass er früher bei Carter Vintage Guitars gearbeitet hat, eine der besten Adressen für historisch wertvolle Gitarren.

Hier können Sie die Reiseerlebnisse von T.G. Copperfield mitverfolgenT.G. Copperfield in Nashville

Kostbare Akustikgitarren. 50 Jahre und älter  Foto: Copperfield
Kostbare Akustikgitarren. 50 Jahre und älter Foto: Copperfield

Dort ist es schon mal vorgekommen, dass Leute wie Pete Townshend (The Who), Billy Gibbons (ZZ-Top), Country-Superstar Vince Gill oder auch Schauspieler Bill Murray einfach mal vorbeikommen und im Laden abhängen. Bill Murray zu treffen war für ihn ein ganz besonderer Moment. Zach ist nämlich ein Riesen Ghostbusters Fan und hat sogar ein sogenanntes Fuzz-Pedal entwickelt, das den Geisterfallen aus dem bekannten Film nachempfunden war. Er zeigte es damals natürlich dem Schauspieler und der fand das so cool, dass er sich eins mitgenommen hat.

Herz hört auf zu schlagen

Am Ende der Unterhaltung hat mich Zach dann noch eingeladen, mir Carter Vintage Guitars zu zeigen. Da er früher selbst dort gearbeitet hat, kennen ihn dort alle, und als wir dort eintreffen, hört mein Herz für ein paar Sekunden auf zu schlagen. Dieser Gitarrenladen ist der Traum für alle Leute, die jemals eine Gitarre in der Hand gehalten haben. Eine Riesenauswahl an sogenannten Vintage-Gitarren, Verstärkern und Effektgeräten. Ich bin es von Deutschland her gewohnt, dass ein Gitarrenladen vielleicht mal eine oder zwei dieser Kostbarkeiten in einer Glasvitrine hängen hat, aber mit sowas habe ich beim besten Willen nicht gerechnet.

Reise

Copperfield ist in Nashville angekommen

Der Musiker ist im US-Bundesstaat Tennessee eingetroffen, wo er ein Album aufnimmt. Die Bars sind seine erste Anlaufstation.

Ok, ein paar besonders wertvolle Exemplare, wie eine der ersten Gibson Mandolinen (Preis: 130000 Dollar) hängt unscheinbar in einem kleinen Glaskasten an der Wand oder die 1973er Fender Stratocaster, auf der Ed King (Lynyrd Skynyrd) „Sweet Home Alabama“ geschrieben aufgenommen hat (unverkäuflich).

Zach Broyles mit Copperfield  Foto: Copperfield
Zach Broyles mit Copperfield Foto: Copperfield

Eine etwas günstigeres Exemplar einer 1953er Les Paul Goldtop (ebenfalls ursprünglich im Besitz von Ed King) drückt mir Zach dann schließlich in die Hand mit den Worten „you gotta try this!“. Was soll ich sagen; die einmaligste Gitarre, die ich jemals in der Hand hatte. Beim Preis von 40.000 Dollar frage ich mich kurz selbst, ob man denn da noch verhandeln könnte. Aber am Ende gehe ich aus diesem Gitarrenladen raus mit ein paar frischen Gitarrensaiten. Die waren ganz günstig für vier Dollar.

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