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Kultur

Tilo Copperfield reist nach Nashville

In der „Music City“ nimmt der Treffelsteiner ein Album auf. Exklusiv für die Echo-Leser bloggt er über seine Erlebnisse.
Von Magdalena Hechtel

Der Cowboyhut ist Copperfields Markenzeichen. Foto: Hechtel
Der Cowboyhut ist Copperfields Markenzeichen. Foto: Hechtel

Cham.Tilo Copperfield macht nicht nur Musik, er verkörpert sie auch. Lässig sitzendes Hemd, kinnlange, strähnige Haare, darauf ein beiger Cowboyhut mit lila Feder an der Krempe – mit seinem Äußeren wirkt er im Regensburger Café Anton fast schon fehl am Platz. Eine ähnlich wie Copperfield gekleideten Person würde man eher auf einer Ranch in den USA vermuten.

Wie aus den Südstaaten, so klingt auch Copperfields Musik. Er selbst bezeichnet seinen Stil als Mischung zwischen Country, Blues und Rock ‘n‘ Roll. „Diese Musik passt einfach zu Typen vom Land“, sagt er. Und damit auch zu ihm. Tilo George Copperfield, der eigentlich Tilo Georg Preißer heißt, stammt aus Treffelstein, lebt inzwischen aber in der Nähe von Pielenhofen im Landkreis Regensburg – auf einer Ranch. Tom Petty, eines seiner größten Idole, sei wie er ein „Landei“ gewesen. „Er war kein Stadtmensch, hatte statt der U-Bahn den Misthaufen vor der Tür und wurde religiös erzogen.“

Fotos aus Copperfields Leben sehen Sie in der Bildergalerie

Tilo Copperfield öffnet sein privates Fotoalbum

An diesem Samstag kehrt Tilo Copperfield seiner Oberpfälzer Heimat den Rücken und fliegt auf den Spuren seiner Lieblingsmusiker in die USA, genauer gesagt nach Nashville. Die Hauptstadt des Bundesstaates Tennessee heißt in den USA nur „Music City“. Sie ist das Zentrum der US-amerikanischen Country-Musik und Standort zahlreicher Plattenfirmen.

Album wird vor Ort produziert

In Nashville wird Tilo Copperfield ein Album aufnehmen. Dafür stellt ihm ein befreundeter Produzent sein Studio zur Verfügung und hat für den Gast aus Deutschland eine Band organisiert. Zwei Wochen haben Copperfield und die einheimischen Musiker Zeit für die Produktion, bevor es für den Treffelsteiner wieder nach Hause geht. Sorgen wegen der fehlenden Zeit für Proben macht sich Copperfield aber keine. „Natürlich ist es herausfordernd, aber es hat auch seinen Reiz, live einzuspielen“, sagt er. „Der Musik merkt man die Magie des ersten Anspielens an, sie hat mehr Leben, einfach eine andere Energie.“

Hören Sie in T.G. Copperfields neues Album „Magnolia“ hinein

„Wenn man in Nashville vor die Tür geht und fünf Leute sieht, sind wahrscheinlich drei von ihnen tolle Musiker.“

Tilo Copperfield

Ein Mal war Copperfield bereits in Nashville. Begeistert von diesem Besuch ist er bis heute, weshalb für ihn immer klar war, dass er dorthin zurückkehren würde. „Es ist ganz anders, direkt vor Ort zu sein, das ist unglaublich inspirierend“, sagt er. Wenn man in Nashville vor die Tür geht und fünf Leute sieht, sind wahrscheinlich drei von ihnen tolle Musiker“.

