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Barmherzige: Fast 2900 Senioren geholfen

„Modellcharakter für ganz Bayern“: Seit Januar gibt es bei den Barmherzigen Brüdern in Regensburg ein geriatrisches Zentrum.
Von Curd Wunderlich

Die 80-jährige Christa Schmidtke fühlte sich in der Tagesklinik unter der Betreuung durch Professor Cornel Sieber (Mitte) und sein Team sichtlich wohl. Foto: Wunderlich
Die 80-jährige Christa Schmidtke fühlte sich in der Tagesklinik unter der Betreuung durch Professor Cornel Sieber (Mitte) und sein Team sichtlich wohl. Foto: Wunderlich

Regensburg.Das neue geriatrische Krankenhaus habe „Modellcharakter für ganz Bayern“, sei gar ein „Meilenstein“, lobte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bei der Einweihung des Paul-Gerhardt-Hauses bei den Barmherzigen Brüdern im Dezember vergangenen Jahres. Anfang Januar 2017 bezogen dann die ersten Patienten ihre Zimmer in dem Neubau, in dem vorrangig ältere Patienten versorgt werden. Sie kamen aus dem gerade geschlossenen Evangelischen Krankenhaus oder aus anderen Abteilungen bei den Barmherzigen Brüdern. Zum Ende des Jahres warf Chefarzt Professor Cornel Sieber im Gespräch mit der MZ einen Blick zurück aufs erste Jahr – gewährte aber auch Einblicke in die Zukunft des Hauses.

Nachdem schon beim Bau alles nach Plan lief – sowohl der Zeitrahmen als auch die Baukosten (29 Millionen Euro) konnten nach der Grundsteinlegung im Juni 2015 eingehalten werden – verlief auch der Start in den Krankenhausbetrieb fast stolperfrei. Er habe schon neue Krankenhäuser von der Pieke auf mit aufgebaut, betont Sieber. So reibungslos wie in Regensburg sei das nie verlaufen.

Ganzheitlicher Therapieansatz

Dabei wäre die ein oder andere Startschwierigkeit gar nicht so abwegig gewesen, erklärte Pflegedienstleiter René Sossau. Schließlich liefen nach der Eröffnung in der Nachfolgeeinrichtung des Evangelischen Krankenhauses viele Fäden zusammen: neues Personal musste mit altem aus zwei verschiedenen Häusern zusammenarbeiten und sofort funktionieren und verschiedene Abteilungen wurden im Paul-Gerhardt-Haus unter einem Dach im Sinne der geriatrischen Versorgung neu miteinander kombiniert. Anfängliche Abstimmungsprobleme hätten sich aber soweit im Hintergrund abgespielt, dass die Patienten davon gar keine Notiz genommen hätten, so Sossau.

Das Paul-Gerhardt-Haus ist ein moderner Krankenhausbau. Foto: Wunderlich
Das Paul-Gerhardt-Haus ist ein moderner Krankenhausbau. Foto: Wunderlich

Mittlerweile greift im alltäglichen Ablauf ohnehin ein Rädchen perfekt ins andere. Die Patienten in den verschiedenen Abteilungen im neuen Krankenhaus – neben der Altersmedizin mit Akutgeriatrie, geriatrischer Frührehabilitation, akutgeriatrischer Tagesklinik und demenzsensiblem Bereich ist im Paul-Gerhardt-Haus auch eine Station für allgemeine innere Medizin untergebracht – fühlen sich augenscheinlich wohl und gut versorgt.

Beim MZ-Besuch Mitte Dezember ist die 80-jährige Wenzenbacherin Christa Schmidtke Patientin in der akutgeriatrischen Tagesklinik. Laut deren Leiter Dr. Steffen Schlee kann ein Aufenthalt dort mehrfach erkrankten älteren Patienten einen nachhaltigen Behandlungserfolg bringen, ohne dass sie einen stationären Krankenhausaufenthalt auf sich nehmen müssen.

