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Gesellschaft

Garderobenzwang treibt Chamer um

Besucher der Stadthalle Cham müssen dicke Jacken abgeben. Beim Auftritt von Willy Astor ist die Situation beinahe eskaliert.
Von Tanja Fenzl

Die neue Stadthalle bietet immer wieder Anlass für Diskussionen. Neuestes umstrittenes Thema: Jacken müssen abgegeben werden. Archivfoto:  fi
Die neue Stadthalle bietet immer wieder Anlass für Diskussionen. Neuestes umstrittenes Thema: Jacken müssen abgegeben werden. Archivfoto: fi

Cham.Willy Astors bekannte Lästerzunge und ein verärgertes Chamer Publikum – die Verantwortlichen der neuen Stadthalle bekommen gerade die volle Breitseite dieser Kombination zu spüren. Hauptgrund des Anstoßes: der Garderobenzwang beim Auftritt des bayerischen Sprachkünstlers und Lokalmatadors am Mittwoch. „Neben mir saß ein junger Mann nur im T-Shirt, der hat vor Kälte gezittert“, sagt eine Besucherin. Er hatte seine Lederjacke abgeben müssen. Auch sie selbst ist verunsichert, nachdem sie erleben musste, wie sämtliche bejackte Besucher am Eingang zum Saal vom Personal wieder zurück zur Garderobe geschickt wurden. „Was darf man denn noch überhaupt mit in den Saal nehmen?“

Vorweg: Ums perfekte Outfit müssen sich die Wenigsten Sorgen machen. „Natürlich darf man Sakko, Blazer, Strickjacke oder Ähnliches anbehalten“, sagt Sandra Ofenbeck. Die Stadthallen-Managerin fühlt sich hörbar überrannt von den plötzlichen Beschwerden. „Die Verordnung, dass Jacken an der Garderobe abzugeben sind, gibt es seit der Eröffnung der Halle“, betont sie. Nur fiel sie in Anbetracht der lange warmen Witterung heuer wohl kaum ins Gewicht, glaubt sie. „Die Leute hatten ja keine dicken Jacken an im Sommer.“

Auftritt

Astor ließ aus Protest die Jacke an

Der Kabarettist und Wortkünstler ärgerte sich bei seinem Heimspiel in Cham wie das Publikum über den Garderobenzwang.

Ein Thema der Provinz?

Im Übrigen befinde sich die Stadthalle auf Höhe der Zeit. „Alle größeren Hallen in Deutschland haben Garderobenzwang.“ Erst kürzlich sei ein Sicherheitsteam des Audimax Regensburg in der Stadthalle gewesen. „Die waren total überrascht davon, dass sich in Cham jemand darüber aufregt; in Regensburg sind es die Leute wohl eher gewöhnt.“ Also ein Thema der Provinz?

„Wir gehören mit 800 Sitzplätzen nicht mehr zur Kategorie kleine Halle“, erklärt Ofenbeck. Das Audimax fasse 1300 Personen, „das ist nicht so viel mehr“. Sie glaubt, dass sich das Jacken-Brandschutz-Thema, das nun auch in den sozialen Medien hochkocht, vor allem daran entzündet hat, dass Astor sein Publikum regelrecht angeheizt habe. „Er ist knapp zu spät gekommen, da hat ihm das vielleicht gerade gut als Ventil gepasst.“

Im Übrigen, das schreibt auch Bürgermeisterin Karin Bucher in einer Stellungnahme, sei das Personal richtiggehend angegangen worden am betreffenden Abend. „Einige Gäste, genauso übrigens wie der Künstler selbst, haben es am Anstand mangeln lassen. Unser Personal ist beleidigt, ja bedroht worden.“ Ofenbeck berichtet gar von Schubsen und tätlichen Angriffen, „Wegen einer Jacke, wohlgemerkt.“

Hallendämmerung

  • Technik

    Willy Astor im gleißenden Licht, das Publikum auf gut Bairisch „im Stockfinstern“ – über beides war der Comedian nicht amüsiert und schickte bissige Kommentare an Hallenleitung und Bühnentechniker. „Das war nicht fair“, nimmt Ofenbeck ihre Arbeiter in Schutz.

  • Stromausfall

    „Das Problem entstand durch einen Stromausfall zwischen vier und halb fünf, und alle haben Unglaubliches geleistet, dass die Technik immerhin so weit wieder funktionierte.“ Dass nicht gedimmt werden konnte, sei das Einzige gewesen, was auf die Schnelle nicht mehr zu regeln gewesen sei.

Auch mit einem anderen Gerücht räumt sie resolut auf: „Dass man die Jacken nicht mit in den Saal nehmen darf, hängt mit Brandschutz zusammen. Aber nicht, weil die Jacken plötzlich Feuer fangen könnten, auch wenn sie natürlich im Ernstfall recht schnell brennen. Die Jacken können aber als Stolperfallen dienen, wenn es brennt.“ Bucher ergänzt: „Auch Regenschirme und andere Gegenstände liegen oft auf dem Boden herum, rutschen vom Stuhl und verengen so dann im Falle eines Falles notwendigen Fluchtweg, man kann auf ihnen ausrutschen oder sonst behindert werden.“

Sie klingt fast amüsiert

Also hin zur Garderobe – die auch noch einen Euro kostet. „Glaubt irgendwer ernsthaft, dass man mit 300 abgegebenen Jacken den Betrieb finanzieren kann?“ Ofenbeck klingt fast schon amüsiert. Und wo sie schon einmal dabei ist, mit Gerüchten aufzuräumen: „Natürlich darf man seine Tasche mit in den Saal nehmen.“

Bei der Veranstaltung mit Hans Söllner seien die Sicherheitsvorkehrungen außer der Reihe deswegen besonders hoch gewesen, weil Söllner bekanntermaßen keine unpolitische Person sei und der Auftritt auch noch kurz vor der Wahl stattgefunden hatte. „Das ist aber ebenfalls nichts Spezifisches in Cham; bei jedem Rockkonzert werden Taschen kontrolliert, und man lässt es sich klaglos gefallen.“

An Kleidung darf das mit in den Saal: kleine, dünne Jacken und Jäckchen, die zum Outfit gehören, Sakkos, Blazer. Taschen: Bis etwa DIN A4-Format, „normalgroße“ Taschen sind laut Ofenbeck erlaubt.

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