MyMz
Anzeige

MZ-Serie

So gut: Die süßen Oster-Schmankerl

Mit Ostern endet die Fastenzeit. Dann sind süße Spezialitäten der Bayerwaldküche gefragt. Ein Geheimtipp aus „Omas Küche“.
Von Isabell Dachs

Der absolute Klassiker der Osterküche: das Osterlamm. Doch es gibt auch andere süße Spezilitäten.
Der absolute Klassiker der Osterküche: das Osterlamm. Doch es gibt auch andere süße Spezilitäten. Foto: Isabell Dachs

Bad Kötzting.An diesem Wochenende endet mit dem Hochfest Ostern die Fastenzeit und es darf aus christlicher Sicht wieder alles gegessen werden. Mit der Vesper beginnt am Abend des Gründonnerstags das sogenannte „Triduum Sacrum“, also die Feier der drei österlichen Tage Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag und schließt mit der Auferstehung des Herrn.

Beim festlichen Gloria der Abendmahlmesse am Gründonnerstag läuten alle verfügbaren Glocken der Kirche. Danach verstummen sie noch, zusammen mit der Orgel in allen katholischen Gemeinden aus Trauer um den Kreuzestod Jesu bis zur Osternachtsfeier. Im Volksmund heißt es: „Die Glocken fliegen nach Rom.“ Dort legen sie beim Heiligen Vater die Beichte ab und bitten ihn um seinen Segen. Das Verstummen der Glocken und der Orgel wird auch als „Fasten für die Ohren“ angesehen.

Karfreitagsratscher sind unterwegs

Die Karfreitagsratscher aus Weißenregen
Die Karfreitagsratscher aus Weißenregen Foto: Isabell Dachs

Einige Familien im Bayerischen Wald pflegen zum Osterfest noch altes Brauchtum und halten somit die Traditionen hoch, die bisweilen schon in Vergessenheit geraten sind. So sind in manchen Orten auch noch die „Karfreitagsratscher“ unterwegs. Wenn an den Kartagen das Glockengeläut der katholischen Kirchen schweigt, wird es durch hölzerne Instrumente, die Ratschen ersetzt. 1997 hatte der Heimatverein der ehemaligen Gemeinde Weißenregen den Brauch des Karfreitagsratschens wieder aufgegriffen. Der bereits verstorbene Anton Froschhammer aus Weißenregen hatte nach einer alten Vorlage zwei Ratschen nachgebaut, mit denen die Ministranten seither am Karfreitag wieder von Tür zu Tür gehen, ihren Spruch aufsagen und die lauten Instrumente erklingen lassen. Sie werden dafür mit kleinen Gaben entlohnt.

Als fast schon ausgestorben gilt der Brauch der „Steckerlweihe“. Zur Osternacht wird am Kirchplatz das Osterfeuer entzündet, gesegnet und die Osterkerze daran entfacht. Bauern halten ihre mitgebrachten Haselnussstecken ins Osterfeuer. Daraus fertigen sie zu Hause kleine Kreuzchen. Die Holzkreuzchen werden dann an die vier Ecken der Felder gesteckt und sollen Gottes Segen für eine gute Saat bringen und alles Böse von Acker und Flur fernhalten. Nicht nur vor Hexen, auch vor dem „Bilmesschneider“ sollen die Kreuze die Felder schützen. Ein alter Aberglaube besagt, dieser gehe mit einer silbernen Sichel am Fuß durch die Kornfelder und schneidet die Halme ab. In manchen Orten, wie beispielsweise in Rimbach, versucht der Obst- und Gartenbauverein den Brauch der „Steckerlweihe“ nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Eier selbst natürlich färben

Formen für Osterlämmer dürften viele zu Hause haben.
Formen für Osterlämmer dürften viele zu Hause haben. Foto: Isabell Dachs

Den meisten noch bekannt ist die österliche Speisensegnung, die ihren tiefen Sinn darin hat, die Tischgemeinschaft über symbolhaftes Essen mit dem Auferstandenen daheim im kleinen Kreis weiter zu feiern. Bereits vor 1000 Jahren wurden in Rom Osterlamm, Milch und Honig, Käse, Butter und Brot gesegnet. Die Speisensegnungen verbinden sich bei uns mit der Auferstehungsfeier oder der Messe am Ostersonntag. Manche Leute tragen heute allein die gefärbten Eier und ein gebackenes Osterlamm zur Weihe. In der Regel bestehen die Osterspeisen bei uns aber auch aus Fleisch (meist Geselchtem), Brot (Osterbrot aus Hefeteig) und Salz. Hilde Wieser aus Riedersfurt bei Bad Kötzting erzählt uns, dass sich bei ihnen seit jeher auch Kren (Meerrettich) im Weihekorb befunden hat.

Hier finden Sie alle Teile unserer Reihe „Vergessene Rezepte: Genüsse aus Omas Küche“

Seit dem 12. Jahrhundert wurde von der katholischen Kirche die „benedictio ovorum“, die Eiersegnung eingeführt. In der christlichen Theologie gilt das Ei als Symbol der Auferstehung. Wer künstliche Farben nicht mag, da sie oft bis ins Eiweiß abfärben oder wer als Allergiker auf künstliche Farbstoffe empfindlich reagiert, kann die Eier mit natürlichen Materialen färben. Diese Färbungen sind zwar oft nicht so kräftig, dafür aber frei von eventuellen Nebenwirkungen. So wählt man – je nach Farbe – passende Gemüsesorten und zerkleinert sie. 200 Gramm des Gemüses mit einem Liter Wasser und einem Esslöffel Essig gemischt, werden 30 Minuten miteinander verköchelt. Beispielsweise Spinat und Petersilie färben die Eier grün, für Orange nimmt man Gelbe Rüben, und für Rot eignen sich Rote Beete und Rotkohl. Das bekannteste natürliche Färbemittel ist wahrscheinlich Zwiebelschale, die die Eier entweder in einem satten Braun, oder je nach Zwiebel auch rot werden lässt. Hilde Wieser kann sich noch gut daran erinnern, dass ihre Mutter zum Eierfärben immer Krepp-Papier benutzt hat. Das Krepp-Papier wurde in kaltes Wasser gelegt und entfärbte sich dadurch. Das gefärbte Wasser wurde dann erhitzt, Essig dazugegeben und die Eier darin bunt gemacht.

Schon ein Augenschmaus: die falschen Spiegeleier
Schon ein Augenschmaus: die falschen Spiegeleier Foto: Isabell Dachs

Natürlich wurde auch verschiedenes Gebäck zu Ostern aufgetischt. Kuchen in Form von Lämmern oder Hasen sind heute noch beliebt. Ein spezielles Ostergebäck hat uns Hilde Wieser, Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft verraten. Sie hat die „falschen Spiegeleier“ schon für ihre Kinder gemacht und auch ihre Enkel freuen sich heute noch auf die Spezialität, die seitdem immer an Ostern auf den Wieserischen Tisch kommt. Die falschen Spiegeleier sind einfach zu machen. Sie bestehen im Wesentlichen nur aus Mürbteigplätzchen mit Buttercremeauflage und einer Aprikose in der Mitte, was ihnen das Aussehen von Spiegeleiern verleiht, daher auch der Name.

Mürbeteig braucht kalte Zutaten

Die Mürbteigplätzchen
Die Mürbteigplätzchen Foto: Isabell Dachs

Für den Mürbteig ist es wichtig, dass die Zutaten kalt verarbeitet werden. Ei, Zucker, Butter, Vanillinzucker und eventuell Rum werden gut miteinander verrührt. Dann wird Mehl und Backpulver dazu geben und alles zu einem schönen Teig verknetet. Der Teig sollte dann mindestens eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen, besser wären zwei Stunden. Wenn wir den Teig zur Weiterverarbeitung aus dem Kühlschrank nehmen, sollte er sich gut ausrollen lassen. Den Teig dann etwa zwei Messerrücken dick ausrollen und mit einer entsprechenden Form von sechs bis acht Zentimetern Durchmesser (Glas oder Tasse) runde Plätzchen ausstechen. Wer Probleme beim Ausrollen des Mürbteiges hat, hier ein kleiner Trick. Legen sie ihn auf eine Frischhaltefolie und geben sie eine zweite darüber. Dann wird der Teig mit dem Nudelholz ausgerollt und zur Weiterverarbeitung die oberste Folie abgenommen. Der Trick funktioniert übrigens auch sehr gut, wenn es darum geht, einen Teig zusammenzurollen. Die ausgestochenen Mürbteigtaler werden auf ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Blech gelegt und im Ofen bei mittlerer Hitze, von 180 bis 200 Grad, etwa zehn bis 15 Minuten gebacken. Die Plätzchen sind fertig, wenn sie beginnen, sich am äußeren Rand leicht braun zu färben. Dann werden sie sofort zum Abkühlen aus dem Ofen genommen. Sie können die Plätzchen bereits Tage vor Ostern backen und erkaltet in einer Blech- oder Kunststoffdose aufbewahren, damit sie mürb, sprich weicher werden.

Buttercreme lässt sich verändern

Als Überzug verwenden wir die klassische reine Buttercreme. Sie ist sehr gehaltvoll, hat aber den Vorteil, dass sie eingefroren werden kann. Dazu wird frische Butter, die weich sein sollte (nicht direkt aus dem Kühlschrank) gut gerührt, bis sie schön schaumig ist. Nach und nach den Puderzucker, am besten gesiebt, langsam dazu rühren. Abwechselnd dazu das Eigelb unterrühren und alles gut vermengen. Die Creme wird dann auf die Mürbteigplätzchen gestrichen und darauf mittig eine halbe Aprikose platziert. Fertig sind die falschen Spiegeleier.

Zutaten

  • Mürbteigplätzchen:

    150 Gramm Butter; ein Ei, 100 Gramm Zucker, 300 Gramm Mehl, eine Messerspitze Backpulver, ein halbes Päckchen Vanillinzucker, ein Esslöffel Rum (nach Belieben); eine Prise Salz

  • Buttercreme:

    250 Gramm weiche Butter oder Margarine, 250 Gramm Puderzucker, 2 bis 3 Eigelb, Aprikosenhälften

Grundsätzlich lässt sich reine Buttercreme nach Belieben verändern, entweder durch Zugabe von Vanille, Likör, Rum, in heißem Wasser aufgelöstem Kaffee, Fruchtpüree, geschmolzene Schokolade oder Kakaopulver. Sollten Sie also einmal zu viel angerührt haben, können sie die Buttercreme einfrieren und eine Variation zum Füllen oder Aufstreichen einer Torte verwenden. Wichtig ist, dass Butter und Eier für die Creme frisch sind und das fertige Produkt nach der Verarbeitung immer genügend kalt gestellt und bald verzehrt wird.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht