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MZ-Rechtsserie

Wie Sie einen Streit ums Erbe vermeiden

Unsere Rechtsexpertin klärt über die Möglichkeiten auf, wie sich der Nachlass unter den Erben verwalten lässt.
Von Elke Kestler

Jeder Erblasser hat es in der Hand, durch Errichtung einer letztwilligen Verfügung eine Erbengemeinschaft zu vermeiden. Foto: Büttner/dpa
Jeder Erblasser hat es in der Hand, durch Errichtung einer letztwilligen Verfügung eine Erbengemeinschaft zu vermeiden. Foto: Büttner/dpa

Cham. Stirbt ein Mensch, so treten an seine Stelle entweder ein oder mehrere Erben. Wer erbt, ergibt sich nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolge oder aus dem Inhalt des vom Erblasser errichteten Testaments oder Erbvertrages.

Erben mehrere Personen, was bei gesetzlicher Erbfolge meistens der Fall ist, so bilden diese eine Erbengemeinschaft. Der gesamte Nachlass geht auf alle Erben über. Rechte einzelner Miterben an einzelnen Nachlassgegenständen bestehen ausdrücklich nicht. Vielmehr gehört der gesamte Nachlass allen Erben gemeinsam. Sie bilden eine sogenannte Gesamthandsgemeinschaft.

Zunächst sind das ererbte Vermögen und das Privatvermögen jedes Erben getrennt. Erst mit Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft und Zuweisung der einzelnen Nachlassgegenstände an die einzelnen Miterben gehen diese ins Privatvermögen über.

Mögliches Vorkaufsrecht

Das hat zur Folge, dass ein einzelner Miterbe nicht Besitz an einzelnen Nachlassgegenständen ergreifen oder einzelne Nachlassgegenstände gar veräußern oder anderweitig darüber verfügen kann. Er kann lediglich über seinen gesamten Anteil am Nachlass verfügen, also seinen Erbteil als solches auf einen Miterben oder eine nicht an der Erbengemeinschaft beteiligte Person übertragen. Im letzteren Fall steht den übrigen Miterben bei einem entgeltlichen Verkauf des Erbteils sogar ein Vorkaufsrecht zu.

Die MZ-Rechtsserie

  • Unsere Serie

    „Alles, was Recht ist“ haben wir 2017 wieder aufleben lassen – mit altbekannten und neuen Autoren. Sie erscheint samstags im Landkreis-Teil unserer Lokalzeitungen. In einer Woche – in der Ausgabe vom 19. Januar – schreibt Rechtsanwalt Christoph Treml seinen nächsten Beitrag in unserer Reihe zu einem Thema, das jeden betrifft. Es geht um die Neuerungen im Steuerrecht im Jahr 2019.

  • Elke Nicole Kestler:

    Unsere Autorin ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Erbrecht.

  • Kontakt:

    Kanzlei Waldmünchen, Obere Bräuhausstraße 1, 93449 Waldmünchen, Telefonnummer (0 99 72) 30 03 69 0, Faxnummer (0 99 72) 30 03 69 50 0, E-Mail-Adresse buero@anwalt-kestler.de. Die Internetseite ist unter www.anwalt-kestler.de zu finden.

  • Telefonische Erreichbarkeit:

    Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr

Gerade die gemeinschaftliche Verwaltung des ererbten Vermögens führt oftmals zu Problemen und Streitigkeiten unter den Miterben. Denn: „Die Verwaltung des Nachlasses steht den Erben gemeinschaftlich zu“, bestimmt das Gesetz. Ein Mehrheitsprinzip ist nicht vorgesehen, so dass für die Durchführung einer Verwaltungsmaßnahme die Zustimmung aller Miterben erforderlich ist. Eine Ausnahme hiervon bilden nur Maßnahmen der sogenannten Notwendigen Verwaltung, also in der Regel nicht aufschiebbare Abwehrmaßnahmen. Aber auch diese dürfen nicht gegen den ausdrücklichen Willen eines Miterben erfolgen.

Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft

Verwaltet wird das ererbte Vermögen bis zur Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Darunter ist nicht nur die Verteilung der einzelnen Nachlassgegenstände unter den Erben zu verstehen. Vielmehr sind zuvor sämtliche Nachlassverbindlichkeiten zu berichtigen.

Weitere Beiträge aus unserer Rechtsserie finden Sie hier

Dazu gehören nicht nur Schulden des Erblassers, sondern beispielsweise auch die Erfüllung von Pflichtteilsansprüchen. Grundsätzlich kann jeder Miterbe jederzeit ohne Rücksicht auf die Interessen seiner Miterben die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft verlangen. Was zwangsläufig zur Pflicht der übrigen Miterben führt, an der Auseinandersetzung mitzuwirken, also an allen dafür erforderlichen Maßnahmen.

In der Praxis läuft die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft regelmäßig in mehreren Teilauseinandersetzungen ab. So werden zunächst Bankguthaben und Hausrat verteilt, anschließend Immobilien und Wertgegenstände veräußert und der Reinerlös unter den Miterben aufgeteilt. Voraussetzung ist, dass sich die Miterben über diese Vorgehensweise einig sind. Denn ein Anspruch auf Teilauseinandersetzung besteht nicht.

MZ-Serie

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Das Streitpotential innerhalb einer Erbengemeinschaft ist immens. Jeder Erblasser hat es jedoch in der Hand, durch Errichtung einer letztwilligen Verfügung eine Erbengemeinschaft zu vermeiden oder zumindest Regelungen zu deren Verwaltung und Auseinandersetzung zu treffen, damit Konflikte unter den Miterben weitestgehend ausbleiben.

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