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Ein Genuss für schmale Geldbeutel

Isabell Dachs stellt die Kartoffel und ihre Geschichte vor: Eine Knolle, die über Jahrhunderte arme Leute satt machte.
Von Isabell Dachs

Die Kartoffelernte war eine harte Arbeit, die Konzentration abverlangte. Danach wurde die Ernte mit Pferd und Ochse vom Feld gefahren – wie etwa hier, Mitte der 50er.
Die Kartoffelernte war eine harte Arbeit, die Konzentration abverlangte. Danach wurde die Ernte mit Pferd und Ochse vom Feld gefahren – wie etwa hier, Mitte der 50er. Repro: Dachs

Bad Kötzting.Als Grundnahrungsmittel werden diejenigen Speisen bezeichnet, die in der jeweiligen Kultur mengenmäßig den Hauptbestandteil der Ernährung des Menschen ausmachen. Heutzutage sind wir es gewohnt, in den Supermarkt zu gehen und uns die Lebensmittel zu besorgen, auf die wir gerade Lust verspüren. Denken wir zwei oder drei Generationen zurück, gab es die Möglichkeit nicht. Unsere Vorfahren waren meist auf einige wenige Grundnahrungsmittel angewiesen. Um was es sich dabei handelte, hing von kulturellen, klimatischen und wirtschaftlichen Faktoren ab.

Eier, Milch, Getreide und dessen Mehl, Rahm, Rüben und Kartoffeln waren fast das ganze Jahr über vorhanden. Hinzu kamen noch saisonbedingte Lebensmittel, wie verschiedenes Obst, Gemüse, Waldfrüchte und „Schwammer“ (Pilze). In dieser Woche wollen wir in unserer Reihe „Vergessene Rezepte: Genüsse aus Omas Küche“ die Kartoffel, oder wie wir sagen „d´Eapfe“ etwas genauer beleuchten.

Preußenkönig ist der Kartoffelvater

Isabell Dachs präsentiert in der neuen MZ-Serie „Vergessene Gerichte: Genüsse aus Omas Küche“.
Isabell Dachs präsentiert in der neuen MZ-Serie „Vergessene Gerichte: Genüsse aus Omas Küche“. Foto: kbd

Anfang des 16. Jahrhunderts brachten spanische Entdecker und Eroberer die Kartoffel mit nach Europa. Zunächst konnte sie sich nicht durchsetzen. Getreide-Missernten über mehrere Jahre hinweg veranlassten den Preußenkönig Friedrich den Großen (1712-1786), eine Anbaupflicht für Kartoffeln zu erlassen. Fast 30 Jahre dauerte es, die Vorurteile der Bauern gegenüber der braunen Knolle aufzuheben. Friedrich ließ dazu auf öffentlichen Plätzen eine „Einführung in die Kartoffelkunde“ abhalten. Beamte mussten das Volk unterrichten, wie die Kartoffel richtig anzubauen und zuzubereiten sei.

Als schließlich klar war, dass die Kartoffel die Bevölkerung vor Hungersnöten bewahren kann, und weil sie auch mit den klimatischen Bedingungen und den oftmals steinigen und kargen Böden des Bayerischen Walds zurechtkommt, wurde sie auch bei uns angebaut. Sie galt lange Zeit als „Arme-Leute-Essen“. Der Spruch „Jetzt müssen wir eine Zeit lang nur Kartoffeln essen“, zeugt davon, dass der Verzehr der Knolle mit Sparsamkeit oder gar Armut verbunden war.

Lesen Sie hier den ersten Teil von „Vergessene Rezepte: Genüsse aus Omas Küche“: einen Apfelstrudel aus Kartoffelteig

Es werden nur wenige Zutaten für eine Kartoffeltorte benötigt.
Es werden nur wenige Zutaten für eine Kartoffeltorte benötigt. Foto: Dachs

Außerdem war der Anbau mühsam, solange keine Maschinen zum Einsatz kamen. Seit nach dem Zweiten Weltkrieg bedrohte außerdem ein Schädling die deutschen Kartoffeläcker: der Kartoffelkäfer. Seine Larven fressen das Laub ab, so dass die Pflanze eingeht. Es ging das Gerücht, den Käfer hätten amerikanische Bomber im Krieg abgeworfen. In Wirklichkeit war er schon mit über den Ozean eingeschleppt worden. Bei der Kartoffelarbeit mussten früher alle mithelfen, vor allem beim „Eapfeklaub’n“.

Die Zutaten für den Teig wurden vermengt, die Form gebuttert und mit Semmelbröseln ausgestreut.
Die Zutaten für den Teig wurden vermengt, die Form gebuttert und mit Semmelbröseln ausgestreut. Foto: Dachs

Die Kartoffeln aus der Erde zu harken, ohne sie zu verletzen und sie anschließend aufzusammeln, war eine schweißtreibende und rückenfeindliche Arbeit. In guter Erinnerung blieben dabei aber immer die Kartoffelfeuer, die es heute in der Regel nicht mehr gibt. Früher musste mit der Ernte gewartet werden, bis das Kraut trocken geworden war. Das dauerte bis Mitte Herbst. Nach der Ernte wurde das Kraut zusammengerecht und verbrannt. Vor allem die Kinder spießten sich dann eine Kartoffel auf einen Stock und hielten sie zum Garen ins Feuer. Die schmeckten besser als jedes Kartoffelgericht, auch wenn sie eine verbrannte Schale hatten und innen selten gar wurden. Heute wird das Kraut vorher gespritzt, dass es eingeht.

Knolle ist eine Vitamin-C-Bombe

Bis heute hat die Kartoffel zu Unrecht mit ihrem Ruf zu kämpfen. Die Knolle ist kalorienarm und besteht zu 77 Prozent aus Wasser. Sie enthält viel Vitamin C, sowie wichtige Mineralien und Spurenelemente. Außerdem macht sie satt und ist für die vegetarische und vegane Ernährung bestens geeignet.

Lesen Sie hier den zweiten Teil von „Vergessene Rezepte: Genüsse aus Omas Küche“: Maultaschen mit Grieben

Während die Eier schaumig gerührt werden, soll der Zucker einrieseln.
Während die Eier schaumig gerührt werden, soll der Zucker einrieseln. Foto: Dachs

Um sie für den Verzehr interessanter zu machen, haben sich viele Rezepte rund um „den Oapfe“ entwickelt. Allein das „Bayerische Kochbuch“, nach dem in vielen Hauswirtschaftsschulen gelehrt wurde, enthält über 50 Kartoffelgerichte. Heute findet sie oftmals leider nur mehr als Beilage den Weg auf unsere Teller. Für ein Projekt-Seminars haben sich Schüler des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in Bad Kötzting im vergangenen Jahr mit historischen Gerichten beschäftigt und ein Kochbüchlein dazu herausgebracht. Einige Seiten darin sind auch Kartoffelgerichten aus der Oberpfalz gewidmet. Wir haben daraus eine Kartoffeltorte nachgekocht, die aus dem Altbayerischen Kochbuch von 1824 stammt:

Frisch aus dem Ofen ist die Torte ein besonderer Genuss.
Frisch aus dem Ofen ist die Torte ein besonderer Genuss. Foto: Dachs

Die gekochten Kartoffeln werden geschält und müssen für die weitere Verarbeitung abkühlen. Anschließend werden sie mit einer Kartoffelreibe fein gerieben. Die Eier und der Zucker werden in eine Rührschüssel geben und schaumig gerührt. Nach und nach können Sie die geriebenen Kartoffeln zugeben, sowie die abgeriebene Zitroneschale und das in kleine Würfel geschnitten Fruchtfleisch. Die Zutaten müssen nun gut miteinander vermengt werden.

Die Kartoffeltorte ist fertig – sie ist warm und kalt gut.
Die Kartoffeltorte ist fertig – sie ist warm und kalt gut. Foto: Dachs

Als nächstes wird die Kuchenform (Springform 26 Zentimeter) innen mit Butter bestrichen und der Boden komplett mit Semmelbrösel ausgestreut. Danach kann der Teig in eine Form eingefüllt werden. Es ist zu beachten, dass die Springform hoch genug ist, weil die Kartoffeltorte noch hochbackt. Laut dem Kochbuch „Gerichte aus der Geschichte“ soll die Torte nun bei 160 bis 180 Grad etwa 30 bis 40 Minuten in den Ofen. Bei unserem Versuch haben wir festgestellt dass 30 Minuten bei weitem nicht ausreichend sind, 45 Minuten braucht die Torte mindestens. Danach soll sie aus der Form herausgestürzt und kann dann nach Belieben verziert werden. Wir haben sie bereits noch warm probiert, da uns die Kombination Kartoffeln mit Zitrone etwas eigentümlich erschien. Kalt ist sie sehr erfrischend. Wer es herzhaft und fruchtig liebt, für den ist diese Torte genau das Richtige. Mit einem Kuchen, oder gar einer Sahnetorte nach dem heutigen Sinn hat das Gebäck aber nicht viel gemein.

Die Zutaten

  • Genuss:

    Hier finden Sie die Zutaten für eine Kartoffeltorte.

  • Zutaten:

    500 Gramm Kartoffeln; 8 Eier; 250 Gramm Zucker; die abgeriebene Schale und das Fruchtfleisch einer Zitrone; Butter zum Einfetten der Form; Semmelbrösel (Paniermehl)

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