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Tiere

Beim Geld hört die Tierliebe auf

Oberpfälzer Tierheime stehen vor einer angespannten finanziellen Lage. Auch weil die Kommunen wenig Unterstützung bieten.
Von Cathérine Simon, dpa, und Bettina Griesbeck, MZ

Kommunen müssen für Fundtiere zahlen – doch im Alltag kämpfen die Tierheime trotzdem oft um jeden Cent. .
Kommunen müssen für Fundtiere zahlen – doch im Alltag kämpfen die Tierheime trotzdem oft um jeden Cent. .Foto: dpa

Regensburg.Fast 160 Welpen und kleine Katzen aus zwei illegalen Transporten hat das Nürnberger Tierheim vor einem Jahr bei sich aufgenommen. Die Polizei aus Weiden hatte die Tiere beschlagnahmt. Da Nürnberg die Kapazitäten für einen solchen Transport und eine Quarantäne-Station hat, wurden die Tiere dorthin gebracht. Auf 250 000 Euro Kosten sind die Helfer dennoch bis heute sitzengeblieben. Gespräche mit der Stadt Weiden dauern an. Beim Geld hört für viele Kommunen die Tierliebe auf. Dabei sind sie gesetzlich verpflichtet, für Fundtiere zu bezahlen.

Je nach Kommune bekommen die Tierheime derzeit Pauschalen pro Einwohner, pro Fundtier oder auch per Einzelabrechnung. Letzteres bedeutet für die Tierheime einen riesigen Verwaltungsaufwand. Wie viel die Heime von den Kommunen bekommen, ist ebenfalls extrem unterschiedlich. Die Einwohnerpauschalen liegen laut Deutschem Tierschutzbund zwischen fünf Cent und einem Euro. Die Hilfsorganisation fordert zusätzlich staatliche Unterstützung von jährlich einer Million Euro.

Die Kosten steigen stetig

Der TierschutzvereinRegensburg finanziert sich laut des Vorsitzenden Gustav Frick zu 90 Prozent aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. „Wenn die Spenden nicht wären, müssten wir morgen zusperren.“ Die Stadt unterstütze die Einrichtung in der Pettendorfer Straße (Stadtteil Winzer-Kager) mit 75 000 Euro im Jahr, vom Landkreis bekomme der Verein nur 20 000 Euro. Der Landkreis könnte Fricks Meinung nach schon etwas mehr dazuzahlen. Rund Hundert Hunde und Katzen habe der Verein im Schnitt zu versorgen, dazu kämen noch zehn bis zwanzig Kleintiere. Um die Tiere kümmern sich sieben feste Mitarbeiter und rund 15 ehrenamtliche Helfer. „Ein großer Kostenfaktor sind für uns auch die Arzt- und Medikamentenkosten von monatlich bis zu 25 000 Euro“, sagt Frick.

Besonders illegal eingeführte Tiere, die von Polizei oder Zoll beschlagnahmt und dann im Tierheim abgegeben würden, verursachten laut Frick hohe Kosten. „Wir müssen die Tiere versorgen und zum Arzt bringen“, so Frick. Das Problem lasse sich allerdings nur lösen, wenn der Tierhandel bereits in den Herkunftsländern – vor allem Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Moldavien – effektiv bekämpft werde.

Kommentar

Verantwortung

Die Hälfte aller Tierheime in Bayern steht quasi vor der Insolvenz, weil die finanzielle Unterstützung aus den Kommunen einfach zu dürftig ist. Hinzu kommt,...

Viele Tierheime kämpfen ständig ums Überleben. „Sie stehen mit dem Rücken zu Wand“, sagt Andreas Brucker vom Deutschen Tierschutzbund. Die Hälfte der Häuser stehe vor der Insolvenz. In manchen Gemeinden müssen die Tierheime nach eigenen Angaben um jeden Cent streiten – so ist es auch teilweise in Schwandorf. „Insgesamt würden wir Geld von 33 Gemeinden bekommen, fünf davon zahlen aber nicht“, sagt Volker Olbrich, der Schatzmeister des Tierheims. Die 60 000 Euro aus der kommunalen Förderung seien aber bei weitem nicht ausreichend und würden nur ein Viertel der Gesamtkosten decken. „Allein die Tierarztkosten belaufen sich auf rund 70 000 Euro jährlich – mit steigender Tendenz.“ Auch die Personalkosten seien eine Belastung. „Wir arbeiten hier 365 Tage im Jahr – damit uns die Mitarbeiter bleiben, müssen wir sie auch bezahlen“, sagt Olbrich.

Das Tierheim Amberg komme auch mehr schlecht als recht über die Runden, sagt Kassier Dr. Burglinde Dausch. „Wir sind auf die Spenden der Menschen angewiesen.“ In Amberg erhalte das Tierheim eine jährliche Pauschale pro Einwohner von 27 Gemeinden und der Stadt Amberg. Im vergangenen Jahr seien so 74 000 Euro zusammengekommen. Das decke nicht einmal die Tierarztkosten von jährlich 75 000 Euro ab. „Bald brauchen wir ein neues Hundehaus – dann heißt es wieder ,Betteln gehen‘ für eine Aufstockung der kommunalen Förderung“, sagt Dr. Dausch.

Kein Geld für Streuner

Olbrich wünscht sich, dass die Kommunen in Zukunft zu einem festen Betrag pro Einwohner verpflichtet werden. Und er hat noch einen anderen Vorschlag der die Arbeit der Tierheime erleichtern würde: die Einführung einer allgemeinen Kennzeichnungspflicht für Haustiere. „Bei herrenlosen Tieren bekommen wir kein Geld von den Kommunen und bleiben auf den ganzen Kosten sitzen.“ Hat der Hund einen nachweisbaren Besitzer, gelte er als Fundhund und das Tierheim erhält die finanzielle Förderung.

Brucker sagt, mit einem Euro pro Einwohner und Jahr kämen die Tierheime gerade einmal auf eine Schwarze Null. Investitionen seien da trotzdem nicht zu machen. „Wir haben ausgerechnet, dass 1,50 Euro pro Einwohner und Jahr nötig wären“, sagt Brucker. Laut einem Sprecher des Städtetags sind die Kommunen prinzipiell „offen, wenn da Forderungen an uns herangetragen werden“. Die Tierheime seien wichtig, weil die Gemeinden dadurch entlastet würden. Eine Forderung nach einheitlichen Sätzen sei jedoch nicht weiterverfolgt worden. Und so liegt es weiter an der Hartnäckigkeit oder dem Verhandlungsgeschick des einzelnen Tierheims, wie viel Geld es von der Kommune bekommt.

Kein Geld vom Freistaat

Auch bei illegalen Tiertransporten oder krankhaften Tier-Sammlern (animal hording) ist die Rechtslage schwierig. „Da gibt es immer wieder Reibereien“, erzählt Brucker. Bei den Transporten seien die Eigentümer im Ausland oft nicht zu finden und Tier-Sammler hätten meist gar kein Geld, das die Tierheime einfordern könnten.

In Bayern gehören etwa 80 Tierheime zum Deutschen Tierschutzbund. Sie müssen spezielle Qualitätskriterien und tierschutzrechtliche Vorgaben erfüllen. Bisher sprang immer der Verband ein, wenn ein Heim vor dem Aus stand. Dafür gibt es den sogenannten „Feuerwehrfonds“.

„Ich muss in Bayern Tiere töten, dann krieg ich einen Zuschuss. Wenn sie Tiere retten, kriegen sie nichts“, sagt Brucker. Er meint damit die Jagdverbände, die vom Freistaat mit rund einer Million Euro im Jahr unterstützt werden. Für Tierheime dagegen gibt es nichts. Dies sei Aufgabe der Kommunen, heißt es aus dem Umweltministerium. So leicht macht es sich jedoch nicht jedes Land. Beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern fördert Tierheime und Aufnahmestationen im Jahr mit 130 000 Euro. Brucker fordert von Bayern etwa 500 000 Euro. (dpa)

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