Aber nicht nur die Stadt der Musik, sondern die USA an sich haben es Copperfield angetan. „Das Land ist wunderschön, vielfältig, einfach ein Geschenk“, sagt er. „Ich kann mich mit keiner Region musikalisch mehr identifizieren, als mit den USA.“ Zwar habe der Süden mit der Rassendiskriminierung eine schreckliche Vergangenheit hinter sich, durch die aber mit dem Blues wiederum eine faszinierende Musikrichtung entstanden sei. „Dieser Gegensatz reizt mich.“

Durch Vater zur Musik gekommen

Doch wie kommt ein Treffelsteiner Bäckersohn auf amerikanischen Blues? „Schuld“ daran ist Copperfields Vater Georg, oder besser: dessen Plattensammlung. „Mein Vater hat einfach die richtigen Sachen gehört: Johnny Cash, Tom Petty, daneben die Beatles und die Rolling Stones.“ Ihre Lieder kannte Copperfield als Junge auswendig, „eingesaugt“, nennt er es. Zu dem Entschluss, selbst Lieder zu schreiben, brachte ihn jedoch die Rockband Metallica.

Er war noch Schüler, als er zu Weihnachten eine Videokassette geschenkt bekam. Sie zeigt den Entstehungsprozess eines Albums, etwas, das Copperfield nachhaltig beeindruckt hat. „Ich habe das Video wie einen Schatz gehütet“, sagt er. Schon bald begann er, selbst Gitarre zu spielen, mit 16 gründete er schließlich seine erste Band. Das Partyensemble „HoAß“, für das Copperfield bis heute zur Gitarre greift, passt so gar nicht zu seinem jetzigen Musikstil. Der Hintergrund ist simpel: Wir haben das Geld, das wir beim Spielen auf Hochzeiten verdient haben, einfach gebraucht.“

Lieder von Copperfield und Freunden von Ihm hören Sie auf dem Album „Sweet Honey“

Eigene Songs gewünscht

Trotzdem sehnte sich Copperfield immer mehr nach etwas anderem als Covermusik und gründete „3 Dayz Whizkey“, seine zweite Band. Dann kam das erste Soloalbum, mittlerweile sind es fünf. „Eigene Songs vor zehn Leuten zu spielen, ist wesentlich schöner, als fremde vor 1000“, erklärt der Musiker. Über die Jahre wuchs die Routine im Schreiben. Copperfield kann heute relativ schnell einschätzen, ob bei einer Idee für einen Song etwas herauskommen wird oder nicht. Zeiten, in denen er nicht komponiert, hat er fast gar nicht mehr. „Wenn man etwas künstlerisches macht, dann gibt es nichts wichtigeres, das ist ganz komisch.“

Behandelt Copperfield in seinen Songs Themen aus dem eigenen Leben? „Fifty-fifty“, sagt er. „Die anderen 50 Prozent kommen von irgendwo her.“ Musik ist für Copperfield ein Ventil. „Dadurch ist das Leben toll“, sagt er. „Egal, wie schlecht es mir geht, es bleibt zumindest ein guter Song hängen.“ Copperfield weiß, wovon er spricht. Sein Vater Georg starb bei einem Autounfall, sein Auto brannte komplett aus. In Erinnerung an ihn entstand das Album „Tunes to George“.

Mittlerweile, sagt Copperfield, „geht es mir wieder ganz gut“. Das liegt einerseits an seinem Umzug aufs Land, seit dem er „die Natur mit ganz anderen Augen sehen kann“. Aber auch seine Frau Julia macht Copperfield glücklich. „Ihr habe ich viel zu verdanken“, sagt er. Sie unterstützt übrigens seine USA-Reise und kümmert sich um die Pferde auf der heimischen Ranch. Die Lieder für Nashville hat Copperfield im vergangenen Herbst geschrieben, aus 45 Titeln wurden sieben. Vielleicht kommt aber auch alles anders und die „Music City“ inspiriert den Musiker noch zu dem ein oder anderen Song mehr.

Tilo Copperfield nimmt die Bayerwald Echo-Leser hautnah nach Nashville mit. In den kommenden zwei Wochen schreibt er alle zwei Tage von seinen Eindrücken – von seiner Albumproduktion, aber auch von Land und Leuten. Was einem Oberpfälzer in Nashville eben so einfällt.

Hier können Sie die Reiseerlebnisse von T.G. Copperfield mitverfolgenT.G. Copperfield in Nashville

Musik

T.G. Copperfield bringt den Retro-Klang

In seinem neuen Album Magnolia greift T. G. Copperfield den Sound der 70er auf. An Ostern ist er wieder in Cham zu hören.

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