MyMz
Anzeige

Serie

Ein Schmankerl nach alter Schule

Hilde Wieser aus Riedersfurt hat das Kochen von der Pike auf gelernt. Sie verrät uns ihr Rezept für Maultaschen mit Grieben.

Die Maultaschen mit Grieben sind fertig.
Die Maultaschen mit Grieben sind fertig. Foto: kid

Bad Kötzting.In unserem ersten Teil „Vergessene Rezepte: Genüsse aus Omas Küche“ haben wir einen Apfelstrudel aus Kartoffelteig vorgestellt. Aus dem gleichen Teig lässt sich auch ein herzhaftes Gericht zubereiten. Wer es gerne deftig mag, kann daraus Maultaschen mit Griebenfüllung machen. Hilde Wieser aus Riedersfurt hat sie uns beschrieben.

Vielen Frauen im Landkreis ist Hilde Wieser noch als stellvertretende Kreisbäuerin oder durch ihre Koch- und Bastelkurse bekannt. Am Aignerhof (heute Wieserhof) in Riedersfurt geboren, war sie ein Nachzügler. Im Jahr ihrer Geburt 1929 war die älteste Schwester bereits 21 Jahre alt und feierte Hochzeit. Die jüngste Schwester war sieben und ihr passte es nicht, dass sie oft auf die kleinere aufpassen musste. Die Mutter, drei Knechte (Weiberleut waren bei ihrer Mutter nicht erwünscht) und die Kinder bewirtschafteten zu Hause den Hof, während der Vater, ein Viehhändler, die ganze Woche auswärts „auf der Handelschaft“ unterwegs war.

Sonntags gab es das Schweinerne

Als Hilde Wieser schulpflichtig wurde, gab sie ihre Mutter zu guten Bekannten ins damalige Café Klingseisen in der unteren Marktstraße in Kötzting. Eine ihrer Aufgaben dort war es, beim Lukas am Regen (heute noch Lukasgasse) die Milch zu holen. Darum weiß sie auch noch gut, wie im Winter im Regen das Eis geschnitten wurde. In Ermangelung anderer Kühlmöglichkeiten befanden sich unter vielen Häusern in Kötzting Eiskeller. Die Eisblöcke wurden in die Keller gebracht und dienten den Sommer über zur Kühlung verderblicher Lebensmittel. Das Café Klingseisen hatte seinen Eiskeller beim Osl am oberen Markt. „Da gab es Säcke mit Quasten daran, die wurden mit Eis gefüllt, und an den Quasten konnte man sie tragen. Mit dem Leiterwagerl haben wir sie dann in den unteren Markt gebracht“, erinnert sich die 87-Jährige.

Lesen Sie hier den ersten Teil von „Vergessene Rezepte: Genüsse aus Omas Küche“: einen Apfelstrudel aus Kartoffelteig

Mehl, Kartoffeln, Eier und Salz werden für den Teig gebraucht.
Mehl, Kartoffeln, Eier und Salz werden für den Teig gebraucht. Foto: kid

Im Laden, einer Konditorei, musste Hilde Wieser gelegentlich auch mithelfen, besonders im Sommer, wenn dort Speiseeis verkauft wurde. Zu essen gab es im Café Klingseisen mittags meistens Salzkartoffel, Gemüse der Saison und fünfviertel Pfund Rindfleisch (Suppenfleisch) für die Familie und die Bediensteten. Sonntags kam dann das Schweinerne auf den Tisch. 1943 wurde das Café schließlich geschlossen, unter anderem, weil der Hausherr einrücken musste, und so kam Hilde Wieser wieder heim nach Riedersfurt. Ihre Mutter, die aus der Hartmühle bei Patersdorf stammte, hatte sich nach ihrer Hochzeit auf dem Aignerhof mit Hilfe von Strafgefangenen eine dreistöckige Hausmühle einbauen lassen und mahlte das benötigte Mehl selbst. Was beim Mahlvorgang als Nebenprodukt übrigblieb, bezeichnete ihre Mutter als „Grejs“ (vermutlich Kleie) und den hat sie auch verkocht, erinnert sich Hilde Wieser noch gut. Der „Grejs“ kam mittags in eine Reine, wurde mit Milch übergossen und bis zum späten Nachmittag stehen gelassen, damit er sich vollsaugen konnte. Wenn dann „zur Nachtsuppe“ wieder eingeheizt wurde, buk sie das Ganze im Ofen aus, entfernte die braune Milchhaut und es kam Schmalz darüber. Dazu gab es „a gstandene Milch“ oder Birnenmost.

Mutter hatte in der Küche das Sagen

Hilde Wieser, zweite Reihe von unten ganz links, damals in der Winterschule.; vorne links im schwarzen Kleid die Leiterin Elisabeth Minuth
Hilde Wieser, zweite Reihe von unten ganz links, damals in der Winterschule.; vorne links im schwarzen Kleid die Leiterin Elisabeth Minuth Repro: kid

„Meiner Mutter ist das Schmalz nie ausgegangen, sie hatte immer ein Schmalzpfandl beim Ofen stehen. An Schmalz und Rahm hat es bei uns nie gefehlt, daran wurde nicht gespart“, so erzählt die Hauswirtschaftsmeisterin. „Was ich narrisch gern mochte, das waren ghopste Eapfe“, weiß sie noch. Dazu wurden Kartoffeln in Würfel geschnitten, in Salzwasser gekocht und abgeseiht. Die Kartoffelstücke kamen dann mit Butter und Rahm und viel Schnittlauch in eine Reine und wurden im Ofen aufgebacken. Kartoffeln waren in großen Mengen vorhanden. Acht Tagwerk (etwa 2,4 Hektar) baute ihre Mutter immer an, wobei einzelne Bifänge (zwischen zwei Furchen liegendes Ackerbeet) gegen Arbeitsleistung an fremde Leute verpachtet wurden. Nach ihrer Hochzeit 1948 mit dem Metzger und Gastwirtssohn Heinrich Wieser aus Kötzting, übernahmen die beiden das elterliche Anwesen in Riedersfurt.

Ihre Mutter führte weiterhin das Regiment in der Küche, die Arbeitskraft „der Jungen“ wurde draußen benötigt. „Auch mein Mann konnte besser kochen als ich, er hat immer mit seiner Mutter in der Wirtshausküche geholfen“, so erzählt sie. 1953, nach der Geburt ihres dritten Kindes (eines war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben) entschloss sich Hilde Wieser mit 27 Jahren, die Winterschule in Kötzting zu besuchen, da ihr Mann einen Lehrbetrieb aufbauen wollte.

Die damalige Leiterin der Hauswirtschaftsklasse, Elisabeth Minuth, ließ jedoch keine Gastschülerinnen zu, was zur Folge hatte, dass Wieser ihre beiden kleinen Kinder der Mutter überlassen musste und sie Internatsschülerin wurde. Bis zu ihrer Prüfung zur Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft in Landau 1963 hatte Hilde Wieser nochmals zwei Kindern das Leben geschenkt, und nebenbei hieß es lernen. Vielen Lehrlingen und interessierten Frauen hat sie seitdem das Kochen beigebracht. Aufgrund eines Beinleidens kann sie heute selbst nicht mehr in der Küche stehen. Sie wird von ihrer Familie, allen voran ihrer Tochter Hildegard umsorgt. Von allen liebevoll „Oni“ genannt, ist sie der ruhende Pol auf dem Hof.

Bei 180 Grad 45 Minuten im Ofen

Die Maultaschen werden in die Reine geschlichtet.
Die Maultaschen werden in die Reine geschlichtet. Foto: kid

Nach ihrer Anleitung haben wir die Maultaschen mit Griebenfüllung zubereitet. Die Kartoffeln für den Teig sollten bereits am Vortag gedämpft werden. Auf das Mehl werden die Kartoffeln gerieben. Ei(er) und Salz werden zugegeben und dann alles zu einem geschmeidigen Teig verknetet. Der Teig wird zu einer Rolle geformt und sollte dann mindestens eine halbe Stunde ruhen. Von der Rolle werden Scheiben abgeschnitten und über diese mit einem Nudelholz ein- bis zweimal darüber gewalkt. Je nach Größe der kleinen Fladen wird ein Löffel voll Grieben in die Mitte gesetzt und der Fladen eingeschlagen und die Teigränder festgedrückt. Die Maultaschen werden in eine gut gefettete Bratreine geschichtet und kommen für etwa 45 Minuten bei 180 Grad ins Backrohr.

Inzwischen werden die restlichen Eier aufgeschlagen und mit Rahm vermischt. Wenn die Maultaschen oben schön braun sind, werden sie mit der vorbereiteten Masse übergossen. Ist das Eier-Sahne-Gemisch dann fest und oben etwas braun, dann sind die Maultaschen fertig.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht