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Kötztingerin schreibt über Darmkrankheit

Susanne Augustin spricht seit Jahren ganz offen über ihre Morbus-Crohn-Erkrankung. Nun hat sie darüber geschrieben.
Von Stefan Weber

Susanne Augustin hat Morbus Crohn, eine chronische Darmerkrankung. Nun hat sie ein Buch über die Krankheit geschrieben. Foto: S. Weber
Susanne Augustin hat Morbus Crohn, eine chronische Darmerkrankung. Nun hat sie ein Buch über die Krankheit geschrieben. Foto: S. Weber

Bad Kötzting.Morbus Crohn. Hat jeder wahrscheinlich schon einmal gehört. Was hinter dieser chronischen Erkrankung des menschlichen Darms steckt, das wissen allerdings wohl nur die wenigsten. Dabei leiden rund 400.000 Menschen alleine in Deutschland darunter. Die gebürtige Kötztingerin Susanne Augustin lebt seit ihrer Jugend mit der unheilbar entzündlichen Darmkrankheit.

Doch anstatt die äußerlich nicht sichtbare Krankheit zu verschweigen, geht sie seit Jahren an die Öffentlichkeit, um aufzuklären. Vor zwei Jahren wurde unser Medienhaus erstmals auf die junge Frau aufmerksam, als sie ein Benefizkonzert zugunsten an Morbus Crohn erkrankten Menschen organisiert hat. Im vergangenen halben Jahr ist sie noch einen Schritt weitergegangen und hat ein Buch geschrieben. Seit 8. Oktober ist es auf dem Markt.

So ein Buch hat gefehlt

Bei einem Besuch in ihrer Heimatstadt berichtet Augustin im Gespräch mit unserem Medienhaus, wie es dazu gekommen ist, dass sie auf 240 Seiten in schonungsloser Offenheit über ihre Erfahrungen mit der Krankheit schreibt. Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall – „nicht gerade gesellschaftsfähige Themen“, wie sie selbst schreibt. Der Anlass dazu, ein Buch gerade darüber zu schreiben, habe sich im Februar dieses Jahres ergeben, erzählt sie. Damals war sie in der Sendung Mensch Otto im Abendprogramm von Bayern3 zu hören.

Was sie damals über Morbus Crohn erzählte, sei auch Mitarbeitern des mvg-Verlages zu Ohren gekommen – und habe da so sehr beeindruckt, dass die Anfrage für ein Buch an sie gestellt worden sei. „Ich habe sofort ja gesagt“, erinnert sie sich, und das vor allem aus einem Grund: „Als ich die Diagnose bekommen habe, hätte ich mich gefreut, wenn es so ein Buch gegeben hätte“, sagt sie. Doch anstelle von Erfahrungsberichten habe es nur Fachliteratur auf hoch wissenschaftlichem Niveau gegeben. Eine Lücke, die ihr Buch mit dem Titel „Mehr als ein bisschen Bauchweh –Mein Leben mit Morbus Crohn – Symptome, Diagnose – Behandlungswege“ füllen soll.

Wenn die Krankheit schneller ist

Das Buch von Susanne Augustin Foto: S. Weber
Das Buch von Susanne Augustin Foto: S. Weber

Die junge Autorin, die Englisch und Deutsch für Lehramt studiert hat, gibt sich von Anfang an eine Richtung vor: Schonungslose Offenheit. Dabei geht sie schon einmal mit den gesellschaftlichen Normen hart ins Gericht. Da gibt es die Frage, warum Frauen eigentlich nicht auf die Toilette gehen dürfen, sondern sich „frisch machen“ müssen. Oder die deutliche Ansage an der Tankstelle, was passiert, wenn für die Nutzung des WC erst einmal etwas eingekauft werden muss – und muss man den Beutel eines künstlichen Darmausganges nun verstecken oder nicht?

Schonungslos erzählt Susanne Augustin aber auch von eigenen Erlebnissen mit der Krankheit: Von der ersten Diagnose, die zu einer Blinddarm-Operation geführt hatte; oder vom Gang zur Toilette an der Universität, bei dem die Krankheit schneller war als sie. Es geht um ihre eigenen Gefühle, Scham, Angst, um die Schwierigkeiten in der Partnerschaft, die sich durch Morbus Crohn ergeben und schließlich vor wenigen Monaten um Todesangst, als nur eine Not-OP ihr Leben retten konnte.

