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Aufsehenerregende Prozesse im Jahr 2017

Eifersucht kostete zwei Leben: Bei zwei Prozessen in Regensburg ging es um Mord und Totschlag. Auffällig sind die Parallelen.
Von Marion von Boeselager

Mehrere spektakuläre Prozesse prägten das Jahr am Amts- sowie am Landgericht. Foto: Gruber
Mehrere spektakuläre Prozesse prägten das Jahr am Amts- sowie am Landgericht. Foto: Gruber

Regensburg.Ein Totschlags- und ein Mordprozess prägten 2017 das Gerichtsjahr in der Stadt Regensburg – mit erschreckenden Parallelen: In beiden Fällen kam eine schöne Regensburgerin, eine Mutter noch minderjähriger Kinder, gewaltsam ums Leben. In beiden Fällen war der Lebensgefährte, der Ehemann der Täter. Und das Motiv lautete jeweils: Eifersucht.

Mit einem Kleid hatte ein 46-jähriger Mann seine um zehn Jahre jüngere Ehefrau im Streit in ihrem Haus im Stadtnorden erdrosselt – nach einer Beziehung mit vielen Höhen, aber noch mehr Tiefen. Die beiden waren ein ungleiches Paar: er ein Flüchtling vor Terror aus Albanien, sie eine Tochter aus gutem Hause. Doch als die Beziehung sich verschlechterte, nahm die junge Frau Beziehungen zu anderen Männern auf und machte vor ihrem Mann keinen Hehl daraus. Der von Eifersucht zerfressene Familienvater wollte dies nicht hinnehmen. Er löschte, mit 2,7 Promille Alkohol im Blut, das Leben seiner Frau aus und nahm seinen beiden Söhnen die Mutter. Neun Jahre und drei Monate Gefängnis wegen Totschlags lautete am Ende des Verfahrens im April das Urteil des Schwurgerichts. „Ich liebe meine Frau noch immer“, sagte der Mann in seinem letzten Wort.

Frau die ganze Nacht verprügelt

Über Stunden hinweg zog sich das Martyrium einer zweiten Regensburgerin (43) hin. Auch sie hatte während der Beziehung zu ihrem Lebensgefährten (42) ungeniert mit anderen Männern geflirtet. Auch soll es zu Affären gekommen sein. Vor der Bluttat war es schon mehrfach zu Handgreiflichkeiten des Mannes, der die Demütigungen nicht ertrug, gegen seine Partnerin gekommen. Als er glaubte, sie habe eine Beziehung mit einem 19-jährigen Nachbarssohn, eskalierte die Situation. Erst wollte der 42-Jährige sich mit dem Nebenbuhler prügeln. Als er den nicht antraf, richtete sich seine Wut gegen die Frau.

Zwölf Jahre muss der 42-Jährige hinter Gitter, der seine Frau aus Eifersucht getötet hat. Foto: Boeselager
Zwölf Jahre muss der 42-Jährige hinter Gitter, der seine Frau aus Eifersucht getötet hat. Foto: Boeselager

Er prügelte und stiefelte sie die ganze Nacht, bis sie morgens an ihren schweren Kopfverletzungen starb.

Unfassbar: Der Täter schickte fast stündlich Fotos der geschundenen, blutüberströmten Regensburgerin und Textnachrichten an den vermeintlichen Rivalen. „Sie bekommt jetzt Deine Strafe“, schrieb er. Doch der 19-Jährige blieb untätig. Der mutmaßliche Geliebte wurde im November zu einer zehnmonatigen Jugendstrafe mit Bewährung wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt. Den Ehemann sprach das Gericht im Dezember des Totschlags schuldig und verurteilte ihn zu zwölf Jahren Haft.

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Einige weitere Schlaglichter des Gerichtslebens in diesem Jahr: Ein sexuell motivierter Überfall auf eine 47-jährige Pflegerin, die am frühen Neujahrsmorgen 2017 in Kumpfmühl auf dem Weg zur Arbeit war, schockte die Regensburger Anfang des Jahres. Der Täter, ein alkoholisierter 25-jähriger Küchenhelfer stand im August wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht. Da sich das Opfer aber etwas widersprüchlich zum Ausmaß der gewaltsamen Übergriffe äußerte, kam der Mann mit zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung davon.

600 000 Ecstasy-Pillen hatte der Zoll entdeckt. Der Fahrer kam für lange zeit in Haft. Foto: Endig/dpa
600 000 Ecstasy-Pillen hatte der Zoll entdeckt. Der Fahrer kam für lange zeit in Haft. Foto: Endig/dpa

Es war die größte Menge Ecstasy, die der Zoll in der Geschichte der Bundesrepublik jemals sicherstellte: Rund 600 000 Pillen sowie 776,6 Gramm Cannabis-Harz befanden sich in Kartons auf der Ladefläche eines türkischen Lastwagens. Das Landgericht schickte den Fahrer für zehn Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Die Hintermänner blieben im Dunkeln.

Apotheker mit Messer bedroht

Ein drogensüchtiger Regensburger (28), der einem Arzt die Tasche mit Rezeptblöcken aus der Praxis stahl und einen Apotheker, der die gefälschten Rezepte nicht einlösen wollte, mit dem Messer bedrohte, wurde im Juli zu fast drei Jahren Haft verurteilt.

Eine Gruppe Asylbewerber wurde im vergangenen Sommer von der Kirche im Pfarrheim St. Emmeram untergebracht. Als die Hilfsaktion endete, versuchte einer der Flüchtlinge aus den Balkanländern, sich gewaltsam Zutritt zu den Räumen zu verschaffen. Er soll einem Security-Mann den Arm umgedreht haben. Im Juni wurde der 43-Jährige zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je fünf Euro wegen Hausfriedensbruchs, vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung verurteilt.

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Wegen versuchter Gefangenenbefreiung musste sich im Juni ein Häftling der JVA Regensburg vor dem Amtsgericht verantworten. Er hatte mit dem Mitinsassen Identitäten getauscht, angeblich, um die Freilassung des anderen zu erreichen. Er wurde jedoch freigesprochen, da es sich herausstellte, dass es ihm nur um seine eigene schnelle Entlassung aus dem Knast ging.

Der Betreiber mehrerer gut gehender Dönerläden in Regensburg und Burglengenfeld stand im Dezember wegen Hinterziehung von Steuern von fast einer halben Million Euro vor Gericht. Er hatte jahrelang gar keine oder völlig unzureichende Steuererklärungen abgegeben. Mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten und 17.500 Euro Geldstrafe kam er glimpflich davon.

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