Im Gespräch mit der MZ bestätigt Christa Schmidtke den Erfolg dieser Zielsetzung des Krankenhauses. Hauptanlass, in die Tagesklinik zu kommen, war ihr Problem mit Depressionen gewesen. Der ganzheitliche Therapieansatz des Paul-Gerhardt-Hauses kam ihr dabei entgegen: Denn das Team dort berücksichtigt nicht nur körperliche, sondern auch geistige, emotionale und spirituelle Aspekte .

Patienten-Schutzsystem für Demenzkranke: Das Schutzsystem ermöglicht Patienten mit Demenz innerhalb des Paul Gerhardt Hauses Bewegungsfreiraum bei größtmöglichem Schutz. Sie erhalten ein Armband, mit dem sie keine Türen zu Treppenhäusern öffnen, keine Aufzüge benutzen, dafür aber Notrufe auslösen können. Das Tragen setzt einen gerichtlichen Beschluss oder eine Einwilligungserklärung voraus. Foto: Wunderlich
Patienten-Schutzsystem für Demenzkranke: Das Schutzsystem ermöglicht Patienten mit Demenz innerhalb des Paul Gerhardt Hauses Bewegungsfreiraum bei größtmöglichem Schutz. Sie erhalten ein Armband, mit dem sie keine Türen zu Treppenhäusern öffnen, keine Aufzüge benutzen, dafür aber Notrufe auslösen können. Das Tragen setzt einen gerichtlichen Beschluss oder eine Einwilligungserklärung voraus. Foto: Wunderlich

Jeden Tag wird die Seniorin vom Fahrdienst zuhause abgeholt und in die Tagesklinik gebracht. Dort herrscht für ein Krankenhaus eine regelrechte Wohlfühlatmosphäre: helle Räume mit viel natürlichem Licht, Gemeinschaftsräume zum Plaudern mit Mitpatienten und jede Menge hübsche Kunst fürs Auge. Im Regensburger Westen angekommen, bekommt Schmidtke jeden Vormittag einen Stundenplan für den Tag: „Dass ich sowas in meinem Alter nochmal bekomme, ist schon toll“, erzählt sie lachend.

Älteste Patientin war 106 Jahre

Zwischen 9 und 15.30 Uhr werden die Patienten in der Tagesklinik umfänglich versorgt. Für die ganzheitliche Therapie stehen nicht nur Ärzte und Pflegepersonal, sondern zusätzlich Seelsorger, Psychologen, ein Sozialdienst, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Ernährungsberater bereit. Und so kann Schmidtke sich in Einzel- und Gruppengesprächen nicht nur ihren psychischen Problemen widmen, sondern zusätzlich auch körperliche Leiden lindern. Besonders wichtig ist ihr, ein Problem mit dem Fuß schnell wieder in den Griff zu bekommen: „Damit ich mit meinem Hund wieder Gassi gehen kann“, sagt sie mit glänzenden Augen.

Genau das sei auch das gemeinsame Ziel von ihm und seinem Team, erklärt Chefarzt Sieber: Die alten Patienten sollen so selbstständig wie möglich ihr Leben führen können. „Das macht die Lebensqualität im Alter aus“, ist er überzeugt. Das Durchschnittsalter im Haus betrage 84 Jahre, die älteste Patientin sei gar 106 Jahre alt gewesen. Das Haus sei quasi immer voll belegt. „Das ist in der Altermedizin eigentlich überall so“, betont Sieber und verweist auf den demografischen Wandel.

Insofern sei Regensburg mit seiner geriatrischen Klinik gut aufgestellt: Die hiesige sei eine der drei größten ihrer Art in Deutschland. In Bayern könne was die Breite des Angebots angehe gar nur noch Nürnberg mithalten.

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Fakten und Zahlen

  • 83 Betten

    stehen für die stationäre Versorgung der Patienten im Paul Gerhardt Haus zur Verfügung. Zusätzlich gibt es 20 Plätze in der akutgeriatrischen Tagesklinik.

  • 90 Pflegekräfte

    stellen die Versorgung der Patienten im stationären Bereich an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr sicher. In der Tagesklinik sind werktäglich zwei Pfleger tätig.

  • 2870 Patienten

    wurden im Zeitraum Januar bis November 2017 stationär im Paul Gerhardt Haus behandelt. In der Tagesklinik waren es im gleichen Zeitraum 170 Patienten.

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