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Ihr täglicher Kampf um Normalität

Susanne Augustin aus Bad Kötzting hat zwei Autoimmunkrankheiten. Jetzt organisiert sie ein Konzert, um Betroffenen zu helfen.

Für Susanne Augustin war, als sie damit begann, das Buch zu schreiben, klar, dass es „100-prozentig oder gar nicht“ werden würde. „Ich wollte nichts schönreden, und wenn ich nicht so ins Detail gegangen wäre, also wieder eine ,Zuckerschicht‘ drübergepackt hätte, dann hätte das Buch keinen Mehrwert“, sagt sie. Betroffene wüssten es dann ja doch besser und alle anderen wieder nicht mehr bescheid. Der Leser leidet somit mit, wenn ein neuer Schub der Krankheit die Autorin über Tage und Wochen an die Toilette bindet und sie schließlich zu schwach ist, um selbst zurück ins Bett gehen zu können. Als Grundlage für das Buch dienten Augustin Aufzeichnungen, die sie selbst in den vergangenen Jahren zu verschiedensten Gelegenheiten angefertigt hat. „Schreiben hilft mir“, sagt sie. Damit das Buch den Leser nicht einfach nur „runterzieht“, versetzt die Autorin ihre Erzählungen mit ihrer ganz eigenen Art von Humor und einer guten Portion Sarkasmus.

Nur positive Rückmeldungen

Schon während der Schreibphase hatte sie eng mit einer Lektorin des Verlages zusammengearbeitet, hatte beim Schreiben aber völlig freie Hand. Herausgekommen ist ein Buch, das sich sehr eingängig liest, über die weitesten Strecken unterhält und dabei immer neue Einblicke in das Leben mit einer chronischen Darmerkrankung gibt. Fachbegriffe aus der Medizin werden erklärt, und auch, wie Symptome und Behandlungsmöglichkeiten aussehen. Dem Leser fällt schnell auf, dass in dem Buch keine Orte genannt werden, aus gutem Grund. Denn das Buch soll unabhängig allen Interessierten und Betroffenen als Quelle dienen, unabhängig, und da komme es nicht darauf an, wo die Ereignisse spielten.

„Wenn ich nicht so ehrlich gewesen wäre, dann hätte das Buch keinen Mehrwert.“

Susanne Augustin, Autorin

Das Feedback, das sie bislang bekommen habe, sei nur positiv. „Jetzt weiß ich, was in Dir vorgeht“, oder „Jetzt kann ich das besser nachvollziehen“, seien die Reaktionen gewesen. Alles Rückmeldungen, die nach dem Erstlingswerk Mut für eine Fortsetzung machen. „Themen für ein Folgebuch wären genug in dem Buch vorhanden“, sagt Susanne Augustin. Eigentlich hätte es nur 180 statt 240 Seiten haben sollen, und so wurden einige Themen dann doch nur gestreift, die es wert wären, vertieft zu werden, wie sie meint.

Themen für Folge-Bücher

Da wäre etwa der gesamte Komplex rund um die psychische Gesundheit von Morbus-Crohn-Patienten. „Manchmal sind es Monate oder Jahre, in denen sich die Krankheit nicht bemerkbar macht, und dann gibt es Tage, an denen man meint, es geht nicht mehr“, sagt Augustin. Durch die Erkrankung schwanke sie seit Jahren zwischen „Wahnsinnig schlimm und ok“. Seit das Buch auf dem Markt ist, hätten sich außerdem auch schon Magazine und Fernsehsender bei ihr gemeldet, die mit ihr über ihre Geschichte sprechen wollen.

Das Buch

  • Titel:

    Mehr als ein bisschen Bauchweh

  • Umfang:

    240 Seiten

  • Kosten:

    16,99 Euro

  • Kaufen:

    Das Buch ist im mvg-Verlag in München erschienen und ist seit gut einem Monat – seit Anfang Oktober – in allen gängigen Versandhäusern und auch als E-Book erhältlich. (wf)

„Ich geh da aber erst einmal mit keinen zu hohen Erwartungen ran“, sagt Susanne Augustin ganz bescheiden. Ihr Ziel hat sie erreicht, wenn die Krankheit Morbus Crohn aus der gesellschaftlichen Tabuzone heraustritt und die 400 000 Menschen, die in Deutschland daran leiden, auch darüber sprechen können, ganz ohne Vorurteile